Mit einer vorübergehend von 2% auf 3 % anziehenden Inflation in Europa als Folge des Irankrieges rechnet François Collet, CIO der französischen Fondsgesellschaft DNCA Investments, einer Tochter von Natixis IM. Geringer werde die Steigerung mit etwa 50 Basispunkten in den USA ausfallen; dies liege zum Teil an dem bereits höheren Ausgangsniveau von 2,7 %. Zwar sei damit die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB den Leitzins innerhalb der nächsten 12 Monaten in zwei Schritten auf 2,50 % erhöhen werde, deutlich gestiegen, doch er glaubt weiterhin, dass auch der Status quo bestehen bleibt.
Mit gar keinen Zinserhöhungen rechnet der Portfoliomanager des DNCA Alpha Bond Fonds in den USA. Bis zum Ende von Jerome Powells Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve würden die Zinsen ohnehin unverändert bleiben, und er kann sich kein Szenario vorstellen, in dem sein Nachfolger Kevin Warsh gleich nach seiner Ernennung durch Donald Trump, der sich bekanntlich niedrige Zinsen wünsche, das Gegenteil tun werde.
Auf das Wachstum erwartet Collet hingegen größere Auswirkungen als der Markt bislang einpreist.
Collet: „Insbesondere in den Vereinigten Staaten könnten wir eine deutlichere Verlangsamung erleben. In Europa wird das Ausmaß wahrscheinlich durch das deutsche Konjunkturpaket abgefedert. Angesichts der globalen geopolitischen Lage halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Verteidigungsausgaben zurückgehen; sie könnten sogar steigen.
Sollten jedoch die Amerikaner die Straße von Hormus in den kommenden Wochen oder Tagen sichern, würde dies die Dauer der Auswirkungen auf Öl und Wirtschaft begrenzen. Sollten sich die Amerikaner hingegen aus dem Konflikt zurückziehen, ohne zuvor die Straße von Hormus gesichert zu haben, würde dies – selbst wenn sie andere militärische Ziele erreichen – der ganzen Welt eine Botschaft der Niederlage senden. Man könnte daraus schließen, dass die Sperrung der Straße von Hormus durch die Iraner – ihre wirtschaftliche „Atombombe“ – und der daraus resultierende Anstieg des Ölpreises die Amerikaner zwingen könnten, jederzeit zurückzustecken, sollte der Konflikt wieder aufflammen. Momentan halte ich beide Szenarien für gleich wahrscheinlich.
Für Anleiheinvestoren besteht das größte Risiko für 2026 darin, dass der Ölpreis ein untragbares Niveau erreicht, etwa 200 Dollar pro Barrel. Das würde bestimmte Unternehmen und Hersteller in eine schwierige Lage bringen und möglicherweise zu einer deutlichen Ausweitung der Kreditspreads sowie zu einer Wachstumsverlangsamung führen. Es ist schon sehr lange her, dass wir solche Stagflationsszenarien erlebt haben, und leider gibt es in einem solchen Szenario keine richtigen Antworten. Ein Anstieg der Zinssätze wäre für den Anleihemarkt katastrophal. Eine Zinssenkung würde andere Probleme mit sich bringen. Leider gibt es in diesem Szenario keine richtige Antwort. Aus meiner Sicht liegt der Schlüssel zur Vermeidung dieses Worst-Case-Szenarios darin, dass die Amerikaner die Straße von Hormus sichern.“
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