Der kurze Anstieg des Euro auf über 1,20 USD/EUR im Januar hat Spekulationen über eine Reaktion der EZB wiederbelebt. Der handelsgewichtete Euro hat ebenfalls zugelegt und liegt nun etwa 2,2% über dem Vorjahresdurchschnitt, gegenüber 1,6% in den jüngsten Annahmen der EZB-Mitarbeiter. Eine Studie der EZB legt nahe, dass eine Aufwertung des Euro um 1% die Gesamtinflation innerhalb eines Jahres nur um etwa 0,04 Prozentpunkte senkt, was bedeutet, dass der EZB-Rat dies vorerst weitgehend ignorieren kann.
Dennoch findet sich die Stärke des Euro in einem schwierigen globalen Umfeld wieder, geprägt von US-Zöllen und einem intensiven Wettbewerb mit China. Und das Risiko eines stärkeren Euro-Aufschwungs bleibt bestehen, beispielsweise wenn das Vertrauen in die USA erschüttert wird. Die EZB wiederholt zwar, dass der Wechselkurs kein politisches Ziel ist, doch ist er für die Inflationsaussichten von Bedeutung.
Die jüngsten Äußerungen von Gouverneur Villeroy de Galhau, dass ein „starker Euro” die Politik leiten werde, deuten darauf hin, dass der Wechselkurs zu einem expliziteren Faktor der Reaktionsfunktion geworden ist. Im Allgemeinen waren die jüngsten Kommentare der EZB-Mitglieder zurückhaltend und betonten Unsicherheiten und Zölle auch als Risiken.
Bei der Sitzung am 5. Februar erwarten wir, dass Präsidentin Lagarde an ihrer datenabhängigen, abwartenden Haltung festhält und gleichzeitig andeutet, dass eine anhaltende Aufwertung des Euro Leitzinsen unterhalb der derzeit als „günstig“ angesehenen Marke von 2% rechtfertigen könnte.
Von Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments
Weitere beliebte Meldungen: