Zwei Themen dominierten das Marktbild:
- die geopolitischen Spannungen rund um den Iran und die Straße von Hormus sowie
- die starke Nachfrage nach Halbleitern, Speicherchips und Rechenleistung für künstliche Intelligenz (KI).
Für Anleger:innen bedeutet das: Schwellenländer sind derzeit kein einheitlicher Block, sondern ein Marktsegment mit sehr unterschiedlichen Gewinnern und Verlierern.
KI-Boom treibt Aktienkurse
Bei Aktien war vor allem der Technologiesektor der wichtigste Kurstreiber. Nach Rücksetzern infolge der geopolitischen Eskalation erholten sich viele Märkte zunächst rasch wieder.
Indien hielt sich dank robuster Binnennachfrage vergleichsweise gut, während andere Märkte – etwa Brasilien oder Indonesien – zeitweise unter Währungsschwankungen, politischem Gegenwind oder schwächerem Anlegerinteresse litten.
Besonders stark entwickelten sich jedoch Taiwan und Südkorea, weil dort zentrale Unternehmen der globalen Halbleiter- und Speicherchip-Industrie beheimatet sind.
Der Investitionsboom rund um Halbleiter, Datenzentren und Hardware für KI stützt deren Gewinne und zieht internationales Kapital an. Nicht zuletzt deshalb schnitten Schwellenländer-Aktien im zweiten Quartal teilweise deutlich besser ab als viele entwickelte Aktienmärkte.
Diese Entwicklung hat aber eine Kehrseite: Die Rallye ist sehr konzentriert. Ein großer Teil der Indexgewinne entfällt auf wenige asiatische Technologiewerte wie TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix. Dadurch können Schwellenländer-Indizes auf den ersten Blick stärker wirken, als es die breite Marktverfassung tatsächlich ist. Viele Länder und Branchen nahmen bislang nur begrenzt an der Aufwärtsbewegung teil.

Die jüngsten Rückschläge in Korea und bei anderen zuvor stark gestiegenen Halbleitertiteln zeigen zudem, wie stark solche Indexschwergewichte auch in die Gegenrichtung wirken können, wenn Anleger:innen Gewinne mitnehmen oder Bewertungen neu einschätzen. Das spricht nicht unbedingt gegen den langfristigen KI-Trend, macht aber deutlich, dass die Erwartungen an diese Unternehmen inzwischen sehr hoch sind.
Schwellenländer-Anleihen: Zinserträge geben Halt
An den Schwellenländer-Anleihemärkten war mehr Vorsicht zu spüren, zumal steigende Renditen bei US-Staatsanleihen auch hier negative Spuren hinterließen. Der Iran-Konflikt und die zeitweise massiv eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus führten zunächst zu höheren Risikoaufschlägen, steigenden Renditen und fallenden Kursen, vor allem bei Ländern, die stark von Energieimporten abhängig sind. Später sorgten Hoffnungen auf Deeskalation und eine teilweise Normalisierung der Transportwege wieder für Entspannung.
Fokus CEE: konstruktives Bild mit regionalen Unterschieden
Die CEE-Region (Zentral- und Osteuropa) profitiert grundsätzlich von der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit Westeuropa, von EU-Fördermitteln (wenn auch je nach Land in unterschiedlichem Ausmaß) und von ihrer Rolle als möglicher Nearshoring-Standort für europäische Unternehmen. Auch die Aktienmärkte spiegeln dieses differenzierte Bild wider:
- Polen und besonders Ungarn liegen seit Jahresbeginn in Lokalwährung klar im Plus, während der Aktienindex in Prag gegenüber dem Jahreswechsel kaum verändert notiert. Speziell Polen bleibt ein wichtiger Wachstumsmotor: Robuster Konsum, hohe Investitionen in Infrastruktur und Rüstung sowie umfangreiche EU-Fördermittel stützen die Konjunktur. Zugleich kämpft das Land mit hohen Budgetdefiziten, und die näher rückende Parlamentswahl erhöht die politische Unsicherheit. Trotz solider Wirtschaftsdaten bleibt die politische Stimmung im Land seit dem Regierungswechsel gespalten.
- Tschechien und Teile Südosteuropas zeigen ebenfalls solide Fundamentaldaten, während Ungarn, Rumänien und die Slowakei stärker mit fiskalischem Anpassungsdruck, politischer Unsicherheit oder schwächerer Industrieentwicklung ringen. In Ungarn mehren sich jedoch die Hinweise auf eine konjunkturelle Trendwende nach oben; die Verfügbarkeit von EU-Mitteln bleibt dabei ebenso wichtig wie der weitere Umgang mit dem hohen Haushaltsdefizit.
CEE-Anleihen: Rückenwind mit Vorbehalten
Auch bei CEE-Anleihen ist Differenzierung entscheidend: Eurobonds solider Emittenten profitieren von der Nähe zur EU (Europäischen Union), vergleichsweise stabilen Fundamentaldaten und einer meist guten Einbindung in internationale Kapitalmärkte. Lokalwährungsanleihen sind vor allem dort interessant, wo hohe Realzinsen und eine glaubwürdige Zentralbankpolitik die Währungen stützen. Nachlassende Inflation und stabilere Energiepreise könnten den Notenbanken der Region mehr Spielraum für Lockerungen geben. Eine neue, massive Eskalation des Konflikts im Mittleren Osten würde dieses Szenario allerdings infrage stellen. Zudem hängen die exportorientierten Volkswirtschaften der Region stark von der Nachfrage aus Deutschland und der Eurozone ab.
Der Ukrainekrieg bleibt ein zentrales Risiko; bei einer Beilegung des Konflikts könnten CEE-Länder jedoch von ihrer geografischen Nähe, Infrastrukturinvestitionen und einem späteren Wiederaufbau profitieren. Vorteile dürften langfristig vor allem jene Länder in der Region haben, die mit robuster Binnenkonjunktur und glaubwürdiger Geldpolitik aufwarten sowie politische Stabilität, Reformfähigkeit und einen soliden Umgang mit öffentlichen Finanzen aufweisen.
Emerging Markets: Neue Gewinner und Verlierer durch Rohstoffe und Lieferketten
Über die CEE-Region hinaus bleiben strukturelle Trends wichtig.
- In Südamerika profitieren Chile und Argentinien langfristig von der Nachfrage nach Lithium, während Brasilien vor allem durch seine breite Rohstoffbasis sowie seine Bedeutung bei Agrar- und Industriemetallen unterstützt wird. Kupfer, Nickel und Lithium bleiben zentrale Rohstoffe für Elektrifizierung, Batterien und erneuerbare Energien.
- Indonesien versucht, seine starke Position bei Nickel durch den Ausbau lokaler Verarbeitung weiter zu stärken.
- Gleichzeitig gewinnen Mexiko und Vietnam durch die Neuordnung globaler Lieferketten an Bedeutung: Unternehmen verlagern Teile ihrer Produktion näher an wichtige Absatzmärkte oder ergänzen bestehende China-Standorte durch alternative Standorte.
- China selbst bleibt trotz anhaltend schwacher Immobilienmärkte ein wichtiger Faktor, weil Exporte, gezielte staatliche Stützungsmaßnahmen und die technologische Aufrüstung der Industrie weiterhin Impulse für Chinas Wirtschaft und auch für viele andere Schwellenländer liefern.
Chancen nutzen, aber Risiken im Blick behalten
Schwellenländer-Aktien bieten damit weiterhin Ertragschancen durch technologisches Wachstum, steigende Binnennachfrage und die Neuordnung von Lieferketten. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von wenigen großen Technologiewerten ein zunehmendes Risiko. Die jüngsten Kurskorrekturen bei koreanischen Chipwerten zeigen, dass auch starke langfristige Trends nicht vor zwischenzeitlichen Rückschlägen schützen, wenn Erwartungen sehr hoch sind oder Investoren Gewinne mitnehmen. Für EM-Anleihen sprechen solide laufende Erträge und verbesserte Fundamentaldaten vieler Länder; doch geopolitische Risiken, Energiepreise und Währungsschwankungen bleiben wichtige Belastungsfaktoren. Für Euro-Anleger:innen spielt zudem die Entwicklung des US-Dollars eine wichtige Rolle, da sie die Wertentwicklung internationaler Schwellenländeranlagen spürbar beeinflussen kann.
Fazit
Die Schwellenländer haben zuletzt bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt, doch die Unterschiede zwischen Regionen, Branchen und Anlageklassen sind groß. Taiwan und Südkorea profitieren weiterhin vom KI-Boom, mussten zuletzt aber auch spürbare Rückschläge bei hoch bewerteten Chipwerten verkraften. Einige Rohstoffexporteure profitieren von der Energiewende, ausgewählte Märkte von der Neuordnung globaler Lieferketten. Gleichzeitig bleiben geopolitische Spannungen, Währungsbewegungen und die hohe Konzentration in einzelnen Indexschwergewichten zentrale Risiken. Eine breite Streuung mit bewusster Auswahl einzelner Länder, Branchen und Unternehmen bleibt
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