Wenn die KI-Angst umgeht und Kriege die Nerven auf eine harte Probe stellen, schaffen Quartalsberichte der Unternehmen Orientierung und helfen die Bewegungen an den Aktienmärkten wieder mit der Realität der betriebswirtschaftlichen Zahlen in Einklang zu bringen.
Im Lichte der historischen Korrelation zwischen Gewinnwachstum und Frühindikatoren für die Konjunktur (etwa dem US-Einkaufsmanagerindex PMI mit 51,9) verlief die Berichtssaison in den USA positiv: Das Gewinnwachstum je Aktie belief sich im vierten Quartal auf 14% im Jahresvergleich, dabei lagen rund 75% der Unternehmen über den Erwartungen. Dies ist umso bemerkenswerter, als der Konsens ausnahmsweise einmal nicht im Vorfeld der Veröffentlichungen nach unten korrigiert worden war. Erneut sind die Sektoren Technologie (+31%) und Finanzwerte (+17%) die größten Treiber des Wachstums an den US-Börsen, während der Gesundheitssektor mit stabilen Gewinnen im Berichtszeitraum das Schlusslicht bildet.
Das Fehlen eines Äquivalents zu den Mag7 in Europa lässt das Bild auf dieser Seite des Atlantiks blasser erscheinen: Das EPS-Wachstum liegt bei 4%, angeführt von den Finanzwerten (+19%) und den Versorgern (+25%). Im Gegensatz dazu verzeichnen der Nicht-Basiskonsum und der Energiesektor deutliche Rückgänge (jeweils -27% und -24%), doch die Gewinnentwicklung der großen Ölkonzerne dürfte sich mit dem Anstieg der Öl- und Gaspreise drastisch umkehren. Schließlich vermittelt die Analyse der Medianwerte statt der Durchschnittswerte ein ausgewogeneres Bild der Lage: Nach dieser Methode beträgt der Unterschied beim Gewinnwachstum pro Aktie zwischen den beiden Regionen „nur“ 400 Basispunkte (+9% gegenüber +5%).
Neben den Ergebnissen sind die Investitionsausgaben der andere Indikator, den Analysten aufmerksam beobachten. Zu Recht, wenn man die Ausgabenfreudigkeit der sogenannten Hyperscaler kennt: Diese haben ihre aggregierten Investitionsziele für das Jahr gegenüber dem Vorquartal um 24% auf 670 Milliarden Dollar angehoben, was einem Anstieg von 62% gegenüber 2025 entspricht! Angesichts der enormen Summen, um die es hier geht, und der Zweifel an der Rentabilität dieser Investitionen war Oracle das einzige Unternehmen, das nach der Veröffentlichung nicht von den Anlegern abgestraft wurde.
Im Zuge dieses Phänomens des sprunghaften Anstiegs der CapEx ist die Zahl der Unternehmen, die das Thema KI erwähnen, im Quartalsverlauf gestiegen: 70% der S&P-500-Unternehmen haben das Thema bei der Präsentation der Ergebnisse durch die Unternehmensleitung angesprochen. 54% von ihnen erwähnen es im Zusammenhang mit Produktivitätssteigerungen, doch die Zahlen fallen drastisch ab, wenn es darum geht, quantifizierte Anwendungsfälle (10%) oder die Auswirkungen auf den Gewinn (1%) darzustellen. Ein Beweis dafür, dass wir uns bei den Unternehmen noch in den Anfängen dieses Phänomens befinden.
Vor dem Hintergrund der KI und ihrer Folgen wich die Reaktion der Aktien am Tag der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse vom klassischen Verhaltensmuster ab: Im Durchschnitt entwickelten sich europäische Unternehmen, die über den Konsensprognosen lagen, am Tag der Bekanntgabe im Einklang mit dem Index. Umgekehrt wurde jede Enttäuschung von den Anlegern in einem Ausmaß abgestraft, das weit über dem historischen Durchschnitt lag. Seit Jahresbeginn ist zudem eine beispiellose fehlende Korrelation zwischen Börsenperformance und Anpassungen des Konsensgewinns auf beiden Seiten des Atlantiks zu beobachten. Dieser Bruch spiegelt wahrscheinlich die Unsicherheit der Anleger hinsichtlich des nachhaltigen Werts bestimmter Geschäftsmodelle wider, die von der laufenden technologischen Revolution betroffen sein könnten.“
Von Pierre Pincemaille, DNCA Investments, Teil von Natixis Investment Managers
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