Wie sieht aktuell der Rententeil im KEPLER Vorsorge Mixfonds aus und welche Top-3 Positionen halten Sie im Aktienteil?
Kurt Eichhorn: Mehr als 70 % der Anleihen im Fonds weisen ein Rating im Investmentgrade-Bereich von AAA bis BBB auf. Wir streben aber danach, auch im Anleiheteil möglichst viele Risikoprämien zu heben. Daher mischen wir Anleihen aus den Emerging Markets und High-Yield-Unternehmensanleihen bei. Und auch Anleihen mit eingeschränkter Liquidität haben wir aufgrund attraktiver Zinsaufschläge am Radar. In Summe ergeben sich dadurch im Fonds höhere Ertragschancen bei nur leicht erhöhtem Risiko.
Rudolf Gattringer: Die Top-3 Aktien im Fonds sind aktuell Apple, Nvidia und Microsoft. Diese drei sogenannten Megacaps zeichnen sich durch ein positives Bild bei den fundamentalen Faktoren aus. Die Stärken liegen neben sehr guten Wachstumsraten auch bei Qualitätskennzahlen wie Margen, Rentabilität und Verschuldung.
2024 und 2025 waren geprägt von sinkenden Zinsen und steigenden Kursen bei Staatsanleihen und High-Grade-Unternehmensanleihen. Nun wird das Marktumfeld in Erwartung steigender Zinsen durch den Iran-Krieg wieder herausfordernder. Wie ist Ihre Stratgie im Rententeil aktuell ausgerichtet?
Kurt Eichhorn: Der Großteil der erfreulichen Wertentwicklung kam in den vergangenen beiden Jahren gar nicht so sehr von einem Rückgang der Renditen von Staatsanleihen. Vielmehr schlug sich die Beruhigung bei den Kreditrisiken positiv zu Buche, also bei Unternehmens- und Emerging-Markets-Anleihen. Deren Anteil haben wir zuletzt antizyklisch etwas reduziert, in dem wir die Zuflüsse stärker in bonitätsstarke Staatsanleihen investiert haben. In den vergangenen Wochen kam es hier zu einer Gegenbewegung, die wir dazu genutzt haben, das Gewicht solcher renditestärkeren Anleihen wieder zu erhöhen.
In welchen Aktien- und Anleihesegmenten sehen Sie derzeit die größten Chancen und wo die größten Risiken?
Kurt Eichhorn: Anleiheseitig heben wir bei aller Langfristorientierung und damit durchaus hoher strategischer Kreditquote des Fonds die Risikoquote taktisch nicht allzu sehr an. Wir sind damit nicht defensiv, aber weniger offensiv als in früheren Phasen nach kräftigeren Renditeanstiegen. Umgekehrt gefallen uns aufgrund der unverändert hohen Basiszinsen, auch infolge der höheren Inflationsunsicherheit, Staatsanleihen und staatsnahe Anleihen aus der EU - zum Beispiel solche aus Mittel- und Osteuropa, und auch aus den USA mit Laufzeiten bis 15 oder 20 Jahren.
Rudolf Gattringer: Auch auf der Aktienseite ist die Strategie langfristig ausgerichtet. Wir kombinieren bei der Titelselektion fundamentale Faktoren wie Bewertung, Wachstum und Qualität. Und wir achten auch darauf, dass das Portfolio in Summe ein gutes Preis-Momentum aufweist. Zusätzlich sind KI-Faktoren in unserem Anlageprozess integriert. Insgesamt ist dadurch der Aktienteil solide aufgestellt. In der Regel sehen wir keinen großen Handlungsbedarf, um auf diverse tagesaktuelle Veränderungen zu reagieren.
Der Fonds besteht seit 1995. Wie hat sich die Strategie über die Jahre verändert, und was ist heute anders als früher?
Rudolf Gattringer: In den vergangen 25 Jahren kam es nur zu kleineren Anpassungen der Strategie. Die Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen liegt stabil bei 35 % zu 65 %. Der weitgehende Verzicht auf eine taktische Gewichtung der Aktienquote hat der langfristigen Wertentwicklung gutgetan. Der Aktienteil ist breit nach Regionen und Sektoren gestreut. Bei der Titelselektion kommen fundamentale Faktoren wie Bewertung, Wachstum und Qualität zum Einsatz. Dadurch ist das Portfolio sehr ausgewogen.
Kurt Eichhorn: Anleiheseitig ist das Ziel das effiziente Abgreifen der Prämien für Laufzeitenbindung, für die Übernahme von Bonitätsrisiken und für die eingeschränkte Liquidität mancher Anleihen. Kurzfristige Risiken werden dabei bewusst in Kauf genommen. Tendenziell agieren wir antizyklisch, erhöhen Positionen also eher dann, wenn diese gerade nicht so bei den Investoren gefragt sind. Das gesamte Portfolio basiert auf unserer Überzeugung, dass man langfristig für die Übernahme von oft auch nur kurz- und mittelfristigen Risiken bezahlt wird – und nicht für das Vermeiden derselben. Das verdeutlicht die über Jahrzehnte hinweg erfreuliche Wertentwicklung. Empfohlen wird ein Anlagehorizont ab 7 Jahren.
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