Sollte der Oberste Gerichtshof („Supreme Court“) heute oder in den nächsten Tagen entscheiden, dass der US-Präsident auf der von ihm gewählten Rechtsgrundlage gar nicht im Alleingang Zölle verhängen darf, besteht nach Ansicht von Patrick Artus, Senior Economic Advisor des französischen Vermögensverwalters Ossiam, einer Tochter von Natixis Investment Managers, die Gefahr einer Staatsschuldenkrise in den Vereinigten Staaten. Dort habe das öffentliche Defizit im Jahr 2025 5,8% des BIP betragen, aber das Haushaltsdefizit werde 2026 aufgrund der im „Big Beautiful Bill” vorgesehenen zusätzlichen Ausgaben und Steuersenkungen 7% des BIP übersteigen.
Artus: „Die Haushaltslage der USA würde sich weiter verschlechtern, wenn der Oberste Gerichtshof die Zollerhöhungen aufhebt und die angekündigten Haushaltshilfen (2.000 Dollar pro Haushalt, insgesamt 270 Milliarden Dollar) tatsächlich umgesetzt werden.
Das Problem für die Vereinigten Staaten (und die Eurozone) besteht darin, dass japanische Investoren, die bisher wichtige Käufer von US-amerikanischen und europäischen Staatsanleihen waren, sich wahrscheinlich von diesen Staatsanleihen abwenden werden, um in japanische Anleihen zu investieren. Immerhin steigen dort die Zinsen (2,10% für die 10-jährige Rendite, 3,40% für die 30-jährige Rendite), und der Yen-Dollar-Kurs stabilisiert sich seit Mitte November 2025.
Auch wenn ein Zahlungsausfall der USA und wichtiger europäischer Staaten kaum vorstellbar ist – es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage aus dem Ausland nach amerikanischen und europäischen Staatsanleihen im Jahr 2026 geringer sein wird als im Jahr 2025. Das wird zu einem anhaltenden Anstieg der langfristigen Zinsen führen.“
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