Diese Tage haben es wahrlich in sich. Der Osterfriede an den Märkten ist erst verspätet eingekehrt. US-Präsident Donald Trump verkündet eine mindestens 14-tägige Waffenruhe und ringt dem Iran im Gegenzug die Öffnung der Straße von Hormus ab. Der Ölpreis verliert prompt über 10 % und das wiederum sorgt für Euphorie in der angespannten Situation. Als ich das bei meinem ersten Espresso lese, ist sofort klar: Das wird ein guter Börsentag. Es ist für mich wieder einmal ein Beweis dafür, dass die besten Bewegungen genau dann passieren, wenn vermutlich nur die wenigsten damit rechnen.
Doch von echter Entspannung würde ich definitiv noch nicht ausgehen. Die Lage im Nahen Osten bleibt fragil, und der Teufel steckt wie so oft im Detail. Die alles entscheidende Frage lautet: Wie schnell kommt die Schiffskolonne wirklich in Fahrt?
Rein rechnerisch könnte sich der Stau von rund 800 Schiffen in wenigen Tagen auflösen. Doch hier scheiden sich die Welten: Auf der einen Seite spricht Donald Trump von einer "vollständigen, sofortigen und sicheren Öffnung“, auf der anderen Seite der Iran, der für die Passage von Öltankern nun offenbar eine „Gebühr“ fordert – zahlbar in Kryptowährung. Für mich ist das irgendwie ein provokanter Schachzug, um das sanktionierte Finanzsystem zu umgehen.
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„Pictet TR-Mandarin: Innovationen in Greater China mit einem Long/Short-Ansatz nutzen“ | Einladung zum Online-Event mit Nataliya Taleva, Senior Client Portfolio Managerin im Hedgefonds-Team von Pictet...Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Schiffsladung im Fall der Fälle auch wirklich versichert ist. Die großen Player wie Lloyd’s haben die Kriegsrisiken für iranische Gewässer und den Persischen Golf seit Kriegsbeginn weitgehend gestrichen. Ein Sprecher von Lloyd’s hat bereits signalisiert, dass ein Auslaufen der Öltanker unter diesen Umständen unwahrscheinlich sei.
Für die Reeder wird es damit nicht nur gefährlich, sondern auch richtig teuer. Wer trägt das Risiko, wenn doch etwas passiert? Wer haftet für Schäden, wenn die eigene Versicherung keine Deckung bietet? Ich an Stelle der Reedereien würde im Weißen Haus einmal höflich nachfragen, ob der liebe Donald im Ernstfall persönlich für den Schaden aufkommt. Während an der Börse gefeiert wird, warten Logistiker und Kapitäne hingegen noch auf das Kleingedruckte.
Kommen wir zum Internationalen Währungsfonds, der dieser Tage zur Nüchternheit und vor Gefahren warnt. Eine aktuelle Studie verdeutlicht, dass der globale Rüstungsboom zwar kurzfristig die schwächelnde Konjunktur anheizt, damit langfristig aber auch erhebliche strukturelle Risiken verbunden sind.
Beginnen wir bei der positiven Seite: Jeder Euro, den der Staat zusätzlich in Panzer oder Munition steckt, lässt die Wirtschaftsleistung um etwa den gleichen Betrag steigen. Für die europäischen Länder prognostizieren die Ökonomen allein für heuer ein um 0,7 % höheres BIP durch die forcierte Aufrüstung. Die Medaille hat aber auch noch eine zweite Seite. Der IWF warnt vor einem klassischen „Nachfrageschock“: Da Kapazitäten erst mühsam aufgebaut werden müssen, treibt der plötzliche Geldregen die Inflation zusätzlich um rund 0,3 % nach oben.
Und die Historie hat uns auch gelehrt: Höhere Rüstungsausgaben führen zu höheren Staatsschulden. In der Studie werden die Auswirkungen massiver Rüstungsausgaben analysiert. Und hier zeigt sich, dass sich nach dem Start das Budgetdefizit um 2,6 % erhöht und die Staatsverschuldung in Relation zum BIP um ganze 7 % steigt. In Anbetracht der chronisch leeren Staatskassen, der hohen Verschuldung und der steigenden Zinsen ist das ein durchaus gefährlicher Cocktail.
Um den Konjunkturmotor so richtig ins Laufen zu bringen, empfiehlt der IWF wenig überraschend langfristige Investitionen in Bildung oder Infrastruktur. Diese Investments haben zudem einen deutlich höheren Impact auf den Wohlstand eines Landes. Und genau diese Themenfelder werden oft hinten angestellt, da die Auswirkungen nicht sofort, sondern erst viele Jahre später sichtbar werden.
Der IWF spricht von einem „politischen Zielkonflikt“. Wenn die Zinsen für die wachsende Schuldenlast steigen, stehen harte Entscheidungen an. Investiert man in Rüstung oder doch lieber in Infrastruktur und Bildung? Beides wird man vermutlich nicht stemmen können. Darüber hinaus könnten auch die Steuern erhöht oder die Sozialausgaben gekürzt werden, um das Budgetloch zu stopfen. Und das ist vermutlich auch ein Aspekt, der nur den wenigsten gefallen dürfte.
Nachdem die Apokalypse vorübergehend einmal abgesagt wurde, gönne ich mir noch einen Espresso.
Dr. Josef Obergantschnig, Gründer, Obergantschnig Management GmbH & e-fundresearch.com Gastkolumnist
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Josef Obergantschnig ist Unternehmer und Gründer von „Börse kannst auch du“. Über zehn Jahre war er Chief Investment Officer mit Investmentverantwortung im Milliardenbereich und entwickelte Strategien für Banken, Versicherungen und Pensionskassen; außerdem Chief Impact Officer bei NIXDORF Kapital (Deutschland). Obergantschnig lehrt seit mehr als 15 Jahren an Universitäten und Fachhochschulen und hat als Buch- und Studienautor über 500 Fachartikel, Kolumnen und Videos veröffentlicht.
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