Natixis Investment Managers nutzt die Besonderheit seines „Affiliate“-Modells und befragt 33 Chefvolkswirte, CIOs und Analysten aus den verbundenen Vermögensverwaltern und der Bank zu den Aussichten auf das zweite Halbjahr 2026. Was dabei herauskommt, ist ein guter Überblick über das, was die Investmentwelt bewegt und über welche Themen mehr oder weniger Konsens herrscht.
Überblick
- 91 % der Natixis-Strategen glauben, dass KI der entscheidende Faktor für die Marktentwicklung im zweiten Halbjahr 2026 sein wird
- 88 % glauben, dass sich Produktivitätssteigerungen durch KI in höheren Unternehmensgewinnen niederschlagen werden
- 67 % erwarten, dass US-Aktien im zweiten Halbjahr eine Outperformance erzielen werden, wobei 42 % davon ausgehen, dass die US-Märkte weltweit die besten Renditen liefern werden
- Über die Hälfte (55 %) halten die Bedenken hinsichtlich privater Kredite für übertrieben
Trotz der vielen Risiken, die vom anhaltenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran über volatile Energiemärkte bis hin zur anhaltenden Inflation reichen, gehen 33 von Natixis Investment Managers befragte Chefvolkwirte, CIOs, Marktstrategen und Portfoliomanager aus mit Natixis verbundenen Investmenthäusern optimistisch in das zweiten Halbjahr 2026. Neun von zehn (91 %) erwarten, dass Künstliche Intelligenz weiterhin der entscheidende Faktor für die Marktentwicklung sein wird, ähnlich viele (88 %) glauben, dass sich Produktivitätsgewinne durch KI in höheren Unternehmensgewinnen niederschlagen werden, und nur 12 % glauben, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Blase platzen wird.
Allerdings sind 79 % der Meinung, dass die durch KI-Befürchtungen ausgelöste Volatilität von Dauer sein wird und sich möglicherweise auf mehrere Branchen ausweiten könnte. Auch das Konzentrationsrisiko – nur eine Handvoll von KI-Unternehmen stehen für einen Großteil der Marktrenditen – gibt Anlass zur Sorge: 85 % stufen es für die zweite Jahreshälfte als mittleres oder hohes Risiko ein.
Rezessionssorgen haben nachgelassen
Die Strategen von Natixis sind in diesem Jahr weniger besorgt über ein Rezessionsrisiko: Nur (3 %) stufen es als hoch ein, (27 %) gehen von einem mittleren Risiko aus, verglichen mit insgesamt (62 %), die in der Umfrage des Vorjahres die Rezession als mittleres oder hohes Risiko einstuften.
Zwar hält die Inflation auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte an, angetrieben durch den Anstieg der Energiekosten. Dementsprechend stufen (97 %) der Strategen die Inflation als eines der größten Risiken (70 % als mittel und 27 % als hoch) in der zweiten Jahreshälfte ein – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 79 %, die bei derselben Frage in der Umfrage des Vorjahres genannt wurden. Gleichwohl geht mehr als die Hälfte von ihnen (58 %) davon aus, dass die Fed die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte unverändert lassen wird.
Der Krieg hat gezeigt, wie anfällig die Energiemärkte in dieser Zeit geopolitischer Instabilität nach wie vor sind, und die Natixis-Strategen gehen davon aus, dass die Auswirkungen weit über die Ölpreise hinausreichen. Insgesamt geben 61 % an, dass die Auswirkungen zweiter und dritter Ordnung der Blockaden in der Straße von Hormus den Märkten mehr schaden werden als die erhöhten Energiepreise selbst. Fast acht von zehn (79 %) warnen vor einer erneuten Energiekrise in der zweiten Jahreshälfte, da die Gefahr einer erneuten Sperrung der Schifffahrtsroute besteht.
Auf längere Sicht könnte sich nach Ansicht der Experten aus der Energiekrise jedoch auch positive Entwicklungen ergeben. So glauben über zwei Drittel (67 %), dass der Krieg zwischen den USA und dem Iran letztendlich als Katalysator für verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien dienen wird, und sie erwarten nicht, dass die Energiepreise wieder die zu Jahresbeginn beobachteten Extremwerte erreichen werden. Umgekehrt rechnet aber auch keiner damit, dass die Preise auf die davor verzeichneten Tiefststände zurückfallen werden.
Der Aufschwung des Verteidigungssektors
Energiesicherheit ist einer der Treiber für den Verteidigungssektor. Sieben von zehn Befragten erwarten, dass der Sektor aufgrund des Konflikts zwischen den USA und dem Iran von anhaltendem Rückenwind profitieren wird. Insgesamt gehen 52 % davon aus, dass Verteidigungsaktien von weltweit steigenden Ausgaben profitieren werden – ein nur leichter Rückgang gegenüber der gleichen Frage im Vorjahr, als 59 % diese Einschätzung teilten.
Auf der Suche nach sicheren Häfen
Im Bereich festverzinslicher Wertpapiere wackelt der Ruf von US-Staatsanleihen. Fast die Hälfte (48 %) der Strategen ist der Ansicht, dass sie nicht mehr der sichere Hafen sind, der sie einst waren, und 55 % geben an, dass Investment-Grade-Anleihen möglicherweise besser geeignet seien, diese Rolle zu übernehmen.
Bei alternativen Anlagen glauben zwei Drittel (67 %) der Strategen, dass ein diversifiziertes 60:20:20-Portfolio mit alternativen Anlagen in der zweiten Jahreshälfte eine bessere Performance erzielen wird als die traditionelle 60:40-Allokation. Infrastruktur sticht in Europa als klarer Favorit hervor: Drei von zehn (30 %) Experten erwarten, dass dieser Sektor die höchsten Renditen erzielen wird. In einer Region, die von verlangsamtem Wachstum und anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist, scheinen Anleger von den stabilen Cashflows und der geringeren Korrelation angezogen zu sein, die Infrastruktur bieten kann.
Bedenken hinsichtlich privater Kredite sind übertrieben
Trotz der jüngsten Belastungen an den Kreditmärkten gibt mehr als die Hälfte (55 %) der Natixis-Strategen an, dass die Bedenken hinsichtlich dieser Anlageklasse übertrieben seien, während sieben von zehn (70 %) der Ansicht sind, dass es sich um vereinzelte und nicht um systemische Probleme handelt. Darüber hinaus sind 45 % der Meinung, dass die Märkte gegenüber privaten Krediten übermäßig negativ eingestellt sind.
Die Natixis-Strategen sind besonders optimistisch, was private Kredite in Europa betrifft. Mehr als die Hälfte (52 %) gibt an, dass die Chancen bei privaten Krediten dort besser aussehen als in den USA und dass die jüngsten Liquiditätsbedenken kaum Auswirkungen auf die langfristige Nachfrage nach dieser Anlageklasse haben werden.
Chancen im zweiten Halbjahr
Zwei Drittel (67 %) erwarten, dass US-Aktien eine Outperformance erzielen werden. Umgekehrt hat sich die Stimmung in Europa in diesem Jahr leicht abgekühlt, da nur 15 % glauben, dass Europa im zweiten Halbjahr 2026 am besten abschneiden wird, verglichen mit 38 % im Vorjahr.
Die Strategen sehen den Technologiesektor als wichtigste Quelle für Marktrenditen. Sowohl in den USA als auch in Asien erwarten fast zwei Drittel (61 %), dass der IT-Sektor die beste Performance erzielen wird; alle anderen Sektoren liegen mit 10 % oder weniger dahinter. Mehr als drei Viertel (76 %) glauben, dass Large-Caps Small-Caps übertreffen werden, und 82 % bevorzugen Wachstumswerte gegenüber Value-Werten.
Den vollständigen Bericht über die Umfrage des Natixis Center for Investor Insight sowie die Liste der teilnehmenden Experten finden Sie hier.
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