Es könnte sein, dass wir heute einmal mehr vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Macht aber nix, morgen ist eh Feiertag, zumindest im Ö.Reich der Mitte. :-) Um dem Ganzen aber zumindest versuchsweise ein bisserl Struktur zu geben, starten wir fristentechnisch, wo uns Freund Keynes – wohl völlig zurecht ;-) – alle tot wähnt. Was aber, wenn er nur bezogen auf das Individuum recht behält und sich die menschliche Beharrlichkeit und Ausdauer doch durchsetzen?
Warum schreibe ich das? In den good old Days ging es im Asset Management darum Secular Trends zu identifizieren auf diese draufzuhupfen und möglichst lang dabei zu bleiben, wobei natürlich auch hier gilt, dass bis auf die Wurst, die bekanntlich zwei hat, alles irgendwann ein Ende findet. Da sich das Rad aber immer schneller dreht und wir darob nahezu gezwungen sind, viel flexibler und kurzfristiger zu agieren, wird es immer schwieriger bzw. undankbarer Trendbrüche zu erkennen. Einer der, wenn nicht der längste Trend, den wir thematisch als Allokatoren dabei zu spielen im Stande sind, ist die Demographie bzw. die Entwicklung der selben.
Dass die Gschicht eher eine traurige ist, das Abendland (und die Japaner, die Chinesen usw.) langsam, aber sicher ausstirbt, konnten wir bis jetzt als gegeben annehmen. Nun wird die eine oder die andere behaupten: Ist eh nicht schad drum und so schlimm ist´s auch nicht, können wir doch den Teil der Bevölkerung, der nicht mehr willens ist, sich zu reproduzieren mit mehr oder minder kontrollierter Migration substituieren, weil irgendwer wird ja mittelfristig den Laden am Laufen halten und unsere Pensionen zahlen müssen. Dieses Modell scheint nun aber zusehends in die Kritik zu kommen. So uns nicht die KI rettet – warum soll sie das noch mal tun? – haben wir da dann aber ein Problem, oder?
Nun liegt mir nichts ferner, als irgendwem auch nur eine Idee zu geben, wie ich finde, dass er sein Leben gestalten soll, was ich aber sehe ist, dass nicht zuletzt durch das Ende des posthistorischen Lala Lands, sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es eventuell gar nicht ganz falsch ist auf mehreren Ebenen dazu beizutragen, dass der Laden hier irgendwie weiterläuft, und das zunehmend auch von den Regierungen verstanden wird. Leider tun sich zumindest unsere sowohl bei der Umsetzung als auch beim Message Transport unfassbar schwer. Aber hey, vielleicht finden sich vor dem Hintergrund, dass es hier was zu schützen und zu bewahren gibt auch wieder Staatslenker, die jenseits von Parteipolitik und Ideologie willens und fähig sind, Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie ein bisserl weh tun. Die Hoffnung stirbt wie immer zum Schluss und so… ;-)
Mittelfristig, um der eingangs erwähnten Struktur die Ehre zu geben ;-), müssen wir uns wohl damit beschäftigen, was an der KI-Geschichte real, profitabel und dazu angetan ist, zu bleiben und was damit und drumherum möglicherweise doch ins Bubble-Land gehört. Inhaltlich bin ich da natürlich so schlau, wie jeder andere bzw. wahrscheinlich weniger schlau als viele berufene Tech-Geeks, was ich aber dazu beitragen kann, ist ein kurzer historischer Blick zurück auf den Beginn der 2000er Jahre und die damit verbunden Schmerzen. Wann war das nochmal als der damalige Fed Chair Alen Greenspan von Irrational Exuberance gesprochen hat? Im Dezember 1996, also fast dreieinhalb Jahre bevor die ganze Geschichte dann endlich den Bach hinuntergegangen ist.
Zu diesem Zeitpunkt war für den damals noch recht grün hinter den Ohren gewesenen Beobachter noch alles völlig in Ordnung. Leverage war zwar Ende der 1990er schon ganz ordentlich im System, aber da holen wir gegenwärtig ganz gut auf, wie es scheint. Was damals aber wirklich geil war, war die Geschichte mit den IPOs (Erstemissionen), hatte man nämlich Zugang zu einer einigermaßen vernünftigen Bank, konnte man für völlige Phantasiesummen Aktien ordern, bekommen hat man eh immer nur eine relativ kleine Zuteilung, und diese dann in den ersten Handelsminuten mit ordentlichen Gewinnen wieder geben. Die Nachfrage nach gehypten Super-Buden, die zwar keine Gewinne gemacht haben, aber eh super Kurs-Umsatz-Verhältnisse hatten und ganz fix nur steigen konnten, man also unbedingt dabei sein musste, war enorm. Parallelen zu SpaceX, Anthropic oder OpenAI und all denen, die da jetzt noch bald kommen werden, gibt´s hier sicher keine. ;-) Schauen wir also mal, dann sehen wir schon. Das mit der Wurscht gilt wohl auch hier, ob das Ende allerdings unmittelbar bevorsteht, ist wohl eher zu bezweifeln, da will noch zuviel Geld rein in den Markt.
Ein relativ akutes Thema – und hier sind wir finalment in der Gegenwart angekommen – ist die Geschichte mit dem Ölpreis. Dass durch den US-Angriff auf den Iran innert der globalen Lieferketten einiges durcheinandergekommen ist, hat sich ja schon herumgesprochen, was aber aktuell scheinbar zu sacken beginnt, ist, dass sich die Finanzmärkte und die dort gehandelten Preise insbesondere für Öl zusehends von der physischen Angebots- und Liefersituation zu entkoppeln scheinen. Das Theater dürfte daher rühren, dass der Finanzmarkt verabsäumt hat – bzw. strukturell es einfach nicht kann – einzupreisen, dass es selbst wenn sich das Drama rund um die Straße von Hormus in Wohlgefallen auflöst (was immer das dann konkret bedeutet), die Schifferln mit den Rohstoffen je nach Größe und Route zwischen 18 und 38 Tagen brauchen, bis sie von der Straße von Hormus in Rotterdam sind etc pp.
Hoffen wir also mal, wenn sich schon der Markt schwer mit außergewöhnlichen Ereignissen tut, dass wenigstens die europäischen Regierungen die Lage richtig einschätzen und – wie eigentlich eh immer *lol* - gut vorbereitet sind….
Schönen Feiertag zu wünschen!
Liebe Grüße
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH
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