In den letzten CIO Weekly Perspectives des alten Jahres möchten wir noch einmal an zwei bewährte Anlageregeln erinnern: Investieren Sie langfristig und bleiben Sie diversifiziert.
2025 war ein interessantes Jahr, aber das sagt man zum Jahreswechsel meistens. Nach den Rezessionssorgen und dem heftigen Ausverkauf nach Trumps „Liberation Day“ war die Weltwirtschaft dann doch überraschend stabil. Risikobehaftete Titel, vor allem Aktien, haben sich in beeindruckender Weise erholt und trotz immer wieder aufflammender Volatilität neue Hochs erreicht.
Im neuen Jahr könnten konjunkturelle und andere Entwicklungen die Aktienmarktrallye bremsen, vor allem bei KI-Aktien. Dennoch bleiben wir für Wachstumswerte und andere risikobehaftete Titel zuversichtlich, wenn nicht optimistisch. Wir glauben, dass eine expansive Geld- und Fiskalpolitik die Konjunktur wieder in Schwung bringen kann.
Ausblick „Solving for 2026“
Auf dieser Einschätzung beruht auch unser aktueller Ausblick Solving for 2026. Hier untersuchen wir fünf wichtige Themen, die die Märkte im neuen Jahr bestimmen können.
2026 schließen wir vorübergehende Schwächephasen nicht aus, vor allem aus konjunkturellen und politischen Gründen und nicht zuletzt wegen des KI-Enthusiasmus. Gerade dann muss man langfristig denken und diversifizieren, um trotz allem Gewinne zu erzielen.
Auch im neuen Jahr dürften risikobehaftete Wertpapiere mal steigen und mal fallen. Kontinuität und Diversifikation sind daher die Schlüssel für langfristige Erträge.
Langfristig denken
Die Vergangenheit zeigt, dass es sich sehr gelohnt hat, in unsicheren Zeiten investiert zu bleiben – früher wie heute. Seit die US-Administration am 2. April ihre Zollpläne bekannt gab, sind der S&P 500 um über 35 % und der NASDAQ 100 um mehr als 48 % gestiegen. Wer seit Jahresbeginn konsequent investiert war, hat trotz aller Höhen und Tiefen 15 % bzw. 19 % verdient.
Angesichts des Ausverkaufs im April scheint das viel. Aber das ist es in keiner Weise. Nach früheren Ausverkäufen waren die Langfristerträge bisweilen noch beeindruckender. So ist der S&P 500 seit dem Coronatief am 23. März 2020 bis heute um gut 160 % und der NASDAQ 100 um über 277 % gestiegen. Und seit dem Tiefpunkt während der internationalen Finanzkrise, dem 9. März 2009, liegt der S&P 500 um beeindruckende 900 % im Plus.
Das sind nur einige Beispiele. Sie zeigen aber, wie sehr es sich auf Dauer lohnt, investiert zu bleiben. Market Timing hingegen ist extrem schwierig. Oft verpassen Anleger dann wirklich hohe Erträge.
Wir wissen, dass die Marktvolatilität Anleger dieses Jahr beunruhigt hat, und 2026 dürfte es kaum anders werden. Langfristig gesehen erscheinen diese Schwankungen aber längst nicht mehr so dramatisch. In mehr als der Hälfte der letzten 50 Jahre ist der MSCI World Index vorübergehend um mehr als 10 % gefallen, und fast alle vier Jahre sogar um mindestens 20 %.
Aktiv investieren, diversifiziert bleiben
Wer investiert bleibt, ist kein hoffnungsloser Optimist. Er ist ein disziplinierter Realist. Auch 2026 wird es Turbulenzen geben, ausgelöst vermutlich durch die Politik, KI-Enthusiasmus und eine unruhige Weltlage. Die Lehren aus der Vergangenheit sind aber klar: Um ein stabiles Vermögen aufzubauen, muss man langfristig denken und klug umschichten.
In der Praxis heißt das, dass man weder Gewinnern hinterherlaufen noch aus schwächeren Titeln sofort aussteigen soll. Mit einem ausgewogenen Portfolio kann man sich vor dem Auf und Ab der Märkte und der unvermeidlichen Sektorrotation schützen – ob von Wachstums- zu Substanzwerten, von Large Caps zu Mid Caps, von US-Titeln zu nicht amerikanischen Aktien oder von Zyklikern zu defensiven Werten. Für eine niedrigere Aktienquote gibt es keinen Grund. Diversifikation ist die Schwester der Geduld. Der Zinseszinseffekt kann weiterwirken, auch wenn der Markt schwankt. Marktrotationen sind dann keine Störungen, sondern Chancen. Diversifikation kann auch das Platzen einer Preisblase bei einzelnen Titeln abfedern. Das ist oft unvermeidbar, wenn ein Sektor zu teuer geworden ist.
Wenn die expansive Geld- und Fiskalpolitik das Wachstum beschleunigt, könnte ein zu geringer Investitionsgrad ein sehr viel größeres Risiko sein als ein zu hoher. 2026 raten wir zu mehr Diversifikation, vor allem nach Regionen und Stilen. Machen Sie sich bereit, um von Fehlbewertungen zu profitieren, wenn das Pendel zu weit ausschlägt.
Von Joseph V. Amato, President und Chief Investment Officer – Equities, Neuberger Berman
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