Schon seit einiger Zeit beobachten wir einen stetigen Strom positiver Konjunkturdaten aus Europa. Angefangen von grundsoliden BIP-Zahlen aus Deutschland bis hin zu ermutigenden Ergebnissen aus den Umfragen unter Einkaufsmanagern an der Euro-Peripherie. Drastisch auf nie da gewesene Niveaus von unter 3% gefallen sind die Renditen von Staatsanleihen aus Ländern wie Spanien, Italien und Irland. Was nahelegt, dass Anleger eine Menge positiver Nachrichten einpreisen.
Diesen positiven Anzeichen stehen indes uneinheitliche Zahlen und verhaltene Prognosen aus den Unternehmen gegenüber. Von den zunehmenden geopolitischen Spannungen als Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland sowie den sich hieran anschließenden Unruhen in der Ostukraine ganz zu schweigen. Aber auch die Kernländer Europas sind vor politischen Problemen nicht gefeit. Am Wochenende waren die Europawahlen, die in vielen Ländern eine Protestwahl war.
Dabei dürfen zwei Dinge nicht vergessen werden: Bei Europawahlen ist die Wahlbeteiligung tendenziell geringer als bei nationalen Wahlen. Was das Ergebnis zugunsten kleinerer Parteien verzerren kann, die sich laut Gehör verschaffen und deren Anhänger eher zur Wahl gehen. Zudem bieten sie der Presse rund um den Globus eine willkommene Plattform, um auf alles draufzuhauen, wo Europa draufsteht. Aber trotz all des Lärms im Vorfeld der Wahlen gehen wir davon aus, dass der Europa-Bus in gleicher Besetzung weiterrollen wird mit den Christ- und Sozialdemokraten auf den vorderen Plätzen und am Steuer. Allerdings könnten auf den hinteren Bänken künftig auch einige aufsässige Gören mitfahren, die dem Busfahrer und den Passagieren auf den vorderen Plätzen mit Flegeleien das Leben schwer machen. Folglich könnten die Rufe nach einer Reform der Art und Weise wie Europa funktioniert (oder eben auch nicht, wie viele nicht ganz zu unrecht meinen) lauter werden.
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