KEPLER FONDS Thema des Monats: SpaceX und die Tücken spektakulärer Börsengänge

Börsengänge sorgen 2026 für große Aufmerksamkeit. Doch was kommt nach dem ersten Kurssprung? KEPLER FONDS zeigt anhand historischer IPO-Daten, warum hohe Bewertungen, fehlende Profitabilität und anfängliche Euphorie für Anleger zum Risiko werden können und was der Fall SpaceX lehrt. KEPLER FONDS | 14.09.2026 12:41 Uhr
Bernd Merkinger, MSc., CFA, Portfoliomanager im Aktienmanagement der KEPLER-FONDS KAG / © e-fundresearch.com / KEPLER-FONDS KAG
Bernd Merkinger, MSc., CFA, Portfoliomanager im Aktienmanagement der KEPLER-FONDS KAG / © e-fundresearch.com / KEPLER-FONDS KAG

Der Markt für Börsengänge erlebt 2026 ein außergewöhnliches Jahr. Mit SpaceX ist bereits einer der größten Börsengänge der Geschichte über die Bühne gegangen, weitere prominente Namen könnten folgen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei stark auf die ersten Handelstage, in denen Knappheit, hohe Nachfrage und mediale Präsenz für kräftige Kursbewegungen sorgen können. Historisch sagt ein spektakulärer Start jedoch nur wenig darüber aus, wie sich eine Aktie in den Jahren danach entwickelt.

Ein Blick auf mehrere Jahrzehnte US-Börsengeschichte zeigt, dass Neuemissionen nach dem ersten Handelstag im Durchschnitt hinter dem Gesamtmarkt zurückblieben. Besonders schwach fiel die Entwicklung bei Unternehmen aus, die zum Zeitpunkt des Börsengangs noch Verluste schrieben. Gleichzeitig hat sich der IPO-Markt verändert: Unprofitable Unternehmen stellen heute einen wesentlich größeren Anteil der Börsenneulinge als noch vor einigen Jahrzehnten.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Bewertung. Je höher das Kurs-Umsatz-Verhältnis zum Börsenstart war, desto größer fiel historisch häufig der erste Kurssprung aus und desto schwächer war anschließend die längerfristige Entwicklung. Besonders hoch bewertete IPOs verzeichneten in der Vergangenheit nach anfänglicher Euphorie oft deutliche Rückgänge. SpaceX fällt mit seinem sehr hohen Bewertungsmultiple und einem zuletzt negativen Jahresergebnis in genau jene Kategorie, bei der die historischen Daten besonders große Schwankungen zeigen.

Der bisherige Kursverlauf verdeutlicht diese Dynamik. Nach einem starken Börsendebüt stieg die SpaceX-Aktie innerhalb weniger Tage nochmals deutlich an, bevor ein großer Teil dieses Aufschlags wieder verloren ging. Solche Bewegungen sind bei Technologie-IPOs keine Ausnahme. In der historischen Stichprobe verlor mehr als die Hälfte der untersuchten US-Tech-Börsengänge innerhalb des ersten Jahres zeitweise erheblich an Wert.

Das betrifft nicht nur Unternehmen, die später scheiterten. Auch einige der bekanntesten Technologieunternehmen mussten nach ihrem Börsengang zunächst starke Kursrückgänge verkraften. Zum Beispiel Facebook oder Palantir entwickelten sich langfristig sehr unterschiedlich, gemeinsam war ihnen aber eine ausgesprochen volatile Frühphase.

Warum solche Börsengänge dennoch regelmäßig große Nachfrage auslösen, lässt sich mit Behavioral Finance erklären. Bekannte Erfolgsgeschichten bleiben stärker im Gedächtnis als die vielen weniger erfolgreichen Listings. Eine hohe Nachfrage im Bookbuilding kann zusätzlich als Qualitätssignal wahrgenommen werden. Steigende Kurse verstärken diesen Eindruck, während Risiken in Phasen großer Aufmerksamkeit leichter in den Hintergrund treten. Gerade bei bekannten Marken und viel beachteten Zukunftsthemen kann sich die Wahrnehmung dadurch zeitweise von der fundamentalen Entwicklung lösen.

Mit dem Börsengang endet die Angebotsdynamik zudem nicht. Nach Ablauf der üblichen Lock-Up-Fristen können Mitarbeiter und Frühinvestoren ihre Aktien verkaufen. Dadurch kann Monate nach dem Listing zusätzliches Angebot auf den Markt kommen. Bei einer großen Zahl neuer Börsengänge summiert sich dieser Effekt und verändert das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage erneut.

Auch Indexaufnahmen können die Preisbildung beeinflussen. Werden neue Aktien rasch in große Indizes aufgenommen, müssen indexgebundene Fonds entsprechende Positionen aufbauen. Bei einem geringen Streubesitz trifft diese mechanische Nachfrage auf ein begrenztes handelbares Angebot. Der Effekt kann rund um den Aufnahmetermin besonders sichtbar werden und sich später wieder abschwächen.

Die langfristige Entwicklung eines Börsenneulings hängt damit von anderen Faktoren ab als die Stimmung an den ersten Handelstagen. Historisch sind jedoch die üblichen Kennzahlen vor allem Bewertung, Profitabilität und die weitere Geschäftsentwicklung für die Kursentwicklung relevant. Hinzu kommen technische Effekte, die den Kurs rund um das Listing zeitweise beeinflussen können. Aus den historischen Mustern lässt sich deshalb keine verlässliche Prognose für einzelne Unternehmen ableiten.

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