Der Goldpreis im Spannungsfeld zwischen Staatsverschuldung, Zentralbankreserven und Realzinsen

Der Goldpreis ist im März trotz geopolitischer Unsicherheit deutlich gefallen. Doch zentrale Faktoren wie steigende Staatsverschuldung, Zentralbankkäufe und die US-Geldpolitik bleiben relevant. Warum Gold als Diversifikationsinstrument weiter im Fokus steht. Natixis Investment Managers | 06.05.2026 10:51 Uhr
Pierre Pincemaille, Portfoliomanager, DNCA Investments / © e-fundresearch.com / DNCA Invest
Pierre Pincemaille, Portfoliomanager, DNCA Investments / © e-fundresearch.com / DNCA Invest

Der Konflikt im Nahen Osten hat einen unerwarteten Kollateralschaden verursacht: den Fall des Goldpreises. Während große geopolitische Ereignisse in der Vergangenheit den Kurs des gelben Metalls systematisch begünstigt haben, ist dieser unter dem kombinierten Einfluss von zunehmender Unsicherheit und Risikoaversion im März um 12 % gefallen – die schlechteste Monatsperformance seit 2008. Kommentatoren haben zur Rechtfertigung dieser Korrektur vor allem die berühmt-berüchtigten Liquiditätsbedingungen angeführt (Gewinnmitnahmen, vermehrte Margin Calls…). Doch wie sieht es mit den Fundamentaldaten aus, die den Wert des Edelmetalls maßgeblich bestimmen?

Auch wenn die Straße von Hormus seit mehreren Wochen die Schlagzeilen beherrscht – es ist nach wie vor die Staatsverschuldung, die einer der bestimmenden Faktoren für den Goldpreis ist. Und der Trend bei den Staatshaushalten scheint sich nicht umzukehren, wenn man dem jüngsten Bericht des IWF Glauben schenkt. In ihrem jüngst veröffentlichten ‚Fiskalmonitor‘ läutet die internationale Institution die Alarmglocke angesichts zunehmend prekärer Staatsfinanzen in den Vereinigten Staaten, aber auch in China und Europa. Sollte nicht gegengesteuert werden, so droht laut dem Leiter der IWF-Abteilung für Haushaltsfragen die weltweite öffentliche Verschuldung bis 2029 auf 100 % der Wirtschaftsleistung zu steigen (gegenüber 94 % im Jahr 2025), was dem Niveau direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entspräche! Mit diesem Befund gerät der Ruf der Staatsanleihe als risikofreier Kapitalanlage nun noch stärker ins Wanken.

Über dieses starke, aber diffuse Phänomen hinaus haben die Zentralbanken den Aufwertungstrend der Anlageklasse Gold seit dem Einfrieren der Dollar-Guthaben der russischen Zentralbank im Jahr 2020 noch beschleunigt. Als Folge haben die geldpolitischen Institutionen der sogenannten Schwellenländer Kaufprogramme aufgenommen, um ihre Reserven zu diversifizieren, wobei deren Goldanteil weiterhin deutlich unter jenem in den Reserven der Industrieländer liegt.1 Ein Paradigma, das mit dem jüngsten Vorgehen der türkischen Zentralbank jedoch infrage gestellt wurde.

Diese hat im März einen Teil ihrer Bestände (52 von 820 Tonnen) mobilisiert, um ihre Landeswährung vor übermäßiger Volatilität zu schützen, was Befürchtungen hinsichtlich eines ähnlichen Verhaltens seitens der Institutionen der Golfstaaten hervorgerufen hat. Die Besonderheiten des türkischen Währungssystems lassen jedoch keinen direkten Vergleich zu: Der Anteil von Gold an den Reserven der Zentralbanken der Golfstaaten liegt deutlich unter den 60 % der Türkei (zwischen 4 % und 30 %). Zudem sind die Währungen dieser Länder an den Dollar gekoppelt, sodass eher ein Rückgriff auf die Ausgabe von Staatsanleihen infrage kommt. Nicht zuletzt hat die türkische Bankenaufsichtsbehörde 2011 einen spezifischen Mechanismus2 eingeführt, bei dem ein Teil der von der Zentralbank gehaltenen Goldbestände als das Eigentum der Geschäftsbanken gilt, die sie für ihre Liquiditätssteuerung verwenden.

Im Gegensatz dazu hat China, das 2025 neben Polen und Kasachstan zu den wichtigsten institutionellen Käufern gehörte, in diesem Jahr seinen Kurs nicht geändert: Die nationale Zentralbank kaufte im März etwa 5 Tonnen Gold (das entspricht 160.000 Unzen). Und abgesehen von dieser opportunistischen Maßnahme wiesen Analysten der UBS nach ihrer Rückkehr von einer Reise ins Reich der Mitte darauf hin, dass nur die Hälfte der Versicherungsgesellschaften, die am nationalen Pilotprojekt3 teilgenommen haben, tatsächlich in dieser Anlageklasse aktiv ist, was auf ein beträchtliches Kaufpotenzial hindeutet.

Bleibt jedoch die Frage nach der künftigen US-Geldpolitik – und zwar aufgrund der historischen Korrelation zwischen den Realzinsen und dem Goldkurs. Noch lässt sich schwer abschätzen, inwieweit der Irankonflikt die Wirtschaft ausbremst. Hinzu kommt der Wechsel an der Spitze der Zentralbank: Kevin Warsh dürfte sein Amt am 15. Mai antreten, nachdem er am 21. April die Anhörung vor dem Senat absolviert hat. Bei dieser räumte der künftige Fed-Chef unverblümt ein, einen ‚Systemwechsel‘ innerhalb der geldpolitischen Institution zu beabsichtigen, wobei er nacheinander die Vorgehensweise bei der Konjunkturanalyse, den wirtschaftlichen Projektionen und der geldpolitischen Kommunikation kritisierte. Bis mehr Klarheit über die kommenden Veränderungen herrscht, scheint der Status quo das wahrscheinlichste Szenario, auf das derzeit denn auch die meisten Anleger für das Gesamtjahr setzen.

Wie so oft nach einer derartigen Korrektur kann die Long-Position auf Gold keinen breiten Konsens mehr auf sich vereinen. Dies ergibt sich zumindest aus der jüngsten Erhebung der Bank of America, in der das Gold von Halbleitern und Erdöl überrundet wurde. Nimmt man noch die Sorgen über die Wachstums- und Inflationssituation sowie die beschleunigte geopolitische Fragmentierung unter der Präsidentschaft von Donald Trump hinzu, so dürfte das aktuelle Umfeld den Anlegern ein Anlass sein, sich auf die finanziellen Merkmale von Gold als einem Diversifizierungsinstrument in ihren Allokationen zu besinnen – zumal mit dem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Peking (14. Mai), der Fed-Sitzung (17. Juni) und dem NATO-Gipfel (7. Juli) eine Reihe wichtiger Termine bevorstehen.

Von Pierre Pincemaille, DNCA Investments, Teil von Natixis Investment Managers

Weitere beliebte Meldungen:

1 11 % der Reserven gegenüber 33 % in den Industrieländern

2  Reserve Option Mechanism

3 Anlage von 1 % ihres verwalteten Vermögens in Gold

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.