Die Magnificent 7 driften auseinander

Viel wurde über die Magnificent 7 geschrieben, aber allmählich scheinen sie getrennte Wege zu gehen. Neue Aktienstorys mit KI-Bezug werden wichtiger. Neuberger | 15.05.2026 07:57 Uhr
Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman
Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman

Sieben hochkapitalisierte Technologiewerte bestimmten in den letzten Jahren Gewinnwachstum und Performance des S&P 500 – und manche von ihnen überzeugen noch immer. Erst letzte Woche übertrafen die Erstquartalszahlen von Alphabet, Amazon und Meta wieder einmal die Erwartungen. Aber schon bald könnte es damit vorbei sein, dass sieben Aktien fast im Gleichschritt zulegen und die Large-Cap-Indizes dominieren.

„Magnificent 7“ war ein gut gewähltes Label, erinnerte es doch an einen großen Western aus den 1960ern. Es klang ganz anders als so umständliche Akronyme wie FAANG+, FANMAG und MAMAA, oft echte Zungenbrecher. Magnificent 7 hatte Flair und stand für etwas Echtes: außergewöhnliche Unternehmen mit dominierenden Produkten und enormem Gewinnwachstum – beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Marke.

Nach fast drei Jahren scheint es damit aber bald vorbei zu sein. Das Konzept bildet heute nicht mehr die Marktrealität ab. Es hilft auch nicht mehr bei Marktprognosen. Wie so viele Themen zuvor scheinen auch die Magnificent 7 bald Vergangenheit zu sein.

Unkorrelierte Erträge

Die durchschnittliche paarweise 6-Monats-Korrelation der Magnificent 7 ist dieses Jahr auf 25% eingebrochen, den niedrigsten Wert seit mindestens 2019 und deutlich unter den 75% von Anfang 2023. Dazu passt, dass die Erträge dieses Jahr sehr viel stärker streuen. Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, legte bis zum 5. Mai um 23% zu, Amazon um 15%. Aber Microsoft und Tesla haben jeweils 15% verloren, Meta liegt um 7% im Minus, Apple trat auf der Stelle. 38 Prozentpunkte Ertragsdifferenz in nur vier Monaten sind wirklich bemerkenswert.

Die Gründe dafür sind fundamental. Vier der sieben Magnificent 7 gelten als Hyperscaler, die stark vom KI-Aufbau profitieren. Aber die anderen drei sind noch immer in ihren alten Geschäftsfeldern tätig – Chips, Hardware und saubere Energie. Doch selbst die Hyperscaler entwickeln sich unterschiedlich, beispielsweise Alphabet und Microsoft. Noch vor einem Jahr galt Alphabet bei KI als hoffnungslos rückständig, während man Microsoft für einen Gewinner hielt. Jetzt sieht man es umgekehrt. Auch bei anderen Aktien könnte es zu Führungswechseln kommen, weil Anleger Höhe und Nachhaltigkeit der Gewinne, Cashflows, Investitionen und Umsetzung in den nächsten Quartalen auch weiter genau unter die Lupe nehmen werden.

Hinzu kommt, dass die Magnificent 7 nicht mehr unbedingt die weltgrößten Unternehmen sind. Broadcom hat Meta und Tesla bei der Marktkapitalisierung heimlich überholt. Walmart und Berkshire Hathaway, heute beide mehr als 1 Billion US-Dollar wert, könnten bald folgen.

… aber wer dann?

Wer aber könnte die Magnificent 7 als die Mega Caps schlechthin ablösen? Anleger sollten sich intensiver mit unterschiedlichen Themen und Aktienkörben befassen, um die Marktentwicklung besser zu verstehen.

KI macht den Markt heterogener. Aktien könnten nach ihren KI-Fortschritten gruppiert werden. Relevant sind Themen wie Kapazitätsausbau, Infrastruktur, Nutzung, Anwendung, Integration oder Disruption. Jeder Aktienkorb hat sein eigenes Risikoprofil und eigene Bewertungsfaktoren – und reagiert unterschiedlich stark auf die Konjunktur.

Anlegern kann das wichtige Erkenntnisse liefern. Der alte Korb aus sieben Aktien hilft ihnen hingegen immer weniger.

Was den Markt noch immer stützt

Die Magnificent 7 mögen an Glanz verloren haben, aber langfristig glauben wir weiter an Aktien. Wegen der hohen Unternehmensgewinne bleiben wir weltweit optimistisch. Auch deshalb haben wir amerikanische Large Caps jetzt höher gewichtet.

Manche mögen Aktien für überkauft halten, zumal der S&P 500 zwei Monate nach Ausbruch des Irankrieges und trotz der Blockade der Straße von Hormus gerade erst wieder ein neues Allzeithoch erreichte. Aber die Daten sind gut.

In vielen Sektoren und Ländern legen die Unternehmensgewinne kräftig zu, laut FactSet manchmal um über 20% p.a. Nach unseren Analysen trägt allein die KI-Infrastruktur heute schätzungsweise einen halben Prozentpunkt zum amerikanischen Wirtschaftswachstum bei. Diese Investitionen dürften die Konjunktur das ganze Jahr über stärken. Gerade erst haben Amazon und Meta ihre Investitionspläne angehoben, und viel spricht für eine anhaltend hohe Nachfrage nach KI. Es gibt Anzeichen für kurzfristige Kapazitätsengpässe und zunehmende Preismacht der Anbieter.

In den ersten beiden Monaten des Jahres lagen nicht amerikanische Aktien um etwa 11 Prozentpunkte vor US-Werten, die dann aber etwa 6 Prozentpunkte aufholten – und das trotz der ansatzweisen Entspannung am Golf. Was als Umschichtungen in sichere Häfen begann, wird jetzt zunehmend von den Unternehmensgewinnen getragen.

Weiter, immer weiter

Disziplin bleibt wichtig. Die ersten Monate des Jahres waren ereignisreich. In der zweiten Jahreshälfte wird die Fiskalpolitik weniger tun, um die hohen Energiepreise abzufedern. Bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus dürfte der wirtschaftliche Schaden zunehmen.

Und doch sollte man nicht abwarten, sondern gezielt weiter investieren.

Wenn sich die Titel eines Aktienkorbs wie der Magnificent 7 um 38 Prozent¬punkte auseinanderentwickeln, differenziert der Markt offensichtlich stark. Einzelwertauswahl ist wichtiger als Etiketten. Die Magnificent 7 waren lange erfolgreich, ebenso wie die mutigen Cowboys auf der Leinwand. Aber vier der Revolverhelden haben nicht überlebt – und am Ende gewannen die Dorfbewohner, die von ihnen beschützt wurden. Für Anleger gilt Ähnliches: Das Etikett hatte seine Zeit, aber am Ende lohnt sich ein genauerer Blick.

Von Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman

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