DNCA-Stratege: Kupfer zwischen Hammer und Amboss

2025 war ein starkes Jahr für Rohstoffe, insbesondere für Kupfer. Trotz schwacher Konjunktursignale erreichte der Kupferpreis neue Höchststände. Angebotsengpässe und strukturelle Nachfrage durch Energiewende und Digitalisierung werfen die Frage auf, ob ein langfristiger Paradigmenwechsel bevorsteht. Natixis Investment Managers | 28.01.2026 08:10 Uhr
Pierre Pincemaille, Portfoliomanager, DNCA Investments / © e-fundresearch.com / DNCA Invest
Pierre Pincemaille, Portfoliomanager, DNCA Investments / © e-fundresearch.com / DNCA Invest

2025 war ein exzellentes Jahr für Rohstoffe. Neben Gold (+42% in Euro) zeigten auch Industriemetalle deutliche Preisanstiege – allen voran Kupfer mit +27% in Euro. Dabei scheint das „rote Metall“ seinem Spitznamen Doctor Copper, der von seiner historischen Funktion als Konjunkturindikator rührte, zunehmend zu entwachsen. Denn obwohl die globale Industrieproduktion zuletzt unter Potenzial lief, die US-Immo­bilien­investitionen schwach und der chinesische Zyklus weiterhin gedämpft waren, markierte der Kupferpreis zu Jahresbeginn ein neues Allzeithoch von über 13.000 US-Dollar pro Tonne. Die Erklärung liegt sowohl in der Angebots- als auch in der Nachfragedynamik – und rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob es sich um ein zyklisches Phänomen oder einen strukturellen Paradigmenwechsel handelt.

Die Angebotsseite, sprich: die Minen waren 2025 von außergewöhnlichen Störungen geprägt. In Indonesien wurde die zweitgrößte Kupfermine der Welt nach einem tödlichen Erdrutsch teilweise stillgelegt. Lateinamerika meldete ebenfalls wiederholte operative Probleme, was in Summe zu einer stagnierenden Produktion führte. Der Rohstoffberater Wood Mackenzie beziffert den „Verlust“ an Marktvolumen auf rund 1,4 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr.

Jenseits episodischer Ereignisse bleibt die strukturelle Lage unverändert: sinkende Erzgehalte, steigende Instandhaltungskosten und eine CapEx-Priorisierung zugunsten laufender Operationen statt neuer Projekte. UBS erwartet für 2026 lediglich ein globales Produktionswachstum von etwa +1%.

Die Verknappung schlägt inzwischen auf die Raffinierung durch: die Treatment Charges fielen zuletzt in den negativen Bereich – eine historisch seltene Konstellation, bei der Raffinerien faktisch dafür zahlen müssen, um Vorprodukte zu sichern. Zusätzlich erhöhte der chilenische Staatskonzern Codelco Ende 2025 seine Prämien für chinesische Kunden auf ein Rekordniveau.

Auf der Nachfrageseite wiederholte sich 2025 eine aus drei Säulen gespeiste Dynamik:

  • Energiewende: Elektrifizierung, Netzausbau, erneuerbare Energien
  • Digitalisierung: Rechenzentren, KI-Infrastruktur, Halbleiter
  • China: gezielte Konjunkturstimuli statt breiter Bauprogramme

Bemerkenswert dabei ist, dass diese Nachfrageblöcke weniger zyklisch mit der klassischen Industrie korrelieren. Morgan Stanley beziffert den Kupferbedarf von Rechenzentren 2025 auf rund 500 kt (1,5% der globalen Nachfrage) und erwartet 740 kt in diesem Jahr – ein Beitrag von rund 60 Basispunkten zum Nachfragewachstum. Insgesamt rechnen die Analysten für 2026 mit einem Angebotsdefizit von ca. 600 kt.

Langfristig rechnet Wood Mackenzie bis 2035 mit einer Nachfragesteigerung um +24% auf 43 Mio. Tonnen jährlich. Um dies zu bedienen, wären Investitionen von rund 210 Mrd. US-Dollar nötig – deutlich über den lediglich 76 Mrd. US-Dollar der vergangenen sechs Jahre.

Der Preis als Gleichgewichtsmechanismus

Ein strukturelles Problem liegt in der Kapitalallokation: westliche Bergbaukonzerne zeigen sich zurückhaltend bei Greenfield-Projekten, die geologisch und politisch riskanter sind. China hingegen füllt das Vakuum und zeichnete in den vergangenen sechs Jahren für rund die Hälfte der Investitionen in der Kupferwertschöpfungskette verantwortlich – mit dem klaren Ziel einer vertikal integrierten Supply Chain vom Erz bis zur Endfertigung.

Parallel dazu wird nun Konsolidierung als Lösung diskutiert. So haben Glencore und Rio Tinto zuletzt wieder Gespräche aufgenommen, um einen globalen Marktführer mit einer kombinierten Kupferproduktion von 1,6 Mio. tpa und einer Unternehmensbewertung von über 250 Mrd. US-Dollar zu schaffen. Wie zuvor bei Anglo American/Teck steht dabei weniger Wachstum als Kostensynergien im Vordergrund – ein weiteres Signal für eine Branche, die eher in Effizienz als in Expansion investiert.

Die Kupfergleichung 2026 ist klar definiert: strukturelle Nachfrage trifft auf gedämpftes Angebot. Solange Investitionszyklen nicht drehen und Recyclingquoten allein die Lücke nicht schließen, wird der Preismechanismus die Anpassung leisten. Für Anleger bedeutet das: weniger Doctor Copper als Konjunkturbarometer – und mehr Kupfer als strategischer Rohstoff der Energiewende und Datenökonomie.

Von Pierre Pincemaille, DNCA Investments, Teil von Natixis Investment Managers

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