Es ist noch nicht an der Zeit für die Fed

Die Fed dürfte ihren Leitzins vorerst unverändert lassen. Doch Energiepreise, Inflationsrisiken und die Lage am Arbeitsmarkt rücken stärker in den Fokus. Mabrouk Chetouane von Natixis IM analysiert, warum Zinssenkungen 2026 dennoch möglich bleiben. Natixis Investment Managers | 28.04.2026 09:50 Uhr
Mabrouk Chetouane, Chefstratege, Natixis Investment Managers / © e-fundresearch.com / Natixis Investment Managers
Mabrouk Chetouane, Chefstratege, Natixis Investment Managers / © e-fundresearch.com / Natixis Investment Managers

Zweifellos dürfte die Fed ihren Leitzins bei der nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses unverändert lassen (in einer Spanne zwischen 3,5 % und 3,75 %), trotz des Drucks aus dem Energiesektor. Der Anstieg der Verbraucherpreise im vergangenen März war im Wesentlichen auf die Verteuerung von Energie und Lebensmitteln zurückzuführen. Die den stimmberechtigten Mitgliedern des FOMC zur Verfügung stehenden Informationen lassen derzeit keine mögliche Übertragung des Energiepreisanstiegs auf die Kerninflation erkennen. Zudem deuten die Daten darauf hin, dass es im Durchschnitt ein Quartal dauert, bis sich nominale Spannungen auf die Kerninflation auswirken. Derzeit reagieren lediglich Umfragen zur Stimmung der Verbraucher oder Unternehmen deutlich auf den Energie-Schock, während weiterhin gewisse Zweifel an der Solidität des Arbeitsmarktes bestehen. 

Derzeit orientieren sich die Erwartungen der Anleger weiterhin stark an der mittleren Prognose der Federal Reserve, nämlich einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bis zum Jahresende. Unserer Ansicht nach geht es bei dieser Sitzung um zwei Dinge: Erstens um die Anpassung der Erwartungen der Anleger hinsichtlich Zinsen und Inflation, um eine unerwünschte Verschärfung der finanziellen Bedingungen zu vermeiden, und zweitens um die Schaffung einer Bandbreite von Optionen, um auf jedes mögliche Szenario reagieren zu können. Dieser Energieschock, der das Angebot (entweder über den Mengen- oder den Preiskanal) dämpfen dürfte, könnte in seinem Gefolge zu einem deutlichen Einbruch der Gesamtnachfrage führen. Wir gehen davon aus, dass sich die Risiken für den Konjunkturzyklus materialisieren könnten und dass die Reaktionsfunktion der Fed weiterhin stärker auf die Wirtschaftstätigkeit und damit auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet ist. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass die Fed ihren Leitzins für 2026 um 25 bis 50 Basispunkte senken könnte – nicht, um den Wünschen des Weißen Hauses nachzukommen, sondern aus der Notwendigkeit heraus, die Nachfrage zu stützen.

Von Mabrouk Chetouane, Chefstratege, Natixis Investment Managers

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