Die US-Notenbank Federal Reserve hat die weithin erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte vorgenommen und damit die Zielspanne für die Fed Funds Rate auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Die übergeordnete Botschaft war jedoch differenzierter, wobei sowohl das Statement als auch die Summary of Economic Projections (SEP) einen vorsichtig „hawkishen“ Ton erkennen ließen.
Die Zinserhöhung selbst war keine Überraschung, da die Märkte den Schritt um 25 Basispunkte weitgehend erwartet hatten. Bemerkenswert war vielmehr, dass die Entscheidung einstimmig fiel, nachdem es gewisse Erwartungen gegeben hatte, dass es zu einem abweichenden „dovishen“ Votum kommen könnte. Fed-Chair Warsh bekräftigte seine Haltung und wiederholte mehrfach, dass er sich mit dem derzeitigen Inflationsniveau unwohl fühle.
Das Statement stellte die Zinserhöhung ausdrücklich als einen Schritt dar, der eine „zeitnähere Rückkehr“ zum Zwei-Prozent-Ziel unterstützen soll. Dies deutet darauf hin, dass das Committee die derzeitige Geldpolitik als noch nicht ausreichend restriktiv ausgerichtet sieht.
Der Dot Plot zeigte dementsprechend eine „Higher for Longer“-Tendenz, wobei der Median-Dot eine weitere Zinserhöhung im Jahr 2026 und keine Veränderungen des Leitzinses im Jahr 2027 signalisiert. Erst für 2028 werden Zinssenkungen erwartet. Die Schätzung für die Fed Funds Rate auf längere Sicht wurde auf rund 3,25 Prozent angehoben, was die Vorstellung untermauert, dass der neutrale Zinssatz höher sein könnte als bislang angenommen.
Die SEP deutete auf ein stärkeres Wachstum bei gleichzeitig hartnäckigerer Inflation hin: Die BIP-Prognosen wurden nach oben korrigiert, die Prognosen für die Arbeitslosigkeit gesenkt und die Prognosen für die Gesamt- und Kerninflation gemessen am PCE-Preisindex leicht angehoben. Diese Kombination gibt der Fed offenbar den Spielraum, ihren Fokus weiterhin auf die Inflation zu richten, da sowohl der Arbeitsmarkt als auch das Wachstumsumfeld unterstützend bleiben. Damit verschiebt sich die Risikobalance innerhalb ihres dualen Mandats nun eindeutig auf die Inflationsseite.
Nach der Veröffentlichung des Statements zeigten sich die Märkte zunächst recht positiv, doch während der Äußerungen von Warsh änderte sich die Stimmung. Dies deutet auf eine „hawkishere“ Interpretation durch die Märkte hin, nachdem der Fed-Chair die stärkere wirtschaftliche Aktivität, die unzureichenden Fortschritte bei der Inflation sowie die Aufwärtsrisiken für die Inflation hervorgehoben hatte. Seine Aussage, dass „die Inflation zu hoch ist und dies schon seit zu langer Zeit“, verbunden mit seiner Einschätzung, dass mit der Zinserhöhung „eine Dosis Akkommodierung“ zurückgenommen werde, schien diesen hawkishen Ton zusätzlich zu unterstreichen. Auch dies deutet darauf hin, dass das Committee die Geldpolitik nicht länger nur lediglich moderat restriktiv ausrichten will.
Wir sind jedoch weiterhin nicht davon überzeugt, dass dies der Beginn eines neuen aggressiven Straffungszyklus ist. Vielmehr sehen wir darin eine Rücknahme der vorsorglichen Zinssenkungen, die die Fed im Herbst 2025 vorgenommen hat. Es ist durchaus möglich, dass wir hier eine Bestätigung der These sehen, dass die Terminal Rate höher liegen könnte als ursprünglich angenommen. Die Aufwärtsrevision des Dot für den längerfristigen Zins deutet genau darauf hin.
Die Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung war bereits im Vorfeld dieser Sitzung ein Thema, sodass für das Committee nun der Zeitpunkt gekommen war, seinen Worten Taten folgen zu lassen.
Am Markt kam es bei der US-Treasury-Kurve zu einer Verflachung, wobei die Renditen am kurzen Ende stiegen und das lange Ende im Wesentlichen unverändert blieb. Wir hätten es vorgezogen, wenn die Reaktion am Anleihemarkt die Renditen am langen Ende nach unten gedrückt und damit einen Hinweis darauf gegeben hätte, dass die Inflationssorgen eingedämmt worden sind. Das Ausbleiben einer entsprechenden Reaktion am langen Ende schien jedoch darauf hinzudeuten, dass der Markt weiterhin davon ausgeht, dass auf der Seite der geldpolitischen Straffung noch mehr getan werden muss. Der Markt hat entsprechend die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember nach oben korrigiert; zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Kommentars lag sie bei knapp 75 Prozent.
Wir erwarten, dass die Fed weiterhin datenabhängig agieren wird, wobei die Risiken in Richtung einer weiteren Straffung tendieren, sofern die Inflation keine deutlichere und breiter angelegte Abkühlung zeigt. Einfach ausgedrückt: Eine bis zwei weitere Zinserhöhungen sind von hier aus möglich, da die Risikobalance weiterhin eindeutig in Richtung Inflation verschoben ist.
Von Jack Janasiewicz, Portfolio Manager und Stratege bei Natixis Investment Managers
Weitere beliebte Meldungen: