Selektivität bleibt unerlässlich: Ostrum AM über Wachstum, KI-Dynamik und Risiken 2026

Das französische Investmenthaus Ostrum Asset Management erwartet für 2026 ein Marktumfeld, das weiterhin von geopolitischen Verschiebungen, strukturellem Wandel und der Dominanz des Technologiesektors geprägt ist. Während KI das Wachstum in den USA maßgeblich stützen dürfte, gewinnt die Erholung in der Eurozone dank deutscher Fiskalimpulse an Fahrt. Natixis Investment Managers | 04.12.2025 12:50 Uhr
Gaelle Mallejac, CIO des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management / © e-fundresearch.com / Ostrum Asset Management
Gaelle Mallejac, CIO des französischen Investmenthauses Ostrum Asset Management / © e-fundresearch.com / Ostrum Asset Management

Das Verschwinden der traditionellen Bezugspunkte im Wirtschafts- und Finanzsystem wird nach Ansicht von Gaelle Malléjac, CIO von Ostrum Asset Management, das Investmentumfeld auch im Jahr 2026 weiter prägen. Im Outlook des französischen Investmenthauses, einer Tochter von Natixis IM, schreibt sie: „Die Rückkehr der wirtschaftlichen und politischen Nationalismen wird die Logik der koordinierten Globalisierung verdrängen und die wirtschaftlichen Spielregeln auf den Kopf stellt. In diesem Umfeld wird das Wachstum 2026 weiterhin heterogen sein, angetrieben durch KI in den Vereinigten Staaten, unterstützt durch die deutsche Fiskalpolitik in Europa und beeinflusst durch den Strukturwandel in China. Vor Hintergrund der Dominanz oder sogar den Exzessen des Technologiesektors bleibt Selektivität unerlässlich. Chancen ergeben sich aus den relativ stabilen Zinsen in Europa, weiterhin attraktiven Renditen von Unternehmensanleihen und dem Potenzial für eine Erholung der Unternehmensgewinne in Europa. Angesichts der aufkommenden Risiken ist es ratsam, diversifizierte Portfolios beizubehalten und Phasen der Volatilität zu nutzen.“

Chefstratege Axel Botte sieht ein zweigeteiltes Wachstum: Hier KI, die fast die Hälfte des US-Wachstums im Jahr 2025 ausmachen dürfte, dort die durch US-Präsident Donald Trump erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit, die das Wachstum und die Beschäftigung belaste.

Botte: „Das Risiko eines Platzens der KI-Blase sowie die Verschlechterung der Kreditqualität der Verbraucher sind die wichtigsten negativen Faktoren. Die Inflation dürfte sich jedoch ab dem Frühjahr abschwächen, während die Arbeitslosigkeit weiter steigen wird. Die für das 1. Quartal erwartete Entscheidung des US-Obersten Gerichtshofs über die Rechtmäßigkeit der Zölle könnte jedoch den Verlauf des Welthandels verändern: Eine erzwungene Deeskalation würde den Weg für eine Erholung des Handels ebnen.

In der Eurozone gewinnt die wirtschaftliche Erholung an Dynamik, insbesondere dank der Investitionspläne in Deutschland, das ein dauerhaftes Haushaltsdefizit von über 3% des BIP in Kauf nehmen wird. Dieser Impuls wird die erwartete Konsolidierung in Frankreich teilweise kompensieren, sodass das Wachstum in Europa insbesondere dank Spanien über 1% bleiben dürfte. Die Inflation dürfte aufgrund des weiterhin angespannten Arbeitsmarktes und des anhaltenden Lohndrucks leicht über 2% bleiben.

In China befindet sich die Wirtschaft weiterhin am Scheideweg: schwache Binnennachfrage, industrielle Neuausrichtung auf Spitzentechnologien, Rückgang des Immobilienmarktes und zunehmender Deflationsdruck.

Die Neuzusammensetzung des Gouverneursrats der US-Notenbank Fed dürfte eine akkommodierende Ausrichtung begünstigen, wobei der Fed-Funds-Satz voraussichtlich bei etwa 3% liegen wird. In der Eurozone dürfte die EZB ihren Einlagensatz bei 2% belassen und gleichzeitig ihre quantitative Straffung fortsetzen. Sollte die Inflation anhalten, könnte im 4. Quartal eine Zinserhöhung in Betracht gezogen werden.“

In Europa dürften sich die Aktienmärkte 2026 positiv entwickeln, angetrieben durch die Rückkehr des Ergebniswachstums. Ostrum AM rechnet für die Eurozone mit einem Wachstum der Ertragsbasis von 9%, was eine deutliche positive Wende gegenüber den letzten drei Jahren darstellt. Allerdings liegt diese Prognose etwa 6 Prozentpunkte unter dem Konsens der Analysten von 15%.

Die bereits 2025 steigenden Bewertungen dürften durch die Erholung der Gewinne und eine anhaltende Nachfrage nach privaten Emittenten gestützt bleiben. Besondere Wachsamkeit sei jedoch geboten hinsichtlich der Entwicklung der Langfristzinsen und der großen Themen der letzten Quartale (KI, Verteidigung, Elektrifizierung, deutscher Aufschwung), die zu Enttäuschungen führen könnten. Vor diesem Hintergrund dürften europäische Aktien, die in Portfolien nach wie vor untergewichtet seien, weiterhin Kapital anziehen.

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