Iran-Krieg überschattet robusten Konjunktur- und Marktausblick

Geopolitische Spannungen, Energieabhängigkeit und Inflationsrisiken erhöhen den Druck auf die Weltwirtschaft. Besonders die Eurozone gilt als verwundbar. Warum EZB und Fed dennoch unterschiedlich reagieren dürften und welche Anlageklassen nun als vergleichsweise robust gelten. Generali Investments | 16.03.2026 12:24 Uhr
Michele Morganti, Senior Equity Strategist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Michele Morganti, Senior Equity Strategist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Hohe Unsicherheit und ein stagflationärer Schock belasten die Weltwirtschaft. Die Eurozone sowie Japan/Asien sind aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit von Energieimporten besonders verwundbar. Im Basisszenario (Krieg nur auf wenige Wochen begrenzt, schnelle Wiederherstellung der Öl- und Gasversorgung) würde sich die Erholung im Euroraum verzögern, aber nicht erstickt werden. Die USA als Nettoexporteur von Energie sind weniger exponiert, dennoch könnte auch dort das Verbrauchervertrauen leiden.

Die Risiken haben sich in den vergangenen Tagen erhöht, eine anhaltende Eskalation des Kriegs könnte eine milde Rezession im Euroraum auslösen und das Überschießen der Inflation verlängern. Ein Waffenstillstand dürfte nur schwer zu erreichen sein, da der Iran erhebliche Zugeständnisse fordern wird. Ein einseitiger US-Rückzug würde wahrscheinlich nicht zu einer Normalisierung führen.

Im Basisszenario werden die Zentralbanken den vorübergehenden Inflationsanstieg ausblenden. Die Fed dürfte noch in diesem Jahr eine Zinssenkung liefern (früher als aktuell eingepreist); die EZB dürfte hingegen stillhalten (gegenüber den aktuell eingepreisten +47 Basispunkten bis Ende des Jahres). Nur bei anhaltender Eskalation wäre zu erwarten, dass die EZB die Zinsen bis Ende 2026 um bis zu 50 Basispunkte und die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte anheben.

Wir sehen wesentliche Unterschiede zu 2022: Bislang hält sich der Energiepreisschock in Grenzen, die Weltwirtschaft steht auf soliderem Fundament, die Zentralbanken (2022 noch sehr expansiv) befinden sich bereits auf neutralem Terrain. Staatsanleihen wirken nicht als sicherer Hafen, die Renditen werden zwar attraktiver, sind jedoch nicht ausreichend, um unsere defensive Durationspositionierung umzukehren (insbesondere in den USA). Wir erwarten eine anhaltende Widerstandsfähigkeit von liquiden Kreditanlagen. Wir halten weiterhin an einer vorsichtigen Übergewichtung von Aktien fest, favorisierte Sektoren sind defensive und inflationsabsichernde Titel.

Von Michele Morganti, Senior Equity Strategist bei Generali Investments

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