Der europäische Automobilsektor ist gegen eine Wand gefahren.
Europäische Autoaktien sind innerhalb von sechs Monaten um 20 Prozent gefallen und die Volkswagen-Aktie hat sogar alle wichtigen technischen Unterstützungsmarken unterschritten und notiert inzwischen unter ihren „Dieselgate“-Tiefständen. Gleichzeitig hat das Unternehmen gerade die Genehmigung des Aufsichtsrats für den Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen bekannt gegeben.
Der Druck resultiert aus einer toxischen Kombination aus chinesischen Überkapazitäten, Preisrückgängen und steigenden Exporten.
Der chinesische Automobilmarkt ist seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent geschrumpft, während weiterhin mehr als 100 Hersteller um Marktanteile kämpfen. Das dürfte nicht von Dauer sein. In den kommenden fünf bis zehn Jahren dürfte sich die Branche auf eine Handvoll bedeutender Anbieter konsolidieren. Bis dahin müssen die Überkapazitäten jedoch irgendwohin. Die chinesischen Exporte dürften von rund sieben Millionen Fahrzeugen im Jahr 2025 auf mehr als zehn Millionen im Jahr 2026 steigen. BYD allein verkauft bereits rund 35.000 Fahrzeuge pro Monat in Europa.
Und diese Fahrzeuge kommen nicht unbemerkt. Neue Marktteilnehmer wie Jaecoo greifen mit Preisen an, die bis zu 35 Prozent unter denen vergleichbarer europäischer Modelle liegen. Europa importiert damit nicht nur chinesische Autos, sondern auch chinesische Preisdeflation.
Gleichzeitig hat auch Europa ein eigenes Problem mit Überkapazitäten.
Volkswagen steht dabei besonders unter Druck. Die hohe Fixkostenbasis, die langsame Restrukturierung und deutsche Werke, die auf Elektro-Limousinen der ersten Generation ausgerichtet sind, die Verbraucher inzwischen nicht mehr wollen, machen das Unternehmen besonders anfällig.
Die Reaktion ist dramatisch: 50.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Das Management hatte zuvor sogar über eine Zahl gesprochen, die doppelt so hoch sein könnte, sowie über Werksschließungen in Deutschland.
Und dabei geht es nicht nur um Volkswagen.
Die europäische Automobilproduktion ist bereits von rund 22 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 auf heute etwa 16 Millionen gesunken. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass die Produktion in den kommenden fünf bis zehn Jahren auf 8 bis 12 Millionen Fahrzeuge zurückgehen könnte.
China produziert zu viele Autos. Europa hat zu viele Fabriken. Und beide Probleme treffen nun aufeinander.
Von Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac
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