Konjunkturausblick 2026: Unterschiede zwischen USA und Eurozone nehmen zu

Die Strategen von Natixis Investment Managers sehen trotz sinkender Volatilität und steigender Realzinsen Anzeichen für einen neuen globalen Wachstumszyklus. Während sie für die USA 2026 ein überdurchschnittliches BIP-Wachstum erwarten, bleiben sie für die Eurozone vorsichtig. Natixis Investment Managers | 23.01.2026 12:34 Uhr
Mabrouk Chetouane, Chefstratege, Natixis Investment Managers / © e-fundresearch.com / Natixis Investment Managers
Mabrouk Chetouane, Chefstratege, Natixis Investment Managers / © e-fundresearch.com / Natixis Investment Managers

Aus der Diskrepanz zwischen dem kontinuierlichen Rückgang der impliziten Volatilitätskennzahlen an den Aktienmärkten und dem Anstieg der Realzinsen (was normalerweise zu Spannungen führt) leiten die Strategen von Natixis Investment Managers ab, dass die Marktteilnehmer an einen stärkeren globalen Wachstumszyklus glauben. Das Team um Chefstratege Mabrouk Chetouane schließt sich dem an und erwartet etwa in den USA ein BIP-Wachstum von etwa 2,5 Prozent. Das liegt deutlich über den Konsenserwartungen und leicht über der Prognose der Fed.

Chetouane: „Die Zölle haben den globalen Handelsströmen keinen Schaden zugefügt. Der amerikanische Exzeptionalismus wird 2026 durch die vollständige Mobilisierung des makroökonomischen Arsenals (eine Kombination aus expansiver Fiskal- und Geldpolitik) zur Stützung des Konjunkturzyklus gekennzeichnet sein. Der einzige Wermutstropfen ist der Arbeitsmarkt. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze hat sich in den letzten beiden Monaten des Jahres stark abgeschwächt.“ 

Für die Eurozone bleiben die Strategen des zu den 20 größten Vermögensverwaltern weltweit zählenden Hauses hingegen skeptisch und erwarten für das Jahr 2026 ein schwächeres Wachstum von +1,1 Prozent, nach 1,4 Prozent im letzten Jahr.

Chetouane: „Spanien bleibt der Wachstumsmotor in Europa, weiterhin getragen von der Binnennachfrage. Dieselbe Binnennachfrage trägt aber nur sehr geringfügig zum Wachstum in Deutschland und Frankreich bei. Auch hinsichtlich eines Wachstumsschubs in Deutschland, der sich aus der Umsetzung des 2025 vorgestellten Konjunkturprogramms ergeben kann, bleiben wir vorsichtig. Die Vorteile einer auf die Unterstützung des Angebots ausgerichteten makroökonomischen Politik lassen länger auf sich warten. Der Rest Europas wird auf eine ähnliche fiskalische Unterstützung nicht zurückgreifen können.“

Für die Geldpolitik gehen die Natixis-Strategen weiterhin davon aus, dass die Fed ihren Leitzins im Jahr 2026 um 50 Basispunkte senken wird, um eine geldpolitische Neutralität zu erreichen.

Chetouane: „Obwohl der Zinskanal nach wie vor das wirksamste Instrument zur Steuerung der Geldpolitik einer Volkswirtschaft ist, könnte die Fed ihre Bilanz stärker nutzen, um den Aufwärtsdruck am langen Ende der Kurve zu verringern. Wir gehen auch davon aus, dass der neue Präsident der US-Notenbank die Kontinuität der Politik von Jerome Powell gewährleisten wird.

In Europa erwarten wir keine wesentlichen Änderungen in der Geldpolitik. Obwohl die Haltung der EZB leicht restriktiv wirkt, wird Christine Lagarde die Zinsen im ersten Quartal 2026 unverändert lassen.

Japan bildet eine Ausnahme, da zwei Zinserhöhungen erwartet werden, da die Inflation weiterhin über 2,0 Prozent liegt. Diese Normalisierung könnte jedoch durch die expansive Fiskalpolitik der Premierministerin behindert werden.“

Basierend auf diesen makroökomischen Analysen empfehlen die Strategen eine Übergewichtung der Aktienmärkte und eine Untergewichtung im US-Anleihemarkt, kompensiert durch eine positive Einschätzung hochwertiger europäischer Unternehmensanleihen. Der US-Dollar sollte nach ihrer Ansicht stabil bleiben, und die Preise für Edel- und Industriemetalle weiter steigen.

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