Aktien Asien: Wird dem Tech-Boom der Stecker gezogen? Monika Rosen ordnet ein

Die Wall Street ist 2026 trotz aller geopolitischen Widrigkeiten gut unterwegs, aber die eigentliche Börsenparty fand im ersten Halbjahr in Asien statt. Dort wurde das Thema KI abgefeiert, als gäbe es kein Morgen. Falls Sie dabei waren, herzlichen Glückwunsch! Falls Ihr Zugang zu Asien aber nicht wesentlich über Sushi hinausgeht, dann lesen Sie doch den neuen RosenCorner. Der sagt Ihnen, ob im zweiten Halbjahr nicht nur die Sonne im Osten aufgeht, sondern ob es auch die Börsenkurse tun. Markets | 29.06.2026 08:31 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Woher kam die Dynamik der asiatischen Börsen im bisherigen Jahresverlauf?

Zunächst ein Blick auf die Zahlen: der S&P hat im ersten Halbjahr ca. 7% zugelegt, der MSCI Asien (ohne Japan) rund das Dreifache. Angetrieben wurde die Euphorie wenig überraschend von Tech-Aktien. Im heurigen Jahr spielt die Musik vor allem im Bereich KI Infrastruktur und Halbleiter. Hier konnte eine Börse wie jene in Korea maximal punkten. Auf die beiden lokalen Tech-Giganten Samsung und SK Hynix entfallen zusammen über 40% der Gewichtung im koreanischen Leitindex Kospi. Im Index in Taiwan sind über 80% der Marktkapitalisierung direkt oder indirekt an die KI gekoppelt. Die globale Tech-Rallye hat hier also für gigantische Kursphantasie gesorgt. Selbst der Iran Krieg und der Anstieg im Ölpreis konnten der Euphorie wenig anhaben. Ins Stottern geriet die Begeisterung erst Mitte Juni, als die Aktie von SpaceX nach fulminantem Start abzuschmieren begann. Als dann Apple seine Preise wegen steigender Produktionskosten anhob, war das der nächste Dämpfer für Tech-Aktien, gerade auch jene in Asien. Man befürchtet hier eine Dynamik wie beim Öl: wenn der Preis steigt, wird das irgendwann die Nachfrage belasten.

Wie ist der Ausblick für das 2. Halbjahr?

An den Weltbörsen gab es Ende Juni einen Reality Check, der die KI Euphorie etwas gedämpft hat. Die Nachricht, dass OpenAI seinen Börsengang auf 2027 verschieben könnte, tat ein Übriges. Für die Zukunft heißt das, dass die steigende Flut wohl nicht mehr alle Boote heben wird. Natürlich muss man auch die allgemeine Börsenstimmung im Auge behalten. Die US Notenbank zeigt sich unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh fest entschlossen, die Inflation zu bekämpfen. Damit werden Zinsanhebungen in den USA wahrscheinlicher, was keine gute Nachricht für die Schwellenländer darstellt. Und die hohe Abhängigkeit Asiens von den Energieexporten aus dem Persischen Golf macht die Region natürlich weiterhin verwundbar. Solange die Straße von Hormus nicht relativ sicher befahrbar ist, bleibt auch dieser Risikofaktor bestehen.

Fazit: Ob bzw. in welchem Ausmaß die Rallye in Asien anhält, hängt wesentlich von der Frage ab, ob der Geldfluss in den Ausbau der KI ungebremst weitergeht. Manche Häuser, wie z. B. Goldman Sachs, sind hier überaus optimistisch. Außerdem ist die Bewertung zumindest punktuell noch immer attraktiv. Der Kospi beispielsweise notiert bei einem KGV von 8. Dennoch muss man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Kursanstiege phänomenal waren, was Gewinnmitnahmen im Fall einer Stimmungseintrübung wahrscheinlicher macht.

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

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Über die e-fundresearch.com Gastautorin:

Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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