BANTLEON Chefvolkswirt: US-Arbeitsmarkt erzeugt einmal mehr ein Wechselbad der Gefühle

Der US-Arbeitsmarkt erhält im Juni einen spürbaren Dämpfer: Laut Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt der Bantleon AG, enttäuscht der Stellensaldo deutlich, während sinkende Arbeitslosigkeit und robuste Investitionen weiter für eine stabile Konjunktur sprechen. BANTLEON | 03.07.2026 08:49 Uhr
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON

Stellensaldo mit spürbarem Dämpfer

Nach drei Monaten mit positiven Überraschungen musste es wohl so kommen: Im Juni wurden in den USA außerhalb der Landwirtschaft deutlich weniger Stellen geschaffen als erwartet. Laut Bureau of Labor Statistics lag der Beschäftigungszuwachs nur bei 57.000 und fiel damit halb so hoch aus wie vom Konsensus erwartet (113.000). Unsere Schätzung lag sogar noch höher (140.000). Und damit nicht genug – gleichzeitig wurden auch noch die Vormonate um 74.000 nach unten korrigiert. So wurde der stattliche Mai-Zuwachs von 172.000 auf 129.000 zurechtgestutzt. Insgesamt haben sich die günstigen Wetterverhältnisse der vergangenen Wochen überhaupt nicht in den Zahlen niedergeschlagen, vielmehr wurde im Juni in den wettersensiblen Sektoren sogar Personal abgebaut.

Während somit die Daten aus der Unternehmensumfrage (Establishment Survey) auf der ganzen Linie enttäuschten, bot die Haushaltsumfrage, aus der die Berechnung der Arbeitslosenquote hervorgeht, ein positives Gegengewicht. Demnach sank die Zahl der Arbeitslosen im Juni um mehr als 200.000, was die Arbeitslosenquote von 4,3% auf 4,2% drückte (bzw. 4,30% auf 4,19%) – den tiefsten Stand seit einem Jahr. 

Alles in allem muss man daher trotz des jüngsten Rücksetzers beim Beschäftigungsaufbau auch nicht in Sack und Asche verfallen. Der 3-Monats-Durchschnitt des Stellensaldos liegt immer noch bei soliden 122.000 und zeigt gegenüber Ende 2025 nach wie vor eine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt an (vgl. nachfolgende Abbildung). Dies spiegelt sich auch im 6-Monats-Durchschnitt wider, der mit knapp 100.000 so hoch liegt, wie seit Ende 2024 nicht mehr. Letztendlich haben sich die Zahlen aus der Haushalts- und Unternehmensumfrage im Zuge der jüngsten Anpassung angeglichen. Beide legen nunmehr eine moderate Arbeitsmarktbelebung nahe (vgl. nachfolgende Abbildung).

Wetter- und WM-Effekt ausgeblieben

Der Blick in die Details der Stellenstatistik gibt einige Rätsel auf. So entpuppte sich ausgerechnet der Sektor »Freizeit und Gastgewerbe« als größte Beschäftigungsbremse. Dabei war gerade diese Branche dafür prädestiniert von den günstigen Wetterverhältnissen und dem WM-Effekt zu profitieren. Es trat aber genau das Gegenteil ein: Im Juni wurden 61.000 Stellen abgebaut und das Mai-Plus wurde von 70.000 auf 40.000 reduziert (vgl. nachfolgende Abbildung). Letztlich wurden in saisonbereinigter Rechnung in diesem Sektor in den vergangenen drei Monaten gar keine Stellen geschaffen. Ein Erklärungsgrund könnte eine zu scharfe Glättung der Zahlen sein, denn in nicht saisonbereinigter Rechnung wurden seit April mehr als 800.000 Stellen im Bereich »Freizeit und Gastgewerbe« geschaffen. Eine weitere Ursache könnte darin liegen, dass die WM andere Touristen verdrängt hat oder die verschärften Einreisebedingungen im Gesamten eher negativ gewirkt haben. Aber wie so oft könnte es im Juli auch wieder zu Aufwärtskorrekturen kommen. Noch schwerer erklären lässt sich nämlich, dass auch in den übrigen wettersensiblen Sektoren wie dem Einzelhandel Stellen verloren gingen (-8.000 im Juni).

Der stärkste Personalaufbau findet derzeit neben dem Gesundheitssektor (+47.000) in den unternehmensnahen Dienstleistungen (+39.000) statt – also Rechts- und Steuerberatung, IT-Services etc. Letzteres ist zumindest eine positive Botschaft auch im laufenden Monat, da es sich dabei zweifellos um einen konjunktursensiblen Sektor handelt.

US-Arbeitsmarkt bleibt robust

Alles in allem stellt der jüngste Einbruch im Stellensaldo zweifellos einen Dämpfer dar. Gleichzeitig ist es aber kein Beinbruch. Mit einem monatlichen Zuwachs von rund 100.000 über die vergangenen sechs Monate fällt der Beschäftigungsanstieg robust aus und liegt vermutlich näher an der Realität als die zuvor für März bis Mai vermeldeten knapp 200.000. Auch die Zahlen alternativer Datenanbieter (ADP und Revelio Labs) deuten auf ein monatliches Stellenplus von gut 100.000 hin (vgl. nachfolgende Abbildung) und signalisieren damit eine Belebung gegenüber Ende 2025. Hinzu kommt, dass die Arbeitslosenquote nunmehr einen klar ersichtlichen, wenn auch flachen, Abwärtstrend beschreibt und sich damit in die Indikatoren einreiht, die eine Erholung am Arbeitsmarkt nahelegen.

Daran dürfte sich auch in den nächsten Monaten wenig ändern. Die Investitionsbelebung ist in den USA in vollem Gang. Die Unternehmensinvestitionen wachsen derzeit mit einer Jahresrate von über 10% und kurzfristig ist kein Ende dieses Investitionsbooms in Sicht. Davon sollten nicht zuletzt die Beschäftigten in den zyklischen Sektoren profitieren (vgl. nachfolgende Abbildung). Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosenquote im weiteren Jahresverlauf weiter nachgeben und sich Richtung 4,0% bewegen. Für die Fed wäre dies eine positive Überraschung. Der Median der Offenmarktmitglieder erwartet derzeit für Ende 2026 eine Quote von 4,3%. Der Arbeitsmarkt bietet entsprechend weiterhin keinerlei Argumente für geldpolitische Lockerungen, sondern würde eher eine monetäre Straffung nahelegen.

Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG

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