Zwischen Frankreich und Deutschland besteht tiefgreifende Uneinigkeit darüber, wie mit der Konkurrenz durch chinesische Produkte umzugehen ist. Frankreich befürwortet die Einführung von Zöllen auf alle europäischen Importe aus China oder eine starke Abwertung des Euro. Deutschland spricht sich für die Beibehaltung des Freihandels und für Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität aus. Patrick Artus, Senior Economic Advisor des französischen Vermögensverwalters Ossiam, einer Tochter von Natixis Investment Managers, hält diese strategischen Meinungsverschiedenheiten für „schwer nachvollziehbar“. Nach Ansicht des Professors an der Paris School of Economics (PSE) und ehemaligen Chefvolkswirts der Investmentbank Natixis müssten sich die deutschen Hersteller und die deutsche Regierung bewusst machen, dass angesichts der Produktionskostenvorteile Chinas die Beibehaltung des Freihandels zu einem starken Rückgang der europäischen Industrie, insbesondere der deutschen Industrie, führen würde.
Artus: „Der im Februar 2026 veröffentlichte Bericht der Hohen Kommission für Strategie und Planung in Frankreich schätzt den Produktionskostenvorteil Chinas gegenüber europäischen Ländern (insbesondere Frankreich und Deutschland) auf 30 bis 40%. Diese Differenz ist zurückzuführen auf:
- niedrigere Löhne (im Jahr 2024 betrug der durchschnittliche Stundenlohn in Deutschland 43 €, in Frankreich 44 € und in China 7 €);
- Geringere Rentabilitätsanforderungen in China
- Erhebliche staatliche Subventionen in China und niedrige Strompreise (der Stromtarif für Unternehmen beträgt zwischen 2023 und 2025 71% des globalen Durchschnittspreises).
Infolgedessen gewinnt China Marktanteile in der Fertigungsproduktion. Der Anteil Chinas an der weltweiten Fertigungsproduktion ist seit 2004 deutlich gestiegen.
Deutschlands Spezialisierung in der Produktion auf Automobile, Vorleistungsgüter und Investitionsgüter macht das Land besonders anfällig für die Konkurrenz durch chinesische Produkte.
Deutschland befürwortet die Aufrechterhaltung des Freihandels und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität. Doch angesichts der starken Kostenvorteile der chinesischen Industrie und der hohen Qualität chinesischer Produkte wird Deutschland weiterhin Marktanteile und Arbeitsplätze in der Industrie verlieren wird, wenn es an dieser auf Freihandel basierenden Strategie festhält.“
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