Volatilität treibt die Dispersion bei Lokalwährungsanleihen

Geopolitische Spannungen im Nahen Osten sorgen bei Schwellenländer-Lokalwährungsanleihen für mehr Volatilität. Vor allem Währungen reagieren auf höhere Energiepreise und eine veränderte Risikostimmung. Warum selektives, länderspezifisches Positioning nun besonders wichtig ist. William Blair Investment Management | 07.05.2026 12:32 Uhr
© William Blair
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Kernaussagen

  • Spannungen im Nahen Osten treiben die Volatilität bei EM-Lokalwährungsanleihen, vor allem über höhere Energiepreise und eine veränderte Risikostimmung.
  • Am stärksten zeigte sich die Bewegung im FX-Bereich: Währungen reagierten deutlich stärker als die lokalen Zinsmärkte.
  • Der Schock erhöht die Dispersion: Energieexporteure profitieren, während der Druck auf Importeure zunimmt.

Steigende geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben die Volatilität bei Emerging-Markets-(EM)-Lokalwährungsanleihen erhöht. Ausschlaggebend sind Energieschocks und eine veränderte Risikostimmung, die sowohl an den Zinsmärkten als auch im FX-Bereich für eine stärkere Dispersion sorgen. Dieses Umfeld unterstreicht die Bedeutung eines selektiven, länderspezifischen Positionings. Im Folgenden skizzieren wir per Ende März 2026 unser Positioning an den Zinsmärkten und im Währungsbereich nach Ländern.

Beta-Segment-Ansatz: Top-Exposures

Um Kapital effizient zu allokieren und Risiken über eine große und heterogene Ländergruppe hinweg zu budgetieren, verwenden wir eine proprietäre Gruppierungsmethodik. Die einzelnen Länder werden auf Basis von Market Beta und lokalen Kapitalmarktüberlegungen jeweils einem Beta-Segment zugeordnet. Liquide Märkte werden als High Beta oder Low Beta klassifiziert, während weniger liquide Länder mit idiosynkratischen Risiken dem Frontier-Segment zugewiesen werden. Dies ermöglicht es uns, Relative-Value- und Asset-Allocation-Entscheidungen auf Basis des jeweiligen Risikoprofils zu treffen statt nach Regionen oder anderen gängigen Merkmalen.

Quelle: William Blair, Stand 31. März 2026. Die Beta-Segmente basieren auf der qualitativen und quantitativen Analyse des Teams. Die Risikosegmente dienen ausschließlich der Veranschaulichung und sind weder als Anlageberatung noch als Prognose künftiger Renditen gedacht. Übergewichtungen und Untergewichtungen können je nach Vehikel variieren.

High-Beta-Segment

High-Beta-Märkte repräsentieren EMs in einem fortgeschritteneren mittleren Entwicklungsstadium, in dem lokale Assets sensibler auf globale Makroeinflüsse wie Rohstoffzyklen, Veränderungen der Risikostimmung oder Entwicklungen in China reagieren. In diesen Ländern wird das Total-Return-Profil von Lokalwährungsanleihen häufig von der Währungsentwicklung dominiert, oftmals bei einer höheren Korrelation zwischen Währungs- und Zinsbewegungen als in Low-Beta-Märkten.

Mexiko: Bei der Duration sind wir übergewichtet. Dies spiegelt die schwächere Wachstumsdynamik und den Spielraum für weitere Zinssenkungen durch Banxico wider. Zuletzt haben die Märkte begonnen, mögliche Zinserhöhungen einzupreisen. Aus unserer Sicht passt dies nicht zum Fokus von Banxico, Abwärtsrisiken für das Wachstum zu begrenzen. Auch bei Pemex-Anleihen sind wir übergewichtet, da eine stärkere staatliche Unterstützung unseres Erachtens zu einer Spreadeinengung gegenüber dem Staat führen dürfte. Im mexikanischen Peso bleiben wir ebenfalls übergewichtet, nachdem die Bewertungen infolge des jüngsten Ausverkaufs attraktiver geworden sind.

Brasilien: Wir sind sowohl an den Zinsmärkten als auch im Real übergewichtet. Brasilien bietet im Benchmark-Index weiterhin einen der höchsten Realzinsen, was Portfoliozuflüsse unterstützt. Für 2026 wird mit einer Abschwächung des Wachstums gerechnet, bei Inflationserwartungen von rund 4 %, was auf Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen von restriktiven Niveaus aus hindeutet. Als Nettoenergieexporteur hat Brasilien zudem von verbesserten Terms of Trade im Umfeld höherer Rohstoffpreise profitiert.

Kolumbien: An den lokalen Zinsmärkten sind wir übergewichtet, da die Märkte bereits mehrere zusätzliche Zinserhöhungen eingepreist haben. Die Real Yields bleiben unseres Erachtens attraktiv. Nach dem vorgezogenen Straffungszyklus der Zentralbank könnten Abwärtsrisiken für das Wachstum den Markt dazu veranlassen, einen Teil der derzeit eingepreisten Zinserhöhungen wieder auszupreisen.

Indonesien: Wir sind sowohl an den Zinsmärkten als auch im FX-Bereich untergewichtet. Hintergrund sind schwächere Steuereinnahmen, nachlassendes Wachstum, ein steigendes Fiskaldefizit, Governance-Bedenken, zunehmende Angebotsrisiken und externe Schocks infolge globaler Energiepreissprünge, die durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten ausgelöst wurden.

Südafrika: Im Rand sind wir übergewichtet, obwohl die Währung im ersten Quartal erhöhte Volatilität zeigte, als die globale Risikostimmung auf Entwicklungen im Nahen Osten reagierte. Südafrika profitiert weiterhin von positiven Realzinsen, einer sich verbessernden fiskalischen Glaubwürdigkeit unter der Koalitionsregierung und günstigen Terms of Trade im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Auch wenn die Bewertungen weniger überzeugend sind als früher im Zyklus, sehen wir den Rand in einem High-Carry- und differenzierten EM-Umfeld als vergleichsweise resilient an.

Low-Beta-Segment

Das Low-Beta-Segment besteht aus einkommensstärkeren, weiter entwickelten EMs mit höherer Kreditqualität. Deren Zinsmärkte hängen in der Regel vor allem von Inflationserwartungen, Geldpolitik, fiskalischer Disziplin und Liquiditätsbedingungen am Markt ab. Währungen in dieser Gruppe handeln typischerweise mit geringerer Volatilität und bewegen sich häufig im Gleichlauf mit den globalen Majors, während begrenzte Excess Yields oder Term Premia in Phasen breiterer EM-Volatilität nur eine moderate Kompensation bieten. Benchmark-Exposures lassen sich häufig effizient über Derivate replizieren.

Ungarn: An den Zinsmärkten bleiben wir übergewichtet, mit selektivem Fokus auf den mittleren und langen Bereich der Kurve, wo die Bewertungen attraktiver bleiben. Im ersten Quartal belasteten jedoch erhöhte Inflationsunsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt sowie eine restriktivere Reaktionsfunktion der Ungarischen Nationalbank die Entwicklung an den Zinsmärkten, insbesondere bei Receiver-Positionen. Während die Disinflation auf mittlere Sicht glaubwürdig bleibt und sich die Fiskalkennzahlen insgesamt stabilisieren, halten wir angesichts kurzfristiger geldpolitischer Vorsicht und wahlbedingter Unsicherheiten einen selektiveren Ansatz bei der Duration für angezeigt.

Malaysia: Im Berichtsquartal hielten wir an einer Long-Duration-Position fest. Dies spiegelte unsere Einschätzung wider, dass die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber externen Schocks zusammen mit einer relativ starken Energiesicherheit eine schnellere und nachhaltigere Erholung der Asset-Preise unterstützen würde.

Südkorea: Die Fünfjahres-Receiver-Position dient als Makro-Hedge, um die gesamte Untergewichtung bei der Duration in Low-Beta-Asien zu reduzieren.

China: Im chinesischen Renminbi blieben wir übergewichtet. Unterstützt wurde dies durch die Bereitschaft der People’s Bank of China, eine Aufwertung der Währung zuzulassen, da der Bewertungsdruck in real effektiven Wechselkursen (REER) zunimmt und das saisonale U.S.-Dollar-Selling durch Exporteure steigt. Der Renminbi war im Umfeld des Konflikts im Nahen Osten zudem weniger volatil als andere EM-Währungen. China profitiert hier von dem strategischen Vorteil, im Zeitablauf umfangreiche Ölreserven aufgebaut zu haben. An den Zinsmärkten sind wir mit Blick auf chinesische Staatsanleihen deutlich bei der Duration untergewichtet, insbesondere am langen Ende der Kurve. Ausschlaggebend sind niedrige Yields und geringer Carry sowie jüngere Anti-Involution-Politiken, die auf eine Begrenzung deflationärer Risiken abzielen.

Thailand: Bei der Duration bleiben wir untergewichtet, da die Bewertungen unattraktiv sind. Die Wirtschaft wurde von Störungen der Energieversorgung und erhöhten Ölpreisen infolge des Iran-Konflikts stark belastet. Die Entwicklung an den Finanzmärkten dürfte schwach bleiben, da die Wachstumsbelastung durch diese globalen Spillover zusätzlichen Druck auf ein ohnehin fragiles inländisches wirtschaftliches Umfeld ausübt.

Tschechische Republik: An den Zinsmärkten sind wir untergewichtet und in der Krone übergewichtet. Im ersten Quartal waren die Zinsmärkte relativ gut verankert, während der FX-Bereich in Phasen globaler Risikoaversion infolge des Iran-Konflikts trotz robuster inländischer Fundamentaldaten unter Druck geriet. Wir sind weiterhin der Ansicht, dass die Krone durch starke institutionelle Glaubwürdigkeit und eine günstige Bewertung auf mittlere Sicht unterstützt wird, behalten dabei aber die Positionierungsrisiken in einem volatilen externen Umfeld im Blick.

Polen: Unsere Untergewichtung im Złoty spiegelt die ambitionierten Bewertungen nach starken Zuflüssen zu Beginn des Quartals sowie unsere Einschätzung eines weniger attraktiven Risk-Reward-Profils wider, nachdem sich die geopolitischen Risiken verschärft haben. Während die Zinsmärkte von einer dovishen Neubewertung zu Beginn des Quartals und ausländischer Nachfrage profitierten, fiel die Entwicklung im FX-Bereich gemischter aus. Fiskalische Unsicherheit sowie unveränderte Emissionspläne begrenzen zudem das Aufwärtspotenzial vom aktuellen Niveau aus.

Rumänien: Im Leu sind wir untergewichtet, da strukturelle externe Verwundbarkeiten fortbestehen. Zwar liegt der Wahlzyklus hinter uns und die fiskalische Konsolidierung dürfte schrittweise fortgesetzt werden, doch bleiben die Umsetzungsrisiken angesichts hoher Finanzierungsbedarfe und weiterhin erhöhter Inflation beträchtlich. Im ersten Quartal erwies sich der Leu als sensibel gegenüber globalen Risk-Off-Bewegungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, was unsere vorsichtige Haltung im FX-Bereich bestätigt.

Frontier-Segment

Unser Frontier-Segment umfasst Länder in einem frühen Entwicklungsstadium lokaler Anleihemärkte und handelbarer FX-Märkte. Diese Volkswirtschaften sind typischerweise mit höherer Inflationsunsicherheit und erhöhtem FX-Pass-Through konfrontiert, was die Investorenbereitschaft für längere Laufzeiten oder Fixed-Rate-Emissionen begrenzen kann. Frontier-Währungen sind häufig an den U.S. Dollar gekoppelt oder eng an ihn gebunden, und lokale Yields tendieren dazu, höher zu sein. Eine fundierte Kreditanalyse und ein tiefes Verständnis dieser Länder können dabei helfen, attraktive Opportunitäten zu identifizieren.

Sambia: An den lokalen Zinsmärkten sind wir übergewichtet. Unterstützt wird dies durch starke Makrofundamentaldaten, fortgesetzte Disinflation, günstige Terms of Trade sowie anhaltende Dynamik in wichtigen Exportsektoren. Im ersten Quartal erwies sich Sambia trotz des Iran-bedingten Schocks als relativ resilient und profitierte von attraktiven Real Yields, unterstützendem Carry und wachsendem Investorenvertrauen in fiskalische Disziplin und Schuldentragfähigkeit. Wir sehen Spielraum für eine weitere Verflachung beziehungsweise Einengung der Kurve.

Uganda: Für lokale Assets sind wir konstruktiv. Das erste Quartal war durch begrenzte Wahlrisiken, starke FX-Buffer und stetige Fortschritte in Richtung einer erneuten Zusammenarbeit mit dem International Monetary Fund (IMF) geprägt. Langlaufende Anleihen bieten weiterhin attraktive Real Yields, während ölbezogene Foreign-Direct-Investment-Zuflüsse und solide Reserven unsere positive Sicht auf den ugandischen Schilling trotz erhöhter globaler Volatilität stützen.

Kenia: An den lokalen Zinsmärkten sind wir übergewichtet, da die Yields unseres Erachtens weiterhin eine angemessene Kompensation für makroökonomische und fiskalische Risiken bieten. Zwar erhöhten globale Risk-Off-Dynamiken im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt die Volatilität, doch sprechen attraktiver Carry und Spielraum für eine schrittweise Makrostabilisierung aus unserer Sicht für ein selektives Duration-Exposure.

Ägypten: Im ägyptischen Pfund sind wir übergewichtet. Unterstützt wird dies durch hohen Carry, verbesserte FX-Bewertungen und ein bereinigteres Positioning nach dem jüngsten De-Risking. Da die vom IMF unterstützten Reformen intakt sind und externe Finanzierungsunterstützung vorhanden ist, hat die jüngste Währungsanpassung aus unserer Sicht wieder ein attraktiveres Risk-Reward-Profil geschaffen.

Pakistan: In der pakistanischen Rupie bleiben wir übergewichtet, die wir nach mehreren Runden von Währungsanpassungen im Rahmen des IMF-Programms als fair bewertet ansehen. Gleichwohl birgt die Position kurzfristige Risiken, insbesondere durch erhöhte Ölpreise und eine steigende U.S.-Dollar-Nachfrage im Zusammenhang mit anstehenden Rückzahlungen externer Schulden in den kommenden Quartalen.

Lewis Jones, CFA, FRM, ist Portfolio Manager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair.

Lewis Jones, CFA, FRM, ist Portfolio Manager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair.

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