Iran-Krieg sorgt für Stimmungsumschwung bei Schwellenländern
Die zurückliegenden Monate waren für die Finanzmärkte der Schwellenländer von einem abrupten Stimmungswechsel geprägt. Standen zunächst überwiegend positive Nachrichten bei Konjunkturentwicklung, Geldpolitik und Unternehmensgewinnen im Vordergrund, so ist seit Ende Februar der Krieg der USA und Israels gegen den Iran das beherrschende Thema.
Der Jahresbeginn war noch von einer klar besseren Wertentwicklung der Schwellenländer-Aktien gegenüber den entwickelten Aktienmärkten gekennzeichnet. Doch diese gaben einen Teil dieser Outperformance im März wieder ab. Besonders der massive Anstieg der Preise für Rohöl und Raffinerieprodukte belastet speziell die energieimportierenden Länder in Süd- und Südostasien, während sich Rohstoffproduzenten wie Brasilien vergleichsweise gut behaupteten. Im April zeigten sich die Schwellenländer-Aktienmärkte aber bereits wieder sehr stark und stellten ihren Performancevorsprung vor den entwickelten Märkten wieder her.

Finanzmärkte bislang sehr widerstandsfähig
Insgesamt betrachtet, haben sich aber sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte in den Industrienationen und in den Schwellenländern bislang erstaunlich widerstandsfähig gezeigt. Angesichts des größten Energieschocks seit den 1970ern und einer bereits seit rund sechs Wochen anhaltenden Blockade der Handelsströme durch die Straße von Hormus hätte man weitaus stärkere Kursverluste erwarten können.
Dass diese bislang ausgeblieben sind, liegt an mehreren Faktoren:
Zum einen profitieren etliche Schwellenländer als Energieexporteure von den höheren Ölpreisen.
Zum anderen gibt es zumindest bislang noch erhebliche Reserven zum Abfedern der aktuellen Lieferengpässe.
Vor Beginn des Iran-Krieges war zudem ein Überangebot am Ölmarkt zu verzeichnen.
Unternehmen, die im Bereich Halbleiter und/oder künstliche Intelligenz tätig sind, profitieren unterdessen von massiven Umsatz- und Gewinnsteigerungen und werden als (noch) relativ wenig betroffen von den Entwicklungen in der Golfregion angesehen. Diese Unternehmen sind inzwischen oft Börsenschwergewichte in etlichen Schwellenländerindizes (z. B. Korea, Taiwan).
Die meisten Schwellenländer sind zudem weniger als früher vom US-Dollar abhängig. Die Erwartung, dass die USA ihre Zinspolitik früher oder später lockern werden – trotz oder sogar wegen des Iran-Krieges – führt zudem dazu, dass viele Investor:innen bereits jetzt auf eine Erholung der Emerging Markets als Folge sinkender US-Zinsen und eines schwächeren Dollars setzen.
Von Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management
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