Seit Beginn des Irankriegs im Februar fürchten Anleger höhere Zinsen. Die EZB hat letzte Woche erhöht; Fed und Bank of England dürften folgen.
Manche Anleihen stehen daher unter Druck. Anleger bevorzugen derzeit variabel verzinsliche Titel, High Yield und kürzer laufende Linker gegenüber länger laufenden Papieren. Neuemissionen mit Coupons von deutlich über 5% sollte man dennoch nicht ignorieren. Ihre laufenden Erträge können sehr interessant sein.
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Die Zinsen steigen weiter
Am Markt rechnet man mit höheren Leitzinsen. Diese Woche erhöhte die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 2,5%. Jetzt erwartet man noch mindestens eine weitere Erhöhung der Fed und der EZB und sogar fast zwei der Bank of England.
Es bleibt abzuwarten, ob die Zinsen nicht vielleicht sogar noch stärker angehoben werden. Ohnehin sind die Anleger nervös. Diese Woche kostete das Barrel Rohöl wieder mehr als 100 US-Dollar. Die Lage im Nahen Osten scheint vertrackter denn je.
Umso größer sind die Zweifel, dass die Inflation bald wieder auf die Zielwerte der Notenbanken fällt. Die Inflationsswapsätze sind seit August gestiegen. Die langfristigen Inflationserwartungen sind zwar recht stabil, aber am Markt hält man Zinserhöhungen für nötig, damit die Teuerung nicht wieder steigt.
Die Leitzinsen sind das Problem
All das hat den Anleihenmärkten einmal mehr geschadet. Der September war bislang enttäuschend: In den ersten zehn Tagen hat der ICE Global Aggregate Bond Index 0,9% eingebüßt. Seit Quartalsbeginn liegt er um 1,3% im Minus, seit Jahresbeginn um 0,6%.
Viele von Ihnen kennen meine Vorliebe für High Yield. Die Zahlen bestätigen meine Einschätzung: Mit amerikanischen High-Yield-Anleihen hat man seit Jahresbeginn knapp 2%, mit europäischen gut 2% verdient.
Ein Nischensegment hat aber selbst High Yield deutlich hinter sich gelassen: Wandelanleihen profitierten von attraktiven Renditen und steigenden Aktienkursen. Mit internationalen Wandelanleihen hat man dieses Jahr bislang etwa 14% verdient.
Mehrerträge durch steigende Realgewinne der Unternehmen
Hier sieht man besonders eindrucksvoll, dass 2026 bislang ein Aktienjahr war. Seit Ende 2023 hat man mit dem MSCI World Index insgesamt etwa 62% verdient, mit internationalen Anleihen hingegen nur etwa 4% – und das, obwohl die Inflation über dem Notenbankziel liegt.
Aber warum sollte einen das kümmern, wenn die Unternehmensgewinne jährlich um etwa 20% steigen und KI-Unternehmen sogar noch stärker zulegen? So hoch ist die Inflation nicht, und ohnehin hat sie viel mit der schwierigen Weltlage zu tun.
Sie reicht aber, damit die Notenbanken die Zinsen erhöhen, und bei lang laufenden Anleihen kommen dann noch Haushaltssorgen hinzu. Deshalb steigen die Langfristrenditen immer weiter.
KI-Investitionen und steigende Realrenditen
Vorbei sind die gut zehn Jahre, in denen die Geldpolitik vor allem eine zu niedrige Inflation fürchtete – und deshalb die verfehlte Bilanzsummenausweitung nach der internationalen Finanzkrise Ende der 2000er-Jahre fortsetzte.
Seit Corona gilt das Gegenteil. KI dürfte die Produktivität steigern – und mit jedem noch so kleinen Rückgang der Inflationsprämie von Anleihen dürften ihre Realrenditen etwas zulegen.
Das hat bereits begonnen. Letztes Jahr legten die realen Anleihenrenditen kontinuierlich zu. In den USA beträgt die reale Zehnjahresrendite jetzt gut 2,5% und ist damit wieder so hoch wie vor der internationalen Finanzkrise.
Wer jetzt Langläufer hält, hat natürlich ein Problem – ebenso wie die Finanzminister, die ihre Schulden jetzt zu so hohen Zinsen refinanzieren müssen wie lange nicht mehr.
Aber für jemanden, der die Finanzmärkte seit 40 Jahren kennt, sind die Renditen zurzeit alles andere als hoch.
Zu viele Sorgen
Kurzfristig scheint die Lage an den Märkten schwierig. Die Weltkonjunktur scheint in Ordnung – selbst in Großbritannien stabilisieren sich Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Aber die Weltlage ist nicht einfach. Die Inflationsrisiken sind hoch; Konsum- und Geschäftsklima könnten sich verschlechtern.
Und dann stehen zu allem Überfluss auch noch die amerikanischen Zwischenwahlen an. Das Vertrauen in das politische System wird auf die Probe gestellt.
Oft schrieb ich, dass das nominale Wirtschaftswachstum ein Indikator für die fairen langfristigen Staatsanleihenrenditen ist. Seit Jahren lagen sie darunter. Aber jetzt gilt der alte Zusammenhang wieder. Die Realrenditen sind gestiegen, weil die Aussicht auf hohe Gewinne durch eine steigende Produktivität Sparen und Investieren wieder ins Gleichgewicht gebracht hat. Hinzu kommen eine Inflation über den Notenbankzielen und ein Anstieg der US-Zehnjahresrendite in Richtung 5%. In Großbritannien ist die Marke bereits überschritten.
Um ein Überschießen der Renditen zu vermeiden, braucht es Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Rechnen wir also mit weiteren Leitzinserhöhungen. Ich glaube aber nicht, dass die Höchststände von 2023 überschritten werden. Doch selbst damals lösten die Zinserhöhungen keine weltweite Rezession aus.
Für Anleihen wie für Aktien ist eine glaubwürdige Haushaltspolitik wichtig. Daran habe ich allerdings meine Zweifel. Die Zwischenwahlen in den USA und das britische Haushaltsgesetz im nächsten Monat sind für die Märkte daher enorm wichtig.
Angesichts der derzeitigen Renditen habe ich Anleihen schon mehrfach als attraktiv bezeichnet. Die Renditen sind heute noch höher als bei meinem letzten Marktausblick vor zwei Wochen. Die Stimmung ist gleich geblieben. Neue Anleihen mit attraktiven Coupons scheinen mir sehr viel interessanter als ältere Titel, deren Emissionsrenditen vor einigen Jahren sehr niedrig waren. Sie dürften nämlich volatiler sein.
Die Stimmung am Anleihenmarkt bleibt eher verhalten, aber der Traum von einer besseren Welt durch KI lässt Aktien weiter kräftig steigen. Natürlich kann es auch anders kommen – aber darauf zu wetten, wäre alles andere als klug.
Performancedaten/Quellen: LSEG Workspace Datastream, ICE Data Services, Bloomberg, BNP Paribas AM, Stand 10. September 2026, falls nicht anders angegeben. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf künftige Erträge.
Von Chris Iggo, Chief Investment Officer für Core Investments und Vorsitzender des Investment Institute von AXA IM, BNP Paribas Asset Management
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