Wachstumsoptimismus verdrängt Öl- und Inflationssorgen

Die Märkte richten ihren Blick zunehmend auf KI-getriebenes Wachstum statt auf Ölpreis- und Inflationsrisiken. Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price, analysiert, was das für Schwellenländer, US-Zinsen, EM-Währungen und lokale Anleihemärkte bedeutet. T. Rowe Price | 24.06.2026 10:34 Uhr
Chris Kushlis, Chef-Makrostratege für Schwellenländer bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Chris Kushlis, Chef-Makrostratege für Schwellenländer bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

In den vergangenen Monaten haben sich die Märkte von der Sorge um einen durch Ölpreise ausgelösten Inflationsschock hin zur Widerstandsfähigkeit des globalen Wachstums verlagert. Während höhere Energiepreise zunächst Befürchtungen hinsichtlich eines schwächeren Wachstums und einer strafferen Geldpolitik aufkommen ließen, fiel die befürchtete wirtschaftliche Störung weniger gravierend aus als erwartet. Die Ölmärkte haben ein gewisses Gleichgewicht gefunden, die Nachfrage hat sich angepasst, und die Weltwirtschaft ist weiter gewachsen.

Gleichzeitig haben sich Investitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz als starker Motor für die Konjunktur entwickelt, insbesondere in den USA und Teilen Asiens. Dies hat dazu beigetragen, die Sorgen über höhere Energiekosten auszugleichen, und Investoren dazu ermutigt, über die durch Rohstoffe bedingten Inflationsrisiken hinauszuschauen und sich auf die Stärke der Wachstumsaussichten zu konzentrieren.

In vielerlei Hinsicht haben sich die Märkte von einer „Öl-und-Inflations“-Geschichte hin zu einer „KI-und-Wachstum“-Geschichte entwickelt. Für die Schwellenländer hat dies ein konstruktiveres Umfeld geschaffen, als viele zu Beginn des Jahres erwartet hatten. Die Kombination aus widerstandsfähigem Wachstum und einem stabileren Ölmarkt hat die Sorgen vor einem unmittelbaren Wachstumsschock gemildert, aber auch den Fokus des Marktes auf die US-Zinsen und den Kurs der US-Notenbank gelenkt. Das stärkere Wachstum in den USA hat die Anleger dazu veranlasst, die Aussichten für die Geldpolitik der Fed neu zu bewerten, was die US-Renditen in die Höhe getrieben und die globalen Finanzbedingungen verschärft hat.

Die Vorteile des KI-getriebenen Wachstums sind nicht in allen Schwellenländern gleichermaßen spürbar. Südkorea und Taiwan gehören aufgrund ihrer zentralen Rolle in der Halbleiter-Lieferkette zu den eindeutigsten Nutznießern, während andere produktionsorientierte Volkswirtschaften in Asien ebenfalls von einer stärkeren Nachfrage im Zusammenhang mit KI-bezogenen Investitionen profitiert haben. Ein breiterer Aufschwung in den Schwellenländern wird wahrscheinlich eine stärker synchronisierte Ausweitung der globalen Nachfrage erfordern. Bis dahin bleiben höhere US-Renditen die wichtigste Herausforderung für die Währungen der Schwellenländer und die lokalen Anleihemärkte.

Von Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price

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