Positionspapier: CFA Society Germany fordert Reformschub für Altersvorsorge

Die CFA Society Germany hat ein Positionspapier zur staatlich geförderten Altersvorsorge vorgestellt. Der Verband plädiert für tiefgreifende Reformen, darunter die Integration bestehender Vorsorgesäulen, eine stärkere Kapitalmarktorientierung und deutlich niedrigere Kostenstrukturen. Ziel ist ein nachhaltiger Systemwandel mit höheren Renten bei gleichem Beitrag. Markets | 28.01.2026 13:56 Uhr
Susan Spinner, CFA, Geschäftsführende Vorsitzende der CFA Society Germany / © e-fundresearch.com / CFA Society Germany
Susan Spinner, CFA, Geschäftsführende Vorsitzende der CFA Society Germany / © e-fundresearch.com / CFA Society Germany

Altersvorsorge neu denken – CFA Society Germany legt Reformplan vor

Wie die CFA Society Germany im Rahmen einer Mitteilung an e-fundresearch.com erklärt, sei angesichts wachsender Herausforderungen im deutschen Rentensystem ein grundsätzlicher Reformansatz nötig. Die bisherige Struktur mit getrennten Systemen für betriebliche und private Vorsorge, hoher Kostenbelastung und garantielastigen Produkten habe sich als ineffizient und renditeschwach erwiesen.

„Die gesetzliche Rente wird für viele künftig nur noch eine Basisabsicherung sein“, erklärt Susan Spinner, CFA, Geschäftsführende Vorsitzende der CFA Society Germany. „Die demografische Entwicklung und die steigende Belastung des Rentensystems machen Reformen dringlicher denn je. Deutschland ist in den letzten Jahren im Mercer CFA Institute Pension Index von Platz 10 auf Platz 20 gefallen – ein Alarmsignal. Andere Länder zeigen, dass leistungsfähigere Rentensysteme möglich sind – mit vergleichbaren Beiträgen. Unser Positionspapier und der Blick auf erfolgreiche internationale Modelle verdeutlichen: Höhere Renten lassen sich erreichen, wenn Kosten konsequent gesenkt, Strukturen vereinfacht und die langfristigen Chancen der Kapitalmärkte systematisch genutzt werden.“

Das vorgestellte Konzept enthält eine Reihe konkreter Vorschläge zur Neuordnung der staatlich geförderten Altersvorsorge:

Integration von bAV und pAV

Die bisherige Trennung betrieblicher und privater Altersvorsorge soll aufgehoben werden. Eine zentrale Plattform soll für alle Erwerbstätigen offenstehen – auch für Selbständige, Beamte, Minijobber und Personen mit unterbrochenen Erwerbsverläufen.

Zwei komplementäre Vorsorgemodelle

Vorgeschlagen wird die Einführung eines standardisierten Modells über eine staatlich gesteuerte Plattform nach schwedischem Vorbild sowie eines flexiblen Selbststeuerungsmodells mit Depotlösung, angelehnt an das kanadische RRSP/RRIF-System. Beide Varianten sollen digital, transparent und mit klaren Auswahlmöglichkeiten für Vorsorgende gestaltet sein.

Schlanke Kostenstruktur durch Plattformlösungen

Ein zentraler Hebel zur Steigerung der Rentenleistung ist die drastische Senkung von Verwaltungs- und Vertriebskosten. Die geplante staatliche Plattform soll Anbieter über Ausschreibungen auswählen und gleichzeitig hohe Abschlussprovisionen vermeiden. Dadurch entstehen laut Berechnungen des Verbands erhebliche Effizienzgewinne – insbesondere im Vergleich zu Riester- oder klassischen Lebensversicherungsprodukten.

Erweiterung des Zugangskreises und höhere Beteiligung

Die Reform sieht vor, alle Bürgerinnen und Bürger in das Vorsorgesystem einzubinden – unabhängig von Berufsstatus oder Arbeitgeber. Zudem wird ein automatischer Beitritt bei Neueinstellung empfohlen (Opt-out-Prinzip), um die aktuell niedrige Beteiligungsquote insbesondere im Mittelstand zu erhöhen.

Flexibilisierung der Förderung und steuerlichen Behandlung

Die Vorschläge sehen vor, in einkommensstarken Jahren höhere Beiträge steuerlich begünstigt einzahlen zu können. So lassen sich Erwerbsunterbrechungen besser kompensieren. Auch die steuerliche Mitveranlagung von Ehepartnern und Mitnahme nicht genutzter Freibeträge über mehrere Jahre sollen möglich sein.

Kapitalmarktorientierte Anlage ohne Garantien

Die Abschaffung von Garantieverpflichtungen in der Ansparphase soll eine stärkere Allokation in renditeträchtige Anlageklassen wie Aktien ermöglichen. Dies sei bei langer Anlagedauer volkswirtschaftlich sinnvoll und im Interesse der Vorsorgenden – auch unter Berücksichtigung des Lebenszyklusprinzips.

Kollektive Absicherung der Langlebigkeit

Für die Auszahlphase empfiehlt die CFA Society Germany sogenannte Annuity Pools, die das Langlebigkeitsrisiko solidarisch absichern, ohne die Renten durch Garantiekosten zu schmälern. Auch hier zeigt der Blick ins Ausland praktikable Alternativen zum bisherigen System.

Fokus auf Transparenz und Finanzbildung

Die geplante digitale Plattform soll nicht nur Produkte verwalten, sondern auch als Informations- und Bildungsinstrument fungieren – inklusive Tools zur Finanzplanung, verständlicher Darstellung der Rentenlücke und zertifizierter Bildungsinhalte.

Fazit:

Die CFA Society Germany versteht ihr Positionspapier als faktenbasierten Impuls für eine umfassende Reform der Altersvorsorge. Höhere Renten seien bei gleichem Beitrag erreichbar – vorausgesetzt, das System wird effizienter, transparenter und renditeorientierter gestaltet.

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