Das Wachstum des realen BIP in den USA hat sich im zweiten Quartal von 2,1 auf 1,5% (annualisiert, zum Vorquartal) verlangsamt. Die aussagekräftigere private Endnachfrage legte aber sehr deutlich um 3,9% zu. Etwas überraschend trug der private Konsum gut 2 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Die Warenkäufe stiegen um 5,2%, die Käufe von Dienstleistungen um 2,2 %. Auffällig ist, dass die Statistikbehörde dabei insbesondere Finanzdienstleistungen als wichtigen Treiber nennt. Das passt zur These, dass der US-Konsum derzeit weniger von der Entwicklung der Lohneinkommen als von steigendem Finanzvermögen gestützt wird. Positiv an den heutigen Daten ist vor allem die anhaltend starke Entwicklung der Investitionen. Die Ausrüstungsinvestitionen legten um 15,2% zu, die Investitionen in geistiges Eigentum und Software um 8,8%. In beiden Bereichen spiegelt sich der KI-Boom. Bremsend wirkten im zweiten Quartal neben den Bauinvestitionen auch ein stark negativer Außenbeitrag sowie rückläufige Staatsausgaben. Kräftig fiel erneut auch der Preisanstieg aus.
Aussichten für Anleger
Die US-Konjunktur ist insgesamt deutlich besser durch die Phase hoher Ölpreise gekommen als die Konjunktur in Europa. Die anhaltend starke und sogar zulegende inländische Endnachfrage und der kräftige Preisanstieg legen nahe, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin klar in einem Regime des inflationären Wachstums befindet. Der geldpolitische Kurs der FED hängt damit noch stärker an ihrer Einschätzung zur Angebotsseite der Wirtschaft. Nur ein kräftiger Anstieg der Produktivität durch KI, welcher den Preisdruck erheblich senken könnte, würde in diesem Umfeld gegen eine Anhebung der Zinsen sprechen. Je länger sich die FED gegen diese Entwicklung stellt, desto größer könnte der Druck auf den Dollar und die US-Anleihen werden.
Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
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