Der rechtskonservative Kandidat Abelardo de la Espriella hat sich bei der Stichwahl gegen den linken Ivan Cepeda durchgesetzt (50,5 % zu 49,5 %). Der hauchdünne Vorsprung kann zwar noch für Aufsehen sorgen und Spekulationen über mögliche Unregelmäßigkeiten auslösen, eine Umkehr des Ergebnisses bei möglicher Neuauszählung ist jedoch höchst unwahrscheinlich. Allerdings ist das unerwartet knappe Ergebnis ein Zeichen der Stärke der Opposition, und damit ein Signal für die Notwendigkeit eines breiteren Konsensus zur Regierungsfähigkeit.
Märkte und Investoren hatten diesen Wahlausgang zunehmend eingepreist, die Bestätigung dürfte sich aber dennoch positiv auf kolumbianische Vermögenswerte und den kolumbianischen Peso auswirken: Der kolumbianische Peso könnte sowohl zum US-Dollar als auch zum EUR weiter steigen und lokale Anleihen in Peso könnten zusätzliche Kursgewinne verzeichnen.
Eine Regierung unter De la Espriella bietet die Chance, das Investitionsklima durch die Reduzierung institutioneller Unsicherheiten und die Erhöhung von Vorhersehbarkeit und regulatorischer Sicherheit zu verbessern. Sie sollte sich zudem auf Haushaltsdisziplin und Maßnahmen zur Anwerbung ausländischer Direktinvestitionen konzentrieren. Insgesamt blickt der Markt optimistisch auf eine Regierung unter De la Espriella, seine Kabinettszusammensetzung wird dennoch wichtig sein, um wirtschaftliche Reformen voranzutreiben. Eine Trendwende bei den Ratings wird allerdings klare, nachhaltige Änderungen der Budgetpolitik erfordern.
Unter seiner Regierung wird sich das Verhältnis zur Europäischen Union voraussichtlich pragmatischer ausrichten. Da er wirtschaftsliberal ausgerichtet ist, bleibt der Handel im Fokus, jedoch könnten seine harte Sicherheitspolitik und seine Nähe zu Donald Trump zu diplomatischen Spannungen führen.
Von Judith Haßlbäck, Fondsmanagerin im Team "Bonds, Emerging Markets" bei Raiffeisen Capital Management
Weitere beliebte Meldungen: