Die wichtigsten Erkenntnisse
- Länderspezifische Fundamentaldaten und nicht breite regionale Trends bestimmten im zweiten Quartal die Anlagechancen an den Schwellenländermärkten für Anleihen in Lokalwährung.
- Attraktive Realrenditen und unterstützende makroökonomische Bedingungen sorgten weiterhin für Chancen in ausgewählten lokalen Zinsmärkten und Währungen.
- Wir waren bestrebt, Chancen in Märkten mit sich verbessernden Fundamentaldaten mit Vorsicht in Märkten abzuwägen, die mit fiskalischer, politischer oder geopolitischer Unsicherheit konfrontiert sind.
Mit der Verbesserung der Marktstimmung im zweiten Quartal wurden die Chancen bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährung zunehmend von länderspezifischen Fundamentaldaten und weniger von allgemeinen makroökonomischen Risiken bestimmt.
Schwellenländeranleihen in Lokalwährung erzielten im zweiten Quartal positive Renditen. Der J.P. Morgan GBI-EM Global Diversified1 legte um 3,85 % zu. Währungsbewegungen trugen 0,54 % zur Wertentwicklung bei, während die Indexrenditen um 27 Basispunkte zurückgingen und damit zusätzlichen Rückenwind lieferten. Nach Regionen führte Afrika die Wertentwicklung an, gefolgt von Lateinamerika, Europa und Asien.
Um Kapital und Risikobudget innerhalb einer großen und vielfältigen Gruppe von Ländern effektiv zu allokieren, verwenden wir eine eigene Gruppierungsmethodik. Jedes Land wird auf Basis des Marktbetas und lokaler Kapitalmarktüberlegungen einer Beta-Kategorie zugeordnet. Liquide Märkte werden als Märkte mit hohem oder niedrigem Beta klassifiziert, während weniger liquide Länder mit idiosynkratischen Risiken einer Frontier-Kategorie zugeordnet werden. Dies ermöglicht es uns, Relative-Value- und Asset-Allokationsentscheidungen entsprechend dem Risikoprofil und nicht nach Region oder anderen gemeinsamen Merkmalen zu treffen.
Beta-Kategorien-Ansatz: Größte Positionierungen

Quelle: William Blair, Stand 30. Juni 2026. Die Beta-Kategorien basieren auf der qualitativen und quantitativen Analyse des Teams. Die Risikokategorien dienen ausschließlich der Veranschaulichung und sind weder als Anlageberatung noch als Prognose künftiger Renditen gedacht. Übergewichtungen und Untergewichtungen können je nach Anlagevehikel variieren.
Low-Beta-Kategorie
In der Low-Beta-Kategorie spiegelte die Länderpositionierung einen selektiven Ansatz bei Zinsen und Währungen wider. Die Portfolioentscheidungen wurden von Unterschieden bei Inflation, Geldpolitik, Bewertungen, externen Anfälligkeiten und dem inländischen Wachstum bestimmt. Wir erhöhten das Risiko dort, wo sich verbessernde Fundamentaldaten und Relative Value Chancen eröffneten, während wir in Märkten mit schwachem Carry, hohem Finanzierungsbedarf oder anhaltender makroökonomischer Unsicherheit vorsichtiger positioniert blieben.
Polen: Wir haben unsere Position bei Zinsen von einer Untergewichtung auf eine Übergewichtung umgestellt. Die polnische Zentralbank hat angesichts der gesunkenen Ölpreise eine expansivere Haltung eingenommen, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der nächste geldpolitische Schritt eine Zinssenkung sein wird. Die Inflation hat sich in den vergangenen Monaten stetig abgeschwächt, und wir sind der Ansicht, dass polnische Duration im Vergleich zu Ungarn ein überzeugendes Relative Value bietet, nachdem die Renditen dort seit der Wahl deutlich gefallen sind.
Malaysia zeigt sich widerstandsfähig gegenüber externen Schocks und verfügt über eine vergleichsweise hohe Energiesicherheit.
Malaysia: Wir hielten im Quartal an einer Long-Position in Duration fest. Dies spiegelt unsere Einschätzung wider, dass die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber externen Schocks und die vergleichsweise hohe Energiesicherheit eine schnellere und nachhaltigere Erholung der Vermögenspreise unterstützen würden.
Südkorea: Die fünfjährige Receiver-Position, die von sinkenden Zinsen profitiert, dient als Makro-Hedge, indem sie die aus dem Low-Beta-Engagement in Asien resultierende allgemeine Untergewichtung der Duration im Portfolio teilweise ausgleicht.
China: Wir haben unsere Übergewichtung des chinesischen Renminbi aufgelöst, nachdem dieser seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar um fast 3 % aufgewertet hatte. Bei Zinsen halten wir weiterhin eine bedeutende Short-Duration-Position. Dies spiegelt unsere vorsichtige Einschätzung chinesischer Staatsanleihen wider, insbesondere am langen Ende der Renditekurve, angesichts niedriger Renditen, eines begrenzten Carry und der jüngsten Anti-Involution-Maßnahmen, mit denen deflationäre Risiken eingedämmt werden sollen.
Indien: Wir hielten im Quartal an einer Short-Duration-Position fest, haben deren Umfang jedoch reduziert. Die Reserve Bank of India hat sich wegen der möglichen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum gegen kurzfristige Zinserhöhungen ausgesprochen. Angesichts der mit El Niño verbundenen Inflationsrisiken bleibt eine Straffung jedoch möglich. Gleichzeitig nahm der Fonds eine auf eine Abflachung der Renditekurve ausgerichtete Position ein, indem er seine Short-Duration-Position am langen Ende der Renditekurve schloss. Hintergrund war, dass zusätzliche langlaufende Anleihen für die Fully Accessible Route zugelassen wurden, was den Marktzugang für ausländische Investoren verbessert.
In Thailand belasten globale geopolitische Auswirkungen einen ohnehin fragilen Wachstumsausblick im Inland.
Thailand: Aufgrund unattraktiver Bewertungen bleiben wir bei der Duration untergewichtet, auch wenn niedrigere Ölpreise nach dem vorübergehenden Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran im zweiten Quartal den Druck auf die Wirtschaft verringerten. Dennoch erwarten wir, dass die Finanzmärkte unter Druck bleiben werden, da globale geopolitische Auswirkungen den ohnehin fragilen Wachstumsausblick im Inland weiter belasten.
Tschechien: Wir halten an einer Übergewichtung der tschechischen Krone fest. Die tschechische Zentralbank hat ihre restriktive Haltung beibehalten und die Zinsen auf hohem Niveau gehalten. Dazu gehörte auch eine Anhebung des Leitzinses auf 3,75 % im Juni. Die Wirtschaft bleibt widerstandsfähig, wobei die Industrie- und Produktionstätigkeit an Dynamik gewinnt, während starke Fundamentaldaten die Krone weiterhin unterstützen.
Rumänien: Wir bleiben im rumänischen Leu untergewichtet, da strukturelle externe Anfälligkeiten fortbestehen. Die Zentralbank hat nach dem Zusammenbruch der Regierungskoalition eine gewisse Währungsschwäche zugelassen, während die Umsetzungsrisiken angesichts eines erheblichen Finanzierungsbedarfs und anhaltend hoher Inflation erhöht bleiben.
High-Beta-Kategorie
Innerhalb unserer High-Beta-Kategorie blieb die Positionierung selektiv, da attraktive Carry-Erträge und Realrenditen mit Wahlunsicherheit, fiskalischem Druck, Inflationsrisiken und geopolitischer Volatilität konkurrierten. Wir bevorzugten Märkte, in denen Bewertungen und die Glaubwürdigkeit der Politik überzeugende Chancen boten, während wir in Märkten vorsichtiger positioniert blieben, in denen schwächeres Wachstum, Governance-Bedenken oder sich verringernde Zinsdifferenzen das Risiko-Ertrags-Potenzial schmälerten.
Kolumbien: Angesichts attraktiver Bewertungen und unserer Einschätzung, dass die Renditekurve eine übermäßige geldpolitische Straffung einpreist, bleiben wir bei Zinsen übergewichtet. Wir gehen davon aus, dass eine Verbesserung der Fiskallage nach der Wahl das Anlegervertrauen stärken, die Inflationserwartungen verankern und eine niedrigere Laufzeitprämie am langen Ende der Renditekurve unterstützen sollte. Vor der Wahl reduzierten wir unser Engagement im kolumbianischen Peso aufgrund des binären Ausgangs und des erheblichen Abwärtsrisikos und setzten die Position stattdessen über Devisenoptionen um. Dadurch konnten wir an der jüngsten starken Aufwertung der Währung partizipieren und gleichzeitig das Abwärtsrisiko begrenzen.
Brasilien: Wir sind sowohl bei Zinsen als auch beim brasilianischen Real übergewichtet. Im Vorfeld der Wahlen im Oktober haben die fiskalischen Bedenken zugenommen, während die Inflation zuletzt gestiegen ist. Brasilien bietet jedoch weiterhin einen der höchsten Realzinsen im Vergleichsindex. Auch wenn im Vorfeld der Wahl kurzfristig mit Volatilität zu rechnen ist, sind wir der Ansicht, dass attraktive Realrenditen und gut verankerte langfristige Inflationserwartungen Portfoliozuflüsse unterstützen sollten, sobald die Wahlunsicherheit nachlässt.
Wir sind der Ansicht, dass der hohe Carry der türkischen Lira Anleger angemessen für das Abwertungsrisiko entschädigt.
Türkei: Wir sind weiterhin der Ansicht, dass der hohe Carry der türkischen Lira Anleger angemessen für das Abwertungsrisiko entschädigt und dass die Zentralbank eine kontrollierte Abwertung der Währung aufrechterhalten kann. Diese Einschätzung festigte sich im Quartal, da niedrigere Energiepreise und eine verbesserte Risikostimmung den Carry Trade unterstützten. Zudem erhöhten wir schrittweise die Duration, da unser Vertrauen zunahm, dass die Türkei ihren Disinflationskurs wieder aufnehmen kann.
Indonesien: Wir sind sowohl bei Zinsen als auch bei der indonesischen Rupiah untergewichtet. Gründe dafür sind höhere inländische Finanzierungskosten, ein sich abschwächendes Wachstum, ein steigendes Haushaltsdefizit, Governance-Bedenken, ein höheres Anleiheangebot sowie externer Druck durch volatile globale Energiepreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten.
Südafrika: Wir halten an einer Untergewichtung südafrikanischer Zinsen fest. Der Rand verzeichnete im Quartal eine erhöhte Volatilität, da die globale Risikostimmung als Reaktion auf die Entwicklungen im Nahen Osten schwankte. Obwohl sich der mittelfristige Wachstumsausblick verbessert hat, hat die Zentralbank ihre Inflationsprognosen nach oben korrigiert, die Positionierung bleibt stark konzentriert und die jüngsten politischen Entwicklungen haben die Unsicherheit erhöht.
Mexiko: Wir bleiben im mexikanischen Peso untergewichtet. Dies spiegelt die schwächere Wachstumsdynamik und die sich verringernden Zinsdifferenzen gegenüber den Vereinigten Staaten wider. Banxico hat weiterhin auf die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum Mexikos hingewiesen. Bei Pemex-Anleihen bleiben wir übergewichtet, da die zunehmende staatliche Unterstützung dazu beitragen sollte, deren Spreads gegenüber mexikanischen Staatsanleihen zu verringern.
Frontier-Kategorie
In den Frontier-Märkten blieben wir dort konstruktiv, wo hohe Realrenditen, attraktiver Carry und sich verbessernde makroökonomische Fundamentaldaten unserer Ansicht nach eine ausreichende Risikokompensation bieten. Stärkere Währungsreserven, Reformdynamik, fiskalische Disziplin und günstige Außenbilanzen unterstützten unserer Einschätzung nach ausgewählte lokale Zinsmärkte und Währungen, auch wenn geopolitische Volatilität und länderspezifische Risiken die Notwendigkeit einer sorgfältigen Positionierung unterstrichen.
Sambia: Wir bleiben bei lokalen Zinsen übergewichtet. Unterstützt wird diese Position von starken makroökonomischen Fundamentaldaten, einer anhaltenden Disinflation, günstigen Terms of Trade sowie einer steigenden Produktion wichtiger Exportrohstoffe. Im ersten Quartal zeigte sich Sambia trotz des Iran-bezogenen Schocks vergleichsweise widerstandsfähig und profitierte von attraktiven Realrenditen, unterstützendem Carry sowie einem gestiegenen Anlegervertrauen in die fiskalische Disziplin und die Schuldentragfähigkeit. Wir gehen davon aus, dass eine weitere Kompression der Renditekurve die Position unterstützen sollte.
Uganda: Wir bleiben gegenüber lokalen Anlagen konstruktiv. Das zweite Quartal war von einer Wahl geprägt, die politische Kontinuität brachte, sowie von einem Haushalt, der auf die Unterstützung eines stärkeren Wachstums ausgerichtet ist. Hinzu kamen hohe Devisenreserven und weitere Fortschritte bei der Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Langlaufende Anleihen bieten weiterhin attraktive Realrenditen, während ölbezogene Zuflüsse aus ausländischen Direktinvestitionen und solide Reservepuffer unsere positive Einschätzung des ugandischen Schillings trotz erhöhter globaler Volatilität stützen. Obwohl die im Quartal verabschiedete Gesetzgebung gewisse Bedenken ausgelöst hat, reichte dies nicht aus, um den Rückgang der Währungsvolatilität zu stoppen.
Kenia: Wir halten an einer Übergewichtung lokaler Zinsen fest, deren Renditen weiterhin eine angemessene Kompensation für makroökonomische und fiskalische Risiken bieten. Obwohl der Iran-bezogene Konflikt die Marktvolatilität durch eine Verschlechterung der globalen Risikostimmung erhöhte, unterstützen attraktiver Carry und das Potenzial für eine schrittweise makroökonomische Stabilisierung weiterhin ein selektives Engagement in kenianischer Duration, insbesondere da das Land von niedrigeren Energiepreisen und hohen Realrenditen profitiert.
Nigeria: Wir sind der Ansicht, dass der Carry Trade weiterhin durch die Stabilität der Naira, hohe Ölexporte, hohe Zinsen und historisch starke Devisenreserven gut unterstützt wird. Obwohl die Naira zu den stärker besetzten Trades in den Frontier-Märkten gehört, gehen wir davon aus, dass starke Fundamentaldaten in den kommenden Monaten weiterhin attraktive Renditen unterstützen sollten.
Ägypten: Wir bleiben im ägyptischen Pfund übergewichtet. Unterstützt wird diese Position durch hohen Carry, verbesserte Devisenbewertungen und eine bereinigtere Positionierung nach dem jüngsten Risikoabbau. Da die vom IWF unterstützten Reformen weiterhin auf Kurs sind und externe Finanzierungsunterstützung vorhanden ist, sind wir der Ansicht, dass die jüngste Währungsanpassung ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil geschaffen hat. Die anhaltende Unterstützung durch Partner aus dem Nahen Osten und die Umsetzung marktfreundlicherer wirtschaftspolitischer Maßnahmen untermauern unseren konstruktiven Ausblick zusätzlich.
Lewis Jones, CFA, FRM, ist Portfoliomanager im Emerging-Markets-Debt-Team von William Blair.
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1 Der J.P. Morgan GBI-EM Global Diversified Index bildet festverzinsliche, auf lokale Währungen lautende Staatsanleihen von Schwellenländern ab, die internationalen Anlegern zugänglich sind. Die Ländergewichtungen sind begrenzt, um Konzentrationsrisiken zu reduzieren.