BIP und ifo-Index überraschen positiv
Deutschland wartete heute gleich mit zwei positiven Überraschungen auf. Zum einen hat Destatis die offizielle Schätzung für das BIP-Wachstum im 2. Quartal von +0,2% auf +0,3% angehoben (nach +0,4% in Q1/26 und +0,3% in Q4/25, jeweils im Vergleich zum Vorquartal). Zum anderen machte der ifo-Index im August einen Satz von 86,7 auf 88,8 Punkte und stieg damit noch stärker an als von uns erwartet (87,5 Punkte, Konsensus: 87,2) – es ist bereits das vierte Plus in Folge.
Beides ist von zentraler Bedeutung. Nach den neuesten Zahlen expandierte das deutsche BIP über die vergangenen drei Quartale mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 1,4%. Die Zeiten der Stagnation sind damit endgültig vorbei. Mehr noch, im laufenden Jahr ist nunmehr auch wieder ein Durchschnittswachstum von über 1,0% möglich. Zur Jahresmitte ist der Konsensus noch von 0,6% ausgegangen. Einige hatten – nach Beginn des Irankriegs – sogar ein erneutes Nullwachstum an die Wand gemalt. Die Bundesregierung selbst hat ihre Wachstumsprognose von 1,0% auf 0,5% nach unten korrigiert. Nunmehr wird es wieder zu Aufwärtskorrekturen kommen. Wir sehen unsere Prognose von 1,2% hingegen nachhaltig bestätigt.
Darüber hinaus stand der ifo-Index – mehr als etwa die Einkaufsmanagerindikatoren – stellvertretend für die »miese« Stimmung in Deutschland. Dies galt vor allem für die Industrie, wo die Einschätzung zur aktuellen Lage bis zuletzt extrem pessimistisch ausfiel. Hier vollzieht sich nun aber eine Wende. Mittlerweile halten sich Optimisten und Pessimisten nahezu die Waage (vgl. nachfolgende Abbildung). Natürlich ist noch nicht alles rosig, immerhin ist die weit verbreitete Skepsis aber auf dem Rückzug.

Dies unterstreicht einmal mehr, dass es keinen Sinn ergibt, den Fokus nur auf wenige Branchen und deren Strukturprobleme – etwa den Automobilsektor – oder einzelne Problemfelder (etwa das Niedrigwasser des Rheins) zu richten. Daraus entsteht eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Entscheidend ist das übergeordnete Gesamtbild, und hier profitiert mittlerweile eine Vielzahl von Unternehmen von positiven Faktoren wie dem KI-Boom, den öffentlichen Rüstungs- und Infrastrukturinvestitionen sowie dem intakten weltwirtschaftlichen Umfeld.
Exporte im Aufwind: Investitionen sollten folgen
Die BIP-Daten machen denn auch klar, dass vor allem der Export im 1. Halbjahr die treibende Kraft war (Q2: +2,0% nach +2,4% in Q1). Dies hatten bereits die monatlichen Aussenhandelszahlen sowie zuletzt die Einkaufsmanagerumfrage nahegelegt, wo unter anderem der Teilindex zu den Exportaufträgen nach oben geschnellt ist (vgl. nachfolgende Abbildung). Das deutsche Exportmodell ist also ebenfalls noch nicht tot, sondern zeigt sogar neue Lebenszeichen.

Die Investitionen haben dagegen – nach einem fulminanten Endspurt 2025 – in den vergangenen beiden Quartalen wieder geschwächelt (-0,2% nach -1,3%). Dabei dürfte es sich aber nur um einen temporären Durchhänger handeln. Die kräftig anziehenden Inlandsaufträge für Kapitalgüter signalisieren eine Investitionsbelebung (vgl. nachfolgende Abbildung), und auch die deutsche Fiskalpolitik dürfte in den nächsten Monaten noch bedeutende Impulse liefern. Wir sind daher weiterhin zuversichtlich, dass zum Jahresende beim deutschen BIP-Wachstum in annualisierter Rechnung sogar eine Zwei vor dem Komma steht und die deutsche Wirtschaft mit grossem Schwung in das Jahr 2027 geht. Immer vorausgesetzt natürlich, dass die Lage im Nahen Osten nicht nochmals eskaliert.

Positive Konjunkturüberraschungen dürften auch weiterhin der Treiber für die Aktienmärkte sein. Vor allem der Mittelstand sollte von der zunehmenden Verbreiterung des Aufschwungs profitieren (vgl. nachfolgende Abbildung).

Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG
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