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"Zentralbanken können Inversion der Zinskurve korrigieren"

„Renditekurven von Anleihen sind eigentlich etwas für „Nerds“, schreibt Matt Eagan, Manager des “Loomis Sayles Bond Fund” und Mitglied des Vorstands der amerikanischen Fondsgesellschaft „Loomis, Sayles & Company“ (einer Tochter von Natixis Investment Managers), in seinem aktuellen Blog. Das habe sich jedoch dramatisch geändert, seit die Rendite der 10jährigen US-Anleihe unter jene der 2jährigen gefallen sei. Die Inversion der Zinskurve tauge plötzlich zum Partygespräch. Und weil auch die Rendite der 30-jährigen Anleihe ein Allzeittief erreicht habe, werde ein düsteres Bild vom zukünftigen US-Wachstum und den Inflationserwartungen gezeichnet. Natixis Investment Managers | 19.08.2019 10:17 Uhr
© Pixabay
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Matt Eagan: „Wir sollten den Blick allerdings nicht auf die USA verengen. Wir leben in einer vernetzten Weltwirtschaft, und die USA treiben diesen Wirtschaftszyklus nicht voran. Auf globaler Ebene nehme ich vier Lektionen aus dem US-Treasury-Markt der letzten Woche mit:

1. Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich deutlich eingetrübt. Ein unerbittlicher Strom schwacher Wirtschaftsdaten und eskalierende Spannungen zwischen den USA und China haben die Hoffnung zunichte gemacht, dass die Verlangsamung der Produktion nur von kurzer Dauer sein wird. Die Unruhen in Hongkong könnten auch zu einer ernsthaften destabilisierenden Kraft werden. Der Markt ist besorgt über geopolitische Spannungen, weit verbreiteten Protektionismus und wie sich ein Zusammenbruch des Welthandels durch die einzelnen Volkswirtschaften auswirkt.

2. Die Flut der negativ verzinslichen Schulden in der Welt lässt Investoren nach jedwedem positiven Ertrag streben. Mittlerweile handeln 45% der globalen Investment-Grade-Schulden außerhalb der USA im negativen Bereich. Je größer das Volumen der negativ rentierenden Anleihen (aktuell etwa 16,7 Billionen US-Dollar), desto unersättlicher ist der Risikoappetit. Bedenken Sie, dass 10-jährige Staatsanleihen in Italien (worunter sich wohl niemand einen grundsoliden Schuldner vorstellt) weniger als 10-jährige US-Treasuries bringen. Es gibt sogar europäische Junk-Bonds mit negativen Renditen. Im Vergleich zum Rest der Welt sind die USA immer noch ein Hochertragsland und ein relativ stabiler Schuldner. Es ist diese doppelte Value Proposition, die die Investoren in der letzten Woche gekauft haben.

3. Die Geldpolitik kann nicht zaubern. Wichtige Komponenten der Weltwirtschaft können einfach nicht wachsen. Europa hat den Weg Japans eingeschlagen. Beide leiden aufgrund der anämischen oder negativen demografischen Entwicklung und der schlechten Produktivität unter einem außergewöhnlich niedrigen Potenzialwachstum. Beide sind im Wesentlichen an die Grenzen der Geldpolitik gestoßen, zumindest in ihrer jetzigen Form. Noch mehr quantitative Lockerung und Zinssenkungen werden nicht die Antwort auf stagnierendes Wachstum sein. Das wahrscheinlichste Ergebnis für diese Regionen heißt eher „more of the same“: langsames Wachstum und sehr niedrige Zinssätze. Europa braucht wirklich aktive Fiskalpolitik. Deutschland erwärmt sich vielleicht für die Idee steigender Staatsausgaben, aber ich würde nicht darauf wetten.

4. Die Fed-Politik ist angesichts der sich verschlechternden weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wahrscheinlich zu restriktiv. Ich denke, dass Investoren, die sich auf eine US-Rezession konzentrieren, das Gesamtbild verpassen. Um sich in diesem Markt zu positionieren, ist eine globale Perspektive und nicht eine US-zentrierte Sichtweise entscheidend. Von einem globalen Standpunkt aus gesehen, denke ich, dass es fair ist zu sagen, dass sich der Zyklus in der Abschwungphase befindet. Die Frage ist, ob es von hier aus schlimmer wird. Die US-Wirtschaft mag sich dank ihrer soliden Konsumbasis besser behaupten als der Rest der Welt, aber die Fäulnis aus China und Deutschland ist es, was die Märkte meiner Meinung nach antreiben wird. Risikoaktiva in den USA, wie Aktien und spekulative Schuldtitel, sind anfällig für eine Ansteckung aus dem Ausland, selbst wenn die US-Wirtschaft weiterhin intakt ist. In den frühen Phasen des Abschwungs lohnt es sich in der Regel, die Duration beizubehalten und höherwertige Risikoaktiva zu bevorzugen. Ich würde auf einen größeren Ausverkauf warten, um das Risiko zu erhöhen.

Ich bin auch auf mögliche politische Reaktionen eingestellt. Die Zentralbanken werden wahrscheinlich nicht zögern, angesichts der Erfahrungen aus der großen Finanzkrise weitere Impulse zu setzen. Die Mittel der EZB und der BOJ mögen erschöpft sein, aber China und die USA haben noch Munition. Wenn sich die Dinge verschlimmern, wäre ich nicht überrascht, wenn die Fed einen überraschenden Schnitt von beispielsweise 50 Basispunkten zwischen ihren Sitzungen vornimmt und eine taubenhafte Haltung einnimmt. Ein solcher Zug könnte die Umkehrung der Zinskurve korrigieren und die Geister wieder in Schwung bringen. Es wäre hilfreich, wenn auch China mehr Impulse geben würde, was angesichts der zuletzt schlechten Daten wahrscheinlich ist.“

Matt Eagan, Manager Loomis Sayles Bond Fund, Loomis, Sayles & Company 

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