Obwohl auch Romain Aumond, Stratege bei Natixis Investment, erwartet, dass die Europäischen Zentralbank am Donnerstag die Leitzinsen unverändert lassen wird, warnt er doch vor einer Überreaktion der EZB in der zweiten Jahreshälfte. Denn einerseits wurde zwar der vorübergehende Charakter des zu Quartalsbeginn in der Eurozone beobachteten Inflationsschocks durch die Inflationszahlen vom Juni bestätigt (2,8 % gegenüber 3,2 % im Jahresvergleich im Mai), andererseits sei aber das Direktorium offenbar davon überzeugt, dass die wieder steigenden Energiepreise zu preistreibenden Zweitrundeneffekten führen werden.
Aumond kommentiert: „Die jüngste Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in der Straße von Hormus lässt den Markt vermuten, dass es bis zum Jahresende zwei weitere Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte geben wird. Das Argument, dass die Inflationserwartungen wieder verankert werden müssen, wird wahrscheinlich herangezogen werden, um die geldpolitische Straffung zu rechtfertigen, die sich bereits in Umfragen zum Zugang der Unternehmen zu Finanzmitteln und im Anstieg der europäischen Zinssätze, insbesondere der Realzinsen, abzeichnet.
Die Geschwindigkeit, mit der diese Prognosen an den geopolitischen Kontext angepasst werden, könnte jedoch dazu führen, dass sich die EZB in einer konservativen Haltung verstrickt und sich weigert, die Situation als einen rein angebotsseitigen Schock zu betrachten, auf den sie keinen Einfluss hat und dessen Zweitrundeneffekte nach derzeitigem Stand begrenzt sind.“
Von Romain Aumond, Quantitative Strategist bei Natixis IM Solutions
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