Erwartungsgemäß hat die Fed ihren Leitzins letzte Woche das dritte Mal in diesem Jahr gesenkt, um einen viertel Prozentpunkt auf 3,5% bis 3,75%. Das ist das niedrigste Niveau seit drei Jahren.
Die wachsenden Sorgen um den Arbeitsmarkt wogen schwerer als die hartnäckige Inflation. Die Fed entschloss sich daher zu einer weiteren Senkung. An den Märkten wurde die Begleitrhetorik als überraschend milde wahrgenommen. Aktien stiegen, die US-Kurzfristzinsen fielen.
Vor allem aber sagte Notenbankchef Powell, dass die Fed jetzt genug für die Stabilisierung des Arbeitsmarktes getan habe. Dabei seien die Zinsen noch immer hoch genug, um die Inflation einzudämmen. Man kann daraus lesen, dass die Fed jetzt erst einmal eine Pause einlegen und abwarten will, wie sich die Wirtschaft entwickelt.
Die meisten der zwölf stimmberechtigten Offenmarktausschussmitglieder waren für die Senkung. Es gab aber auch drei Gegenstimmen: von Notenbankvorstand Stephen Miran, der 50 Basispunkte wollte, und den Präsidenten aus Chicago, Austan Goolsbee, und Kansas City, Jeffrey Schmid, die sich unveränderte Leitzinsen wünschten.
Gegenstimmen waren erwartet worden. Es waren dann zwar weniger, aber doch die größte Uneinigkeit seit 2019.
Falken contra Tauben
Solange das doppelte Mandat der Fed zu einem Zielkonflikt führt, rechnen wir weiter mit unterschiedlichen Meinungen über eine angemessene Geldpolitik.
Dabei ließ sich der Offenmarktausschuss Spielraum für weitere Zins¬senkungen: „Bei seinen Überlegungen zum Ausmaß und Zeitpunkt künftiger Anpassungen der Spanne für die Federal Funds Rate wird der Ausschuss genau auf die Daten, Veränderungen des Ausblicks und die verschiedenen Risken achten“, ließ die Fed nach der Sitzung wissen.
Das wird schon diese Woche relevant, wenn eine Reihe wichtiger Konjunktur-daten verzögert bekannt gegeben werden – darunter die Beschäftigungs-berichte für Oktober und November und die Arbeitslosenquote für November. Vielleicht gibt das Aufschluss über die Haltung der Fed zu Beginn des neuen Jahres.
Notenbankchef Powell sagte, dass die Kurzfristzinsen „zurzeit zu zahlreichen Schätzungen des neutralen Zinses“ passten. Weitere Senkungen würden demnach schon einen sehr viel schwächeren Arbeitsmarkt und eine höhere Arbeitslosenquote erfordern.
Unabhängig davon, ob und wie stark die Arbeitslosigkeit steigt, rechnen wir damit, dass die Fed die Leitzinsen im 1. Quartal 2026 erneut um 25 Basis-punkte senkt. Weitere Zinssenkungen im neuen Jahr sind denkbar, wenn der neue Notenbankchef darauf drängt.
Powells Amtszeit endet im Mai. Kevin Hassett, Trumps Wirtschaftsberater und eine bekannte Taube, gilt als Favorit für seine Nachfolge. Auf der Kandidaten-liste, die Finanzminister Scott Bessent jetzt prüft, stehen aber weitere Namen, darunter der frühere Notenbankvorstand Kevin Warsh, die aktuellen Vorstände Christopher Waller und Michelle Bowman sowie Rick Rieder von BlackRock. Vermutlich wird der Kandidat Anfang des neuen Jahres nominiert. Die Anleihenmärkte dürften darauf reagieren.
Auswirkungen auf die Märkte
Nach der Notenbanksitzung sind die Kurzfristzinsen ebenso wie der Leitzins gefallen – auch weil die Fed wissen ließ, dass sie sofort mit Käufen kurz laufender US-Staatsanleihen beginnt, um die Marktliquidität zu verbessern. Die Langfristrenditen – also die 10- und 30-Jahres-Renditen – sind hingegen durchweg gestiegen.
Wesentliche Gründe dafür sind höhere Wachstumserwartungen sowie wachsende Zweifel an den Staatsfinanzen und der Tragfähigkeit der Staatsschulden. Weil die Kurse all das jetzt abbilden, dürfte für langfristige Anleihen das Schlimmste vorbei sein. Das schrieben wir auch im Anleihenteil von Solving for 2026. Wir glauben, dass die höheren Langfristrenditen bei niedrigeren Leitzinsen langfristige Anleihen stützen können.
Von Ashok Bhatia, Chief Investment Officer and Global Head of Fixed Income bei Neuberger Berman
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