20 Jahre In Gold We Trust: Vom Außenseiter-Report zum „Goldstandard aller Goldstudien“

5.595 Dollar Allzeithoch, dann der größte Monatsverlust der Geschichte — und Incrementum sieht den Bullenmarkt trotzdem erst in der Mitte. Im 20. „In Gold We Trust"-Report rechnen Stöferle und Valek vor, warum weniger als ein Viertel jedes US-Dollars gedeckt ist, weshalb das 4.800-Dollar-Ziel schon fiel — und welche Marke jetzt im Visier steht. Markets | 26.05.2026 11:36 Uhr
Die "Gründungsväter" des mittlerweile legendären "In Gold We Trust"-Reports: Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek, Incrementum AG / © e-fundresearch.com / Incrementum
Die "Gründungsväter" des mittlerweile legendären "In Gold We Trust"-Reports: Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek, Incrementum AG / © e-fundresearch.com / Incrementum

20 Jahre In Gold We Trust: Vom Außenseiter-Report zum „Goldstandard aller Goldstudien“

Als Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek ihren Goldmarkt-Report ins Leben riefen, stand eine Unze Gold bei rund 670 US-Dollar und die US-Notenbank galt als unangefochtene Hüterin der Preisstabilität. Knapp zwei Jahrzehnte und mehr als eine Verachtfachung des Goldpreises später legt die liechtensteinische Incrementum AG ihre 20. Jubiläumsausgabe vor – unter dem Leitmotiv „Back to the Monetary Future“. Die Kernthese der Autoren: Die Zukunft des Geldes liegt in seiner Vergangenheit. Mit einem Plus von rund 65 % in US-Dollar verzeichnete Gold 2025 das stärkste Jahr seit 1979 und erreichte im Januar 2026 ein Allzeithoch von 5.595 Dollar je Feinunze. Gemessen in Gold haben US-Dollar und Euro seit 2007 rund 85 bzw. 87 % ihrer Kaufkraft verloren.

Ein Bullenmarkt auf fünf Säulen

Die Autoren identifizieren fünf strukturelle Träger des Bullenmarktes: die rapide Verschlechterung der Staatsfinanzen, ein zunehmendes Anti-US-Dollar-Sentiment, die erodierende Glaubwürdigkeit der Federal Reserve, die wachsende Rolle institutioneller Investoren sowie anhaltend hohe Inflationsvolatilität. Die globale Staatsverschuldung nähere sich der Marke von 100 % des Bruttoinlandsprodukts, eine Trendwende sei nicht in Sicht – selbst der Primärsaldo vieler Industriestaaten, darunter Deutschland, sei inzwischen negativ. Parallel habe die Fed-Bilanz trotz offiziell beendetem Quantitative Tightening zuletzt wieder um rund 165 Milliarden auf 6,7 Billionen Dollar zugelegt. Die Autoren sprechen von einem „stillen QE“ – einer bilanziellen Ausweitung, die ökonomisch wie Liquiditätszufuhr wirkt, ohne offiziell so genannt zu werden.

Der Iran-Schock und was er lehrt

Im März 2026 erlebte Gold den größten absoluten Monatsverlust seiner Geschichte: Der Preis fiel um 611 Dollar, ein Rückgang von 27 % vom Allzeithoch. Auslöser war die Iran-Krise samt Schließung der Straße von Hormuz, die Ölpreise zeitweise über 110 Dollar trieb und einen globalen Deleveraging-Prozess in Gang setzte. Der Mainstream erklärte den sicheren Hafen für gescheitert – doch aus Sicht der Analyse folgt der Einbruch einem bekannten Muster: Gold werde in akuten Finanzstress-Phasen nicht trotz, sondern wegen seiner hohen Liquidität verkauft. Dasselbe Muster habe sich im Oktober 2008 und im März 2020 gezeigt – beide Male markierten die Rücksetzer den Beginn der nächsten Aufwärtsphase. Die Notenbank-Antwort auf solche Stresssituationen sei stets dieselbe: mehr Liquidität. Genau diese Reaktion bleibe, so Valek, ein zentraler Gold-Treiber mittelfristig.

Remonetarisierung: Gold kehrt in die Systemarchitektur zurück

Ein eigenes Kapitel widmet der Report jenem Prozess, den die Autoren als „Remonetarisierung des Goldes“ beschreiben. Zentralbanken kauften 2025 netto rund 863 Tonnen – weniger als in den Rekordjahren 2022 bis 2024, aber deutlich mehr als vor dem Ukraine-Krieg; im ersten Quartal 2026 kamen netto weitere 244 Tonnen hinzu. Die Notenbanken absorbieren damit knapp ein Viertel der jährlichen Minenproduktion. Darüber hinaus nimmt die Debatte über eine Neubewertung der US-Goldreserven konkrete Züge an: Die USA halten rund 8.133 Tonnen Gold, in den Büchern noch immer zum 1973 fixierten Preis von 42,22 Dollar je Unze geführt. Der ausgewiesene Buchwert beträgt damit nur 11 Milliarden Dollar – eine Neubewertung zum Marktpreis würde ihn auf rund 1,2 Billionen Dollar heben. Im BRICS-Raum wiederum arbeiten Forscher unter dem Projektnamen „The Unit“ an einem goldgedeckten Verrechnungsinstrument für den Intra-BRICS-Handel.

Bullenmarkt ohne Blasencharakter – noch

Gemessen an der Dow-Theorie verorten die Autoren den Goldmarkt in der Mitte der Public-Participation-Phase – der längsten und dynamischsten Etappe eines säkularen Bullenmarktes. Dass von einer Manie noch keine Rede sein könne, zeigten die Größenverhältnisse: Dem globalen Finanzvermögen von 312 Billionen Dollar stehe privat gehaltenes Gold im Wert von 8,6 Billionen Dollar gegenüber – ein Anteil von 2,7 %. Gold sei, so der Report, alles andere als ein Crowded Trade. Zur Wachsamkeit mahnt allerdings die Verschiebung der Nachfragestruktur: weg von preisunelastischen Zentralbanken, hin zu reaktiven Privatanlegern. Im März 2026 verzeichneten Gold-ETFs laut World Gold Council mit 84,8 Tonnen den größten monatlichen Abfluss seit Aufzeichnungsbeginn – westliche ETF-Investoren verkauften prozyklisch in den Rücksetzer hinein, während asiatische Käufer genau diese Rückgänge zum Positionsaufbau nutzten.

Das neue 60/40-Portfolio und die Kraft kleiner Umschichtungen

Für institutionelle Portfolios rücken die Autoren ihr Konzept eines „neuen 60/40-Portfolios“ in den Fokus: weg von nominalen Ansprüchen, hin zu nicht-inflationierbaren Realwerten wie Gold, Silber, Minenaktien, Rohstoffen und Bitcoin. Dass inzwischen auch Morgan Stanley ein „60/20/20“-Portfolio mit deutlich höherer Goldgewichtung propagiert, werten Stöferle und Valek als Beleg für weiteres Reallokationspotenzial. Die Hebelwirkung sei beträchtlich: Dem globalen Anleihemarkt von rund 140 Billionen Dollar stehe ein investierbarer Goldmarkt von nur etwa 15 Billionen gegenüber. Eine Umschichtung von lediglich 2 % aus Anleihen entspräche knapp 3 Billionen Dollar – rund einem Fünftel des gesamten Investment-Goldmarktes. Schon kleine Verschiebungen könnten den Goldpreis daher erheblich bewegen.

Kursziel: 4.800 Dollar erreicht – jetzt rückt 8.900 in den Fokus

Das konservative Dekadenziel von 4.800 Dollar bis 2030, das die Autoren im „In Gold We Trust“-Report 2020 ausgegeben hatten, wurde bereits 2026 erreicht. Vor dem Hintergrund anhaltender Inflations- und Debasement-Risiken rückt nun zunehmend das inflationäre Szenario in den Vordergrund: ein Goldpreis von 8.900 Dollar bis Ende der Dekade. Das Modell arbeitet bewusst mit einer rechtsschiefen Wahrscheinlichkeitsverteilung – sollte sich die Remonetarisierung beschleunigen, halten die Autoren langfristig deutlich höhere Niveaus für denkbar. Kurzfristig bleibe das Umfeld angesichts steigender Renditen und erhöhter Volatilität herausfordernd; solche liquiditätsgetriebenen Korrekturen änderten jedoch, so Stöferle, nichts an der langfristig konstruktiven Sicht auf den strukturellen Investment-Case von Gold.

Mehr zum „In Gold We Trust“-Report 2026 finden Sie hier auf der offiziellen Report-Website.

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