Auf die höchst unterschiedlichen Auswirkungen der hohen Öl- und Erdgaspreise auf die Vereinigten Staaten und Europa weist Patrick Artus, Senior Economic Advisor des französischen Vermögensverwalters Ossiam (einer Tochter von Natixis Investment Managers), hin. Der volumengewichtete Preis für Öl und Erdgas zusammen sei seit Beginn des Krieges im Nahen Osten um 56% gestiegen. Dies führt nach Berechnungen des Professors an der Paris School of Economics (PSE) und ehemaligen Chefvolkswirts der Investmentbank Natixis zu einem Anstieg des BIP in den Vereinigten Staaten um 0,8% und zu einem Rückgang des BIP in der Europäischen Union um 1,4%.
Artus: „Die Energieexporte machen derzeit 1,2% des US-BIP aus. In den USA liegt das Problem aber in der Verteilung der Gewinne: Es profitieren Unternehmen und Aktionäre. Hingegen verringern sich die Gewinne der Unternehmen, die Öl und Erdgas verbrauchen, und es sinkt das Haushaltseinkommen aufgrund höherer Preise für Kraftstoffe und für Gas, das für Haushaltszwecke genutzt wird.
Insgesamt wirkt sich jedoch ein Anstieg der Öl- und Erdgaspreise positiv auf das Einkommen aller Wirtschaftsakteure in den Vereinigten Staaten aus. Das reale BIP-Wachstum wird in den Vereinigten Staaten nicht zurückgehen.
Die Europäische Union hingegen importiert erhebliche Mengen an Öl und Gas; Energieimporte machen 2% des BIP der Europäischen Union aus. Steigende Öl- und Gaspreise verringern daher das Einkommen der Haushalte, die Gewinne der Unternehmen und erhöhen das Haushaltsdefizit der Regierungen, insbesondere wenn Regierungen eingreifen, um den Energieeinkauf von Haushalten und Unternehmen zu subventionieren.“
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