Der EZB stehen erneut schwierige Zeiten bevor. Nach der Normalisierung der Inflation wird der Iran-Krieg einen Inflationsschub auslösen und Erinnerungen an den Inflations-Tsunami von 2022 wecken. Die Verbraucherpreise stiegen aufgrund höherer Energiepreise im März bereits auf 2,5 Prozent im Jahresvergleich, gegenüber zuvor 1,9 Prozent. In den kommenden Monaten könnten die Inflationsraten sogar nahe an die 4 Prozent im Jahresvergleich heranreichen. Die EZB hat ihre Lektion gelernt: Präsidentin Lagarde erklärte, man werde nicht zögern zu handeln, sobald das Frühwarnsystem Alarm schlägt, und betonte, dass selbst eine kurzlebige Inflationsüberschreitung eine Zinserhöhung aus Glaubwürdigkeitsgründen auslösen könnte. Anders als 2022 erscheint der Verkaufspreisdruck zwar moderater, doch der Spielraum am Arbeitsmarkt ist enger; die EZB beobachtet daher die Lohnentwicklungen genau, und ihr Lohn-Tracker deutet bis 2026 weiterhin auf eine Mäßigung hin. Angesichts der Tendenz, „too little, too late“ zu vermeiden, gehen wir nun von einer „vorbeugenden“ Zinserhöhung um 25 Basispunkte aus, die den Einlagenzins auf 2,25 Prozent (oberes Ende des neutralen Bereichs) anheben würde. Sollte der Iran die Straße von Hormus weiter einschränken und eine Eskalation Zweitrundeneffekte befeuern, könnten weitere Zinserhöhungen folgen. Das lässt eine Straffung von rund 75 Basispunkten im Jahr 2026 als plausiblen Marktpreisanker erscheinen.
Von Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments
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