Emerging-Markets schlugen entwickelte Aktienmärkte deutlich
In Euro gerechnet legte der globale Schwellenländer-Aktienindex um rund 18% zu. Die entwickelten Aktienmärkte hingegen brachten rund 10% weniger Ertrag (ebenfalls in Euro). Bemerkenswert war die Widerstandsfähigkeit der Schwellenländer-Aktienmärkte gegenüber geopolitischen Einflüssen und verschärften internationale Spannungen. Die Sektoren Technologie und Rohstoffe führten die Gewinner-Ranglisten in den Schwellenländern an. Die Schwankungsbreite der Aktienkurse war allerdings hoch, vor allem bedingt durch die sprunghaften Entscheidungen und Äußerungen der US-Administration zum Thema Handels- und Zollpolitik. Neue US-Importzölle führten beispielsweise zur Neuordnung vieler globaler Lieferketten, weg von China hin zu ASEAN-Ländern. Konflikte, wie der Russland-Ukraine-Krieg und Israels Angriff auf den Iran, erhöhten zeitweilig die Energiepreise und schürten Unsicherheit.
Hohe Widerstandskraft der Schwellenländer
Doch die Schwellenländer zeigten sich diesbezüglich widerstandsfähig, mit relativ starken Exporten und robuster Inlandsnachfrage. Die aggressive Zollpolitik der USA dämpfte zwar das Wachstum in exportabhängigen Sektoren, förderte aber im Gegenzug Inlandskonsum und technologische Innovationen und Investitionen (Stichwort: strategische Unabhängigkeit).
China gelang es, trotz zeitweilig extremer Zollanhebungen der USA, einen neuen Exportrekord aufzustellen – eine bemerkenswerte Leistung! Offenbar schaffte es Peking, Exporte sehr schnell in andere Märkte umzuleiten und auch einen der Teil der US-Exporte durch das „Zwischenschalten“ von Drittländern aufrechtzuerhalten. Chinas Aktienmärkte legten kräftig zu, auch wenn es zum Jahresende hin zu einer Konsolidierung kam. Die Immobilienkrise und eine – auch dadurch bedingte – zu schwache Binnennachfrage bremsen weiterhin die Konjunktur und erschweren den Übergang von einem exportgetriebenen zu einem binnenwirtschaftlich getriebenen Wachstumsmodell.
Lateinamerika, Osteuropa und Südostasien Top, Indien Flop
Noch sehr viel stärker als China schnitt 2025 jedoch Lateinamerika ab. Die zentral- und osteuropäischen Aktienmärkte sowie Taiwan lagen nur wenig dahinter und einzelne Märkte (Griechenland, Slowenien, Rumänien) waren sogar erheblich stärker. Einer der Top-Performer war jedoch Korea mit über 70% Wertzuwachs. Korea und Taiwan profitierten dabei sehr stark vom Thema künstliche Intelligenz und förmlich explodierenden Gewinnen und Aktienkursen dort ansässigen Halbleiterunternehmen. Großer Nachzügler im Bereich der wichtigsten Schwellenländer war Indien, der Liebling internationaler Investor:innen des vergangenen Jahrzehnts. Erstmals seit längerem gab es hier stärkere Kapitalabflüsse seitens ausländischer Anleger:innen, vermutlich auch infolge von Umschichtungen in Richtung Südostasien (Korea, Taiwan).
Gutes Jahr für EM-Anleihen
Schwellenländer-Anleihen in Hartwährung waren 2025 das stärkste Segment auf den globalen Anleihemärkten. Sie lieferten, in Euro, rund 8–9% Ertrag, getrieben von fallenden Risikoaufschlägen und sinkenden US-Zinsen. Lokalwährungsanleihen erzielten zwar sogar noch höhere Erträge in ihren jeweiligen Währungen. Da letztere aber deutlich gegenüber dem Euro abwerteten, verblieb meist nur ein geringes bis mittleres einstelliges Plus für Euro-basierte Investor:innen.
Wie könnte es 2026 weitergehen?
Nach dem starken Jahr 2025 erwarten die meisten Analysten und Research-Häuser für 2026
eine Fortsetzung der Kursanstiege auf den Schwellenländer-Aktienmärkten,
allerdings mit geringerer Dynamik und nicht mehr so breit gefächert.
Das Wachstumspotenzial der Emerging Markets bleibt attraktiv und ihre Wirtschaftsleistung dürfte erneut deutlich stärker zulegen als jene in den Industrienationen (ca. 4% versus 1,5%).
Auf die Schwellenländer würden damit rund zwei Drittel des globalen Wirtschaftswachstums entfallen.
Spitzenreiter wird erneut Indien sein (6–7%) ,
gefolgt von Südostasien und China (4–5%),
dahinter Ost- und Zentraleuropa (2,5–3,5%) und
danach Lateinamerika.
Emerging-Markets-Aktien bleiben aussichtsreich
Die Aktienmärkte in den Schwellenländern sind zumeist weiterhin günstig bewertet, vor allem im Vergleich zu den entwickelten Aktienmärkten und speziell zu den USA. Rückenwind könnten ein weiter (leicht) rückläufiger US-Dollar sowie fallende US-Zinsen bieten. Das würde den Zentralbanken in den Emerging Markets weiteren Zinssenkungsspielraum eröffnen und verbesserte Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen bedeuten. Gegenwind droht von den höheren US-Zöllen. Hier wurde manches ja nur aufgeschoben und zum Teil werden sich die bereits verhängten Zölle auch erst in den kommenden Quartalen voll auswirken. Geopolitische Risiken bleiben bestehen oder steigen sogar weiter (Venezuela, Iran, Ukraine, Taiwan).
Südostasien weiter „in“, Indien in Lauerstellung
Unser Fondsmanagement sieht noch immer gute Ertragschancen in Korea und Taiwan, weil der Rückenwind für die Computerchiphersteller vorerst anhalten wird. In China bieten viele Technologieunternehmen gute Chancen, speziell rund ums Thema künstliche Intelligenz.
Weiterhin eher vorsichtig betrachtet das Fondsmanagement hingegen viele chinesische „old economy“-Aktien, solange die Binnenkonjunktur nicht stärker an Dynamik gewinnt. Doch auch indische Aktien scheinen langfristig weiterhin attraktiv.
Sollte sich der aktuelle Hype um künstliche Intelligenz etwas legen, dürften die Kapitalflüsse nach Südostasien nachlassen und dann wäre Indien vermutlich wieder eines der begehrtesten Investmentziele internationaler Investor:innen. Brasilien könnte durch die anstehenden Präsidentschaftswahlen noch stärker in den Fokus der Investor:innen rücken und erscheint trotz der jüngsten Kursanstiege ebenfalls weiterhin aussichtsreich.
Wird 2026 das Jahr der EM-Lokalwährungsanleihen?
Bei Emerging-Markets-Anleihen bieten Hartwährungsanleihen weiterhin ein recht interessantes Risiko-Ertrags-Profil, allerdings ein weniger gutes als noch vor einem Jahr. Der Polster an Renditeaufschlägen zu US-Staatsanleihen ist inzwischen substanziell geringer. Weitere Zinssenkungen in den USA bieten jedoch vorerst noch Rückenwind. Fundamental scheinen die Anleihen meist auch gut abgesichert – die Ausfallsrisiken werden als so niedrig eingeschätzt wie lange nicht.
Attraktiver erscheinen jedoch EM-Lokalwährungsanleihen , besonders bei einem weiterhin schwächeren US-Dollar. Hohe Realzinsen in Ländern wie Brasilien und Indien bieten attraktive Ertragspotenziale. Risiken erwachsen unter anderem von einer neuerlichen starken Aufwertung des Euro gegenüber diesen Währungen. Eine solche Entwicklung sieht das Fondsmanagement aktuell aber nicht als das wahrscheinlichste Szenario an.
Fazit: 2026 wird es aller Wahrscheinlichkeit nach, keine Wiederholung von 2025 geben. Mit einer breiten, ausgewogenen Positionierung sollte sich aber von der strukturellen Stärke der Schwellenländer (Wachstum, Demografie, Technologie) profitieren lassen. Gleichzeitig lohnt es sich vermutlich, Länder und Branchen aktiv zu gewichten und im Jahresverlauf flexibel zu agieren, auch mit Blick auf mögliche geopolitische Entwicklungen und etwaige Favoritenwechsel bei Branchen und Investmentthemen.
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