Chinas jüngste Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass die Konjunktur an Schwung verliert, da die Binnennachfrage weiterhin schwach ist. Zwar haben sich Exporte, Industrieproduktion und Dienstleistungen relativ gut behauptet, doch sind die früheren politischen Stützungsmaßnahmen ausgeklungen, die fiskalischen Ausgaben wurden gedrosselt und der Immobiliensektor belastet die Konjunktur weiterhin. Obwohl das Wachstum im ersten Halbjahr im Großen und Ganzen weiterhin auf Kurs ist, um das Jahresziel der Regierung zu erreichen, spricht das schwächere Tempo im zweiten Quartal zunehmend für zusätzliche politische Stützungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte. Die politischen Entscheidungsträger bevorzugen jedoch weiterhin einen maßvollen und gezielten Ansatz anstelle der breit angelegten, kreditgetriebenen Konjunkturprogramme, wie sie in früheren Konjunkturabschwüngen zu beobachten waren.
Die Abschwächung des Wachstums spiegelt eine Kombination aus konjunkturellen und strukturellen Faktoren wider. Die Auswirkungen von Altgeräte-Austauschprogrammen lassen allmählich nach, während geringere Staatsausgaben im zweiten Quartal wahrscheinlich zu schwächeren Infrastrukturinvestitionen beigetragen haben. Auch das Kreditwachstum bleibt verhalten, und die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt belastet die Wirtschaft weiterhin, trotz einer gewissen Stabilisierung der Immobilienpreise in Chinas Großstädten. Gleichzeitig kehrte der BIP-Deflator, gestützt durch höhere Erzeugerpreise, in den positiven Bereich zurück.
Es wird erwartet, dass die politischen Reaktionen eher von fiskalischen als von geldpolitischen Maßnahmen geprägt sein werden. Angesichts des nachlassenden Wachstums herrscht Einigkeit darüber, dass die Behörden die fiskalischen Ausgaben erhöhen werden, wahrscheinlich durch eine beschleunigte Auszahlung der bereits im Rahmen des diesjährigen Haushaltsrahmens genehmigten Mittel. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Sitzung des Politbüros Ende Juli, bei der voraussichtlich etwaige Anpassungen des geldpolitischen Kurses bekannt gegeben werden.
Die jüngsten Finanzdaten untermauern die Einschätzung, dass die politischen Entscheidungsträger weiterhin zögern, breit angelegte Kreditimpulse zu setzen. Das Wachstum der gesamten Sozialfinanzierung (TSF) und von M1 deutet auf eine weitere Verlangsamung des Kreditimpulses hin, wobei sich die Abkühlung des Kreditwachstums langfristig fortsetzt und auch die Emission von Staatsanleihen nachlässt. Die Volksbank von China (PBOC) hat das schwächere Kreditwachstum als strukturelle Folge der Verlagerung der Wirtschaft von kreditintensiven Immobilien- und Infrastrukturinvestitionen hin zu weniger kreditabhängigen Sektoren wie der Technologiebranche bezeichnet. Dies deutet darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger über gezielte Unterstützungsmaßnahmen hinaus kaum Dringlichkeit für eine kreditgetriebene Reflation sehen. Die Geldpolitik dürfte daher durch Liquiditätsunterstützung akkommodierend bleiben, obwohl weitere Zinssenkungen wahrscheinlich nur eine begrenzte Rolle bei der Stützung des Wachstums spielen würden.
Insgesamt bestätigen die jüngsten Daten die Einschätzung, dass Chinas Wirtschaft weiterhin mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten läuft. Während angesichts des nachlassenden Wachstums zusätzliche politische Unterstützung immer wahrscheinlicher erscheint, konzentrieren sich die politischen Entscheidungsträger weiterhin auf schrittweise Maßnahmen statt auf breit angelegte Konjunkturimpulse. Infolgedessen dürften Exporte, Industrieproduktion und Dienstleistungen weiterhin die Hauptstütze des Wachstums bilden, während die schwache Binnennachfrage und der Immobiliensektor die wichtigsten Hemmnisse für die allgemeinen Konjunkturaussichten bleiben.
Von Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price
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