Mit einer hawkishen Abwartehaltung durch den (hoffentlich temporären) Energiepreisschock
Der EZB-Rat hat auf seiner Sitzung einstimmig beschlossen, den Leitzins unverändert bei 2,0 Prozent zu belassen.
Die Stabsprojektionen, die Informationen bis zum 11. März berücksichtigen, sehen nur einen vorübergehenden Inflationsanstieg: Die Gesamtinflation soll 2026 auf 2,6 Prozent springen, bevor sie 2027-28 auf rund 2 Prozent zurückgeht, während die Kerninflation nur moderat steigt und es keine nennenswerten Zweitrundeneffekte gibt. Allerdings sind seit dem 11. März die Energiepreise und die marktbasierten Inflationserwartungen weiter gestiegen.
Die Risiken tendieren in Richtung einer Stagflation. Der Iran-Krieg schafft Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum. Adverse und schwerwiegende Szenarien umfassen Stagnation oder Rezession bei Inflation weit oberhalb des Ziels, was Zinserhöhungen wieder zur Debatte stellen würde.
Die EZB sieht sich nicht mehr "in einer guten Ausgangsposition", sondern "gut aufgestellt", um den Energiepreisschock zu bewältigen. Zudem wird sie die Lohnentwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen, die sie als entscheidenden Indikator nennt.
Wir halten an unserem Basisszenario unveränderter Zinsen fest, sehen das Risikoverhältnis jedoch nach oben verschoben: Eine Eskalation des Iran-Konflikts, die die Energiepreise treibt und Zweitrundeneffekte verstärkt, könnte bereits im April eine Zinserhöhung rechtfertigen.
Von Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments
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