Wenn es einen eindeutigen Profiteur des Hin-und-Her in der Zollpolitik der USA gibt, dann die Eigentümer von und Investoren in Gold. Auch wenn wir aus intellektueller Ehrlichkeit zugeben müssen, dass Gold im eigentlichen Sinne kein Put ist, steht es aufgrund seiner Performance seit Jahresbeginn (bereits +15,7% auf 4996 $ pro Unze, d. h. 31 g) an erster Stelle der großen Anlageklassen, genau wie im Jahr 2025.
Angesichts des Preisanstiegs verliert der Schmuckbereich – der Sektor mit der größten Preiselastizität – gegenüber anderen Käufergruppen erwartungsgemäß an Boden. Und das nicht nur im Jahr 2025, sondern generell in den letzten zehn Jahren: Während dieser Bereich 2015 noch 50% der Gesamtnachfrage ausmachte, liegt er heute unter 30%. Und der Aufholeffekt der Verkaufspreise von Juwelieren wie Richemont (Cartier, Van Cleef & Arpels), um die gestiegenen Produktionskosten weiterzugeben, dürfte – zumindest auf kurze Sicht – die Nachfrage nicht gerade steigern.
Im Gegensatz dazu haben die Zentralbanken das Interesse an diesem Vermögenswert wiederentdeckt, als die Dollar-Guthaben der russischen Zentralbank im Jahr 2022 eingefroren wurden. Infolgedessen hat sich das jährliche Kaufvolumen dieser Akteure im Vergleich zum Zeitraum 2011-2021 (etwa 500 Tonnen in diesem Zeitraum) verdoppelt.
Durch diese Käufe und den Anstieg der Preise hat sich der Anteil des gelben Metalls in ihren Reserven automatisch erhöht (im Durchschnitt auf 25%). Einige Zentralbanken von Schwellenländern liegen jedoch weiterhin deutlich unter diesem Wert, wie beispielsweise China (9%), was den Kaufstrom in einem konfliktreichen geopolitischen Umfeld aufrechterhalten dürfte. Näher bei uns hat Polen, der weltweit größte Käufer im Jahr 2025 (102 Tonnen), nun ein Ziel für den Besitz in absolutem Gewicht statt in Prozent seiner Reserven (700 Tonnen gegenüber derzeit 550 Tonnen) festgelegt, was auf eine geringere Preissensibilität hindeutet.
Die Anhäufung von Goldbarren durch die nationalen Währungsbehörden in Verbindung mit dem Anstieg der Goldpreise weckt Begehrlichkeiten. In Italien, das über die drittgrößten Goldreserven der Welt (2452 Tonnen) verfügt, haben vier Senatoren einen Änderungsantrag zum Haushalt 2026 eingereicht, mit dem Ziel, diesen Schatz aus der Bilanz der Banca d'Italia in die Vermögenswerte des Staates zu übertragen, der damit Projekte finanzieren oder seine Schulden reduzieren könnte. Es überrascht nicht, dass die Europäische Zentralbank diese Initiative vehement ablehnt, da sie die Unabhängigkeit der italienischen Zentralbank in Frage stellen und andere Mitgliedsländer mit schwieriger Haushaltslage auf Ideen bringen könnte.
Etwas diskreter hat eine neue Art von Akteuren den Kauf-Trend verstärkt: die Emittenten von Stablecoins, also digitalen Token, die an bestehende Währungen gekoppelt sind. Tether, der Gigant dieser Branche und Emittent des USDT (Stablecoin Dollar), verzeichnete einen deutlichen Anstieg des Volumens seiner Token auf nicht weniger als 185 Milliarden Dollar. Um die Parität des USDT zum Dollar zu gewährleisten, investiert das in El Salvador ansässige Unternehmen einen Teil der eingenommenen Mittel in US-Staatsanleihen, aber auch in Gold, und zwar in einem solchen Umfang, dass es nach eigenen Angaben 140 Tonnen davon besitzt und damit vor den Zentralbanken Schwedens und Südafrikas liegt!
Trotz dieser strukturellen Käufer und den Preissignalen reagiert das Angebot kaum. Weil der Erzgehalt in den Minen sinkt (-45% seit 2005), die Reserven rückläufig sind (17,6 Milliarden Tonnen im Jahr 2024 gegenüber 27 Milliarden im Jahr 2019) und die Produktionskosten steigender (+35% seit 2023) profitieren Bergbauunternehmen in ihren Gewinn- und Verlustrechnungen vor allem vom steigenden Goldpreis. Und sie scheinen mehr an Finanzmanövern wie Barrick Mining interessiert zu sein, als ihr Verhältnis von Investitionen zu Verkäufen zu verbessern. Das vergangene Jahr bildete keine Ausnahme von dieser Regel, da die weltweite Produktion nur um 1% gestiegen ist.
Zu Beginn dieses Jahres erlitt der Goldpreis einen täglichen Rückgang, den man als historisch bezeichnen kann. Die Ankündigung der US-Regierung, Kevin Warsh als Nachfolger von Jay Powell zum Vorsitzenden der Fed zu ernennen, war zweifellos der Auslöser für diesen Rückgang. Tatsächlich rechnete der Markt nach der Vorladung von Jay Powell durch das Justizministerium mit einem Szenario der Unterordnung der Federal Reserve. Mit der Ernennung einer als glaubwürdig geltenden Persönlichkeit rückt dieses Szenario jedoch in weite Ferne.
Allerdings kann diese Ankündigung nicht das Ausmaß des Rückgangs erklären, und wie so oft in solchen Situationen muss man sich eher auf der Seite der technischen Faktoren umsehen. Im vorliegenden Fall sind wahrscheinlich extreme Spekulationspositionen über Optionsstrategien und gehebelte Tracker für den Volatilitätsspitzen verantwortlich, die durch die Entscheidung der Marktaufsichtsbehörden, die Margenanforderungen anzuheben, noch verstärkt wurden.
Die beschleunigte Bereinigung dieser Long-Positionen sollte logischerweise genutzt werden, um sich wieder im Gold zu engagieren, da sich der Hintergrund nicht geändert hat: Wir sind mitten in einer multipolaren Welt ohne monetäre Verankerung angekommen, angesichts der schleichenden „Entdollarisierung“, die wir über die Bestände der Zentralbanken hinaus sowohl bei den Emissionen von Unternehmen als auch in den Schwellenländern beobachten können. In diesem Analyserahmen sind Gold und ganz allgemein Edelmetalle und Übergangsmetalle Diversifizierungsinstrumente, die es ermöglichen sollten, das Risiko-Rendite-Verhältnis von Portfolios zu optimieren.
Von Pierre Pincemaille, DNCA Investments, Teil von Natixis Investment Managers
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