Die Zweidrittelmehrheit von Peter Magyar (TISZA) bei der gestrigen Parlamentswahl in Ungarn bringt nicht nur große Erleichterung für die EU und die NATO, sondern sorgt auch an den Kapitalmärkten für gute Stimmung.
Ungarische Aktien, Anleihen und insbesondere die Währung haben sich im Zuge der Nachrichtenlage und in Erwartung einer kooperativeren Ausrichtung nach Europa stark entwickelt. Während vor der Wahl noch große Unsicherheit herrschte, legte der Forint zuletzt eine beeindruckende Rallye hin und zählt aktuell zu den stärksten Währungen gegenüber dem Euro.
Das Ende der 16-jährigen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán schürt an den Märkten die Hoffnung, dass Ungarn nun die belastete Beziehung zu Brüssel wieder ins Lot bringt. Die stärker pro-europäische Regierung hat sicherlich die besseren Chancen, die Blockade der Milliarden an ausstehenden EU-Mitteln aufzuheben. Dabei geht es um rund 18 Milliarden Euro in verschiedenen Programmen und insbesondere um mehr als 6,4 Milliarden Euro an Mitteln aus dem Pandemie-Wiederaufbau. Ungarn hat in den letzten Jahren aufgrund der fehlenden EU-Gelder und falscher Priorisierung bei der Wirtschaftspolitik Wachstum eingebüßt. Mit der Aussicht auf diese Mittel besteht nun wieder berechtigte Hoffnung auf stärkeres Wachstum.
Voraussetzung für die Auszahlung der Mittel wird aber sein, dass Ungarn die Bedingungen in Bezug auf Rechtsstaatlichkeit und Governance erfüllt. Sollte Ungarn die EU-Mittel erhalten, würde das nicht nur dem, auch im Zuge der Wahl von der FIDESZ-Partei stark strapazierten Haushaltsdefizit helfen, sondern mit Sicherheit die mittelfristigen Wachstumsaussichten Ungarns verbessern. Das Haushaltsdefizit betrug 2025 4,6 %. Inflationsdruck ist da, aber nicht übertrieben hoch. Auch Spekulationen darüber, dass Ungarn nun den Euro einführen könnte, werden wieder lauter.
Von Ronald Schneider, Leiter „Anleihen, CEE & Global Emerging Markets“ bei Raiffeisen Capital Management
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