KI-Boom an der Börse: Wann ist die Party vorbei? Monika Rosen ordnet ein

Krieg im Mittleren Osten, steigende Ölpreise und verunsicherte Konsumenten … nichts davon merkt man beim Blick auf die Aktienmärkte. Genauer gesagt, muss man auf die Kurse der US Tech-Werte schauen, um einen leichten Schwindelanfall zu bekommen. Allein seit Ende März summiert sich deren Anstieg auf über 25%. Aber lebt die Rallye nur von Euphorie, oder hat sie auch fundamentale Gründe? Und wie könnte eine einigermaßen solide Prognose bezüglich der Dauer des Booms aussehen? Um Antworten zu bekommen, brauchen Sie keine KI … lesen Sie einfach den neuen RosenCorner! Markets | 15.05.2026 08:39 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Wie sehen die aktuellen Quartalszahlen der US Tech-Giganten aus?

Das Gewinnwachstum der Magnificent Seven betrug im ersten Quartal über 45%. Der breite S&P 500 hat im selben Zeitraum eine Gewinndynamik von 23% verbucht. Das heißt, die Erträge der Magnificent Seven wachsen derzeit doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Außerdem entfallen auf diese sieben Aktien mehr als ein Viertel des Gewinnwachstums und über ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P. Diese Handvoll Unternehmen haben also ohne Zweifel eine überragende Bedeutung für den US Aktienmarkt. Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass eine Enttäuschung in dieser Gruppe überproportionale Auswirkungen auf den Gesamtmarkt hätte.

Wie lange könnte dieses Momentum noch anhalten?

Eine Art, sich dem Thema zu nähern, wäre über den Halbleiterzyklus. Dieser wird derzeit von der Produktion von KI Chips für Rechenzentren dominiert, rund die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes entfällt auf diese Kategorie. Und auf jeden produzierten KI Chip kommen 10 potenzielle Interessenten. Das schafft einen klassischen Flaschenhals, der den Halbleiterproduzenten derzeit quasi ein „goldenes Ticket“ in die Hand gibt. Die Börse reflektiert das natürlich: Der US Halbleiterindex ist in den letzten 6 Wochen um 60% nach oben geschossen. Besonders profitiert haben die Börsen in Südkorea und Taiwan, wo ein bis zwei Chip-Produzenten bis zu 40% der Indexgewichtung ausmachen. Bleibt die Frage, wie lang dieses Tempo gehalten werden kann. Deloitte geht davon aus, dass die Auftragslage für die nächsten 12 Monate relativ abgesichert ist. Im Laufe von 2027 könnten sich aber Hindernisse auftun: Das reicht von der Energieversorgung bis zur wenig beachteten Tatsache, dass die Chips ständig effizienter und mächtiger werden. Mit jeder Weiterentwicklung werden die in Verwendung befindlichen Chips entwertet, was die Margen und damit die Erträge unter Druck bringt.

Gibt es auch eine mittelfristige Prognose?

Ja, und die könnte von Anleihenmarkt kommen. Schätzungen gehen derzeit davon aus, dass bis 2030 insgesamt rund 5 Billionen Dollar in den Ausbau der KI fließen könnten. Um dieses gewaltige Volumen zu stemmen, zapfen die US Tech-Giganten zunehmend den Anleihenmarkt an. Bis dato haben sie rund 300 Mrd. Dollar an Unternehmensanleihen am US Markt platziert. Noch ist die Aufnahmebereitschaft gegeben, aber es gibt erste Warnsignale: die Performance dieser Tech Anleihen bleibt hinter der von anderen Investment Grade Papieren zurück. Der Bondmarkt zeigt sich beim Thema KI also etwas zurückhaltender als der Aktienmarkt.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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