Aussichten für die China-Politik: Wachstum verlangsamt sich im zweiten Quartal

Chinas Wirtschaft verliert an Schwung: Schwache Binnennachfrage, verhaltenes Kreditwachstum und die anhaltende Immobilienkrise bremsen die Konjunktur. Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price, erwartet daher zusätzliche, aber gezielte fiskalische Stützungsmaßnahmen. T. Rowe Price | 22.07.2026 11:17 Uhr
Chris Kushlis, Chef-Makrostratege für Schwellenländer bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Chris Kushlis, Chef-Makrostratege für Schwellenländer bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

Chinas jüngste Wirtschaftsdaten deuten darauf hin, dass die Konjunktur an Schwung verliert, da die Binnennachfrage weiterhin schwach ist. Zwar haben sich Exporte, Industrieproduktion und Dienstleistungen relativ gut behauptet, doch sind die früheren politischen Stützungsmaßnahmen ausgeklungen, die fiskalischen Ausgaben wurden gedrosselt und der Immobiliensektor belastet die Konjunktur weiterhin. Obwohl das Wachstum im ersten Halbjahr im Großen und Ganzen weiterhin auf Kurs ist, um das Jahresziel der Regierung zu erreichen, spricht das schwächere Tempo im zweiten Quartal zunehmend für zusätzliche politische Stützungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte. Die politischen Entscheidungsträger bevorzugen jedoch weiterhin einen maßvollen und gezielten Ansatz anstelle der breit angelegten, kreditgetriebenen Konjunkturprogramme, wie sie in früheren Konjunkturabschwüngen zu beobachten waren. 

Die Abschwächung des Wachstums spiegelt eine Kombination aus konjunkturellen und strukturellen Faktoren wider. Die Auswirkungen von Altgeräte-Austauschprogrammen lassen allmählich nach, während geringere Staatsausgaben im zweiten Quartal wahrscheinlich zu schwächeren Infrastrukturinvestitionen beigetragen haben. Auch das Kreditwachstum bleibt verhalten, und die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt belastet die Wirtschaft weiterhin, trotz einer gewissen Stabilisierung der Immobilienpreise in Chinas Großstädten. Gleichzeitig kehrte der BIP-Deflator, gestützt durch höhere Erzeugerpreise, in den positiven Bereich zurück.

Es wird erwartet, dass die politischen Reaktionen eher von fiskalischen als von geldpolitischen Maßnahmen geprägt sein werden. Angesichts des nachlassenden Wachstums herrscht Einigkeit darüber, dass die Behörden die fiskalischen Ausgaben erhöhen werden, wahrscheinlich durch eine beschleunigte Auszahlung der bereits im Rahmen des diesjährigen Haushaltsrahmens genehmigten Mittel. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Sitzung des Politbüros Ende Juli, bei der voraussichtlich etwaige Anpassungen des geldpolitischen Kurses bekannt gegeben werden.

Die jüngsten Finanzdaten untermauern die Einschätzung, dass die politischen Entscheidungsträger weiterhin zögern, breit angelegte Kreditimpulse zu setzen. Das Wachstum der gesamten Sozialfinanzierung (TSF) und von M1 deutet auf eine weitere Verlangsamung des Kreditimpulses hin, wobei sich die Abkühlung des Kreditwachstums langfristig fortsetzt und auch die Emission von Staatsanleihen nachlässt. Die Volksbank von China (PBOC) hat das schwächere Kreditwachstum als strukturelle Folge der Verlagerung der Wirtschaft von kreditintensiven Immobilien- und Infrastrukturinvestitionen hin zu weniger kreditabhängigen Sektoren wie der Technologiebranche bezeichnet. Dies deutet darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger über gezielte Unterstützungsmaßnahmen hinaus kaum Dringlichkeit für eine kreditgetriebene Reflation sehen. Die Geldpolitik dürfte daher durch Liquiditätsunterstützung akkommodierend bleiben, obwohl weitere Zinssenkungen wahrscheinlich nur eine begrenzte Rolle bei der Stützung des Wachstums spielen würden.

Insgesamt bestätigen die jüngsten Daten die Einschätzung, dass Chinas Wirtschaft weiterhin mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten läuft. Während angesichts des nachlassenden Wachstums zusätzliche politische Unterstützung immer wahrscheinlicher erscheint, konzentrieren sich die politischen Entscheidungsträger weiterhin auf schrittweise Maßnahmen statt auf breit angelegte Konjunkturimpulse. Infolgedessen dürften Exporte, Industrieproduktion und Dienstleistungen weiterhin die Hauptstütze des Wachstums bilden, während die schwache Binnennachfrage und der Immobiliensektor die wichtigsten Hemmnisse für die allgemeinen Konjunkturaussichten bleiben.

Von Chris Kushlis, Chief EM Macro Strategist bei T. Rowe Price

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.