In einer volatileren Welt können Unternehmen sich nicht mehr allein darauf konzentrieren, den kostengünstigsten Lieferanten zu finden und von einer reibungslosen Lieferung an einen beliebigen Bestimmungsort auszugehen. Zunehmend geht es darum sicherzustellen, dass Produkte, Rohstoffe und Energie zuverlässig verfügbar bleiben, wann und wo sie benötigt werden.
Infolgedessen ist Resilienz vom Randthema zur zentralen Säule der Unternehmensstrategie geworden. Der Aufbau dieser Resilienz erfordert jedoch etwas überraschend Greifbares: mehr Infrastruktur.
Von Effizienz zu Versorgungssicherheit
Über Jahrzehnte hinweg wurden Lieferketten auf Effizienz ausgerichtet: geringe Lagerbestände, schlanke Logistik und Waren, die genau dann eintreffen, wenn sie benötigt werden – „Just in Time“. Jüngste Schocks haben jedoch die Verwundbarkeit dieses Modells offengelegt. Heute lautet die Frage nicht mehr nur, wie effizient Produkte bewegt werden können, sondern ob überhaupt auf sie zugegriffen werden kann.
In diesem Umfeld halten Unternehmen größere Bestände vor, diversifizieren ihre Lieferanten und investieren in Reservekapazitäten. Regierungen bauen strategische Reserven kritischer Rohstoffe aus. In vielen Branchen verlagert sich der Schwerpunkt von maximaler Effizienz hin zu größerer Vorbereitung und einem höheren Stellenwert von Planungssicherheit: von „Just in Time“ zu „Just in Case“.
Speicherung ist nicht länger nur ein unterstützender Vermögenswert
Hier kommen Speicher- und Lageranlagen ins Spiel. Historisch betrachtet galten sie als unspektakuläre Verbindung zwischen Produktion und Verbrauch. Heute verändert sich ihre Rolle. Zunehmend dienen sie als Absicherung gegen Störungen und bieten eine Art Versicherung dafür, dass Waren und Rohstoffe nicht rechtzeitig eintreffen.
In diesem Sinne hat sich die Speicherung von einer betrieblichen Notwendigkeit zu einer wichtigen Quelle der Vorsorge entwickelt. Sie hilft Unternehmen, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, wenn Lieferketten unter Druck geraten. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend auf den Energiemärkten, wo jüngste Entwicklungen die Bedeutung des Zugangs zu Gas- und Kraftstoffreserven in nachfragestarken Regionen hervorgehoben haben, nicht nur die Versorgung selbst. Die Europäische Kommission verpflichtete die Mitgliedstaaten zudem, ihre Gasspeicher auf mindestens 90 % der Kapazität zu füllen, und erklärte, dass Gasspeicherung für die Versorgungssicherheit der EU von entscheidender Bedeutung sei. Doch die Geschichte reicht weit über den Energiesektor hinaus.
Auch Ernährungssicherheit braucht Infrastruktur
Die Veränderungen in der Welt wirken sich ebenso auf die Ernährungssysteme aus. Neben den bereits genannten geopolitischen Spannungen und Zöllen entstehen Risiken für die Versorgung durch den Klimawandel, Wasserknappheit und eine sinkende Bodenqualität. All dies setzt die landwirtschaftliche Produktion in vielen Regionen unter Druck – von den Getreideexporten der Ukraine bis hin zur wasserarmen Landwirtschaft in Kalifornien und zur Kakaoproduktion in Afrika.
Lebensmittel müssen häufig größere Entfernungen zurücklegen, bevor sie Verbraucher erreichen. Gleichzeitig legen Unternehmen und finanzstarke Staaten größeren Wert auf die Sicherung zuverlässiger Lebensmittelversorgung. Daraus ergibt sich ein wachsender Bedarf an physischen Vermögenswerten, die Angebot und Nachfrage verbinden: Lageranlagen, Verkehrsnetze, Güterbahnen, Häfen und Logistikzentren.
Mit anderen Worten: Resilienz bedeutet nicht nur, dass Waren oder Energie Haushalte und Fabriken erreichen. Sie bedeutet auch sicherzustellen, dass Lebensmittel dorthin gelangen, wo sie benötigt werden. Dadurch steigt die strategische Bedeutung der Infrastruktur für Transport, Lagerung und Verteilung erneut.
Eine strukturelle Chance für Infrastrukturinvestoren
Für Infrastrukturinvestoren ist der Wandel von Effizienz zu Resilienz von großer Bedeutung: Er erhöht den Bedarf an physischen Vermögenswerten, die vor Störungen schützen. Unternehmen und Regierungen, die mehr Versorgungssicherheit anstreben, benötigen die Anlagen, die Pufferkapazitäten ermöglichen: Lageranlagen, Tankterminals, Pipelines, Lagerhäuser, Güterbahnen, Häfen, Verkehrsnetze und Logistikzentren. Diese Anlagen verbinden Angebot und Nachfrage, halten lebenswichtige Güter in Bewegung und bieten Reservekapazitäten im Störungsfall.
Wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um eine vorübergehende Reaktion auf eine Phase von Marktstress handelt. Es besteht ein breiter Konsens darüber, dass Störungen auf absehbare Zeit nicht verschwinden werden. Hohe geopolitische Unsicherheit, veränderte globale Handelsmuster, Sorgen um Ressourcensicherheit sowie der Druck auf Nahrungsmittel- und Energiesysteme werden die Entwicklungen in den kommenden Jahren prägen.
Daher dürfte die Rolle physischer Puffer, also kritischer Infrastruktur, langfristig an Bedeutung gewinnen und weniger vom Konjunkturzyklus abhängen. Für Infrastrukturbetreiber schafft dies eine strukturelle Chance, da Anlagen, die früher vor allem als operative Verbindungen innerhalb der Lieferkette betrachtet wurden, zunehmend eine zentrale Rolle dabei spielen, wie Volkswirtschaften sich auf Störungen vorbereiten.
Der Wert von Zuverlässigkeit
In einer Welt, in der Zuverlässigkeit immer wertvoller wird, entwickelt sich resilienzfördernde Infrastruktur von einer unterstützenden Funktion zu einer strategisch wichtigen Position. Nicht jeder Vermögenswert wird gleichermaßen profitieren, und Selektivität bleibt entscheidend. Das übergeordnete Thema ist jedoch klar: In einer weniger vorhersehbaren Welt stehen physische Vermögenswerte, die essenzielle Ressourcen lagern, transportieren und absichern, im Zentrum einer langfristigen strukturellen Investmentchance.
Ausgewählte Stresssignale, die darauf hindeuten, dass physische Puffer an Wert gewinnen
Wenn Lieferketten weniger vorhersehbar werden, gewinnen Lagerkapazitäten, Logistikzentren und alternative Transportkapazitäten strategisch an Bedeutung.

Ausgewählte Indikatoren; die dargestellten Werte dienen der Veranschaulichung und sind nicht direkt vergleichbar.
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1 Quelle: European Commission (2025), Gas Storage.
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