Iran-Eskalation: Marktexperten analysieren Folgen für Energiepreise und Portfolios

Die jüngsten Militärschläge im Iran sorgen für Verunsicherung an den globalen Märkten. Die e-fundresearch.com Redaktion analysiert die Einschätzungen führender Asset Manager wie J.P. Morgan, Fidelity und BayernInvest zur Straße von Hormus, dem Ölpreis und den Implikationen für professionelle Portfolios. Markets | 03.03.2026 10:41 Uhr
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Markttendenz und Analysten-Konsens

  • Ölmarkt: Brent-Preise zwischen 80 und 95 USD (Basisszenario), Risiko bei Schließung der Straße von Hormus über 100–120 USD.

  • Währungen: Stärke bei US-Dollar (USD) und Schweizer Franken (CHF) als klassische Safe Havens.

  • Aktien: Kurzfristige Volatilität und Risikoabschläge, langfristig „vorsichtig konstruktiv“.

  • Zinsen/EZB: Vorerst keine reaktiven Maßnahmen der Zentralbanken erwartet; Fokus auf Inflations-Breakevens.

Auf Basis aktueller Berichte von BayernInvest, Fidelity International, Generali Investments, J.P. Morgan, Nomura, Berenberg, Metzler Asset Management und Janus Henderson Investors untersucht die e-fundresearch.com Redaktion die Auswirkungen der jüngsten US-israelischen Angriffe auf den Iran. Im Fokus steht dabei die Frage, ob es sich um ein episodisches Ereignis oder einen strukturellen Regimewechsel handelt. Daniel Kerbach, CIO der BayernInvest, konstatiert zu Beginn der Woche einen klassischen „Risk-off-Modus“ mit einer spürbar geringeren Bereitschaft, Rücksetzer zu kaufen.

Die Straße von Hormus als systemischer Engpass

Ein zentraler Diskussionspunkt ist die kritische Bedeutung der Straße von Hormus. Laut Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, könnte eine Schließung der Meerenge „rund 15-20 Prozent der globalen Ölproduktion vom Markt nehmen“. Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, bezeichnet den Ölmarkt als den eigentlichen „Transmission Channel“. Er warnt, dass bereits partielle Störungen über Risikoaufschläge und Versicherungsprämien eine Preisdynamik auslösen könnten, die den Aufschwung in Importregionen „spürbar ausdünnt“.

Gleichzeitig verweisen Experten auf kompensierende Faktoren. BayernInvest merkt an, dass die US-Wirtschaft strukturell weniger anfällig für höhere Energiepreise sei als Europa oder Asien. Fidelity International ergänzt in ihrem Basisszenario, dass man von einer erhöhten geopolitischen Prämie ausgehe, wobei Brent zwischen 80 und 95 USD gehandelt werde. „Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass es sich strukturell eher um einen Schock für den Seetransport von Rohöl als um einen Schock für die US-amerikanische Binnenversorgung handelt“, so das Makro-Team von Fidelity. Berenberg ergänzt, dass historische Daten oft auf initiale Preissprünge hindeuten, die jedoch wieder abflauen, solange die tatsächlichen Warenströme nicht dauerhaft unterbrochen werden.

Strategische Einordnung: Regimewechsel oder Instabilität?

J.P. Morgan stuft die Lage als „strategischen Opportunismus“ der USA und Israels ein. Derek Chollet, Head of the J.P. Morgan Chase Center for Geopolitics, betont: „Chameneis Tod verändert das Spiel.“ Er sieht eine Wahrscheinlichkeit von 65 % für einen Kollaps oder eine irreversible Schwächung des Regimes. Dennoch bleibe der Weg dorthin „messy, not orderly“. Im Gegensatz dazu warnt Fidelity, dass die Ernennung eines weiteren Hardliners die Wahrscheinlichkeit eines Worst-Case-Szenarios erhöhen könnte, was zu einem anhaltenden Guerillakrieg führen würde.

Makroökonomie und das Risiko eines Energieschocks

Für die Geldpolitik ergeben sich daraus komplexe Fragestellungen. Andrzej Szczepaniak, EZB-Beobachter bei Nomura, zeigt sich jedoch zurückhaltend bezüglich unmittelbarer Reaktionen der Notenbanken: „Wir sind letztlich der Ansicht, dass die jüngsten Entwicklungen in ihrer Wirkung bislang so begrenzt sind, dass die EZB in naher Zukunft keine reaktiven Maßnahmen ergreifen wird.“ Die Märkte hätten die Inflationserwartungen zwar leicht nach oben korrigiert, preisten jedoch keine massiven Zinserhöhungen ein.

Metzler AM skizziert hierbei ein deutliches Stagflations-Dilemma für den Fall einer weiteren Eskalation: Sollte es zu einem regionalen Energieschock mit Ölpreisen über 120 USD kommen – etwa durch Treffer auf die Infrastruktur oder eine vollständige Blockade der Handelswege –, würde dies laut Walk die Inflation massiv antreiben und gleichzeitig das Wachstum abwürgen. In einem solchen Szenario müssten Zentralbanken zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstabilisierung abwägen.

Auch jenseits des Ölmarkts rückt der Verteidigungssektor in den Fokus. Tom Bailey von HANetf verweist darauf, dass moderne Raketenabwehrsysteme zwar wirksam seien, der verstärkte Einsatz kostengünstiger Drohnen jedoch neue Investitionen in Kurzstreckenabwehr, Sensorik und elektronische Systeme erforderlich mache. Für Investoren bedeutet dies, dass geopolitische Eskalationen nicht nur über Energiepreise wirken, sondern auch strukturell steigende Verteidigungsbudgets und entsprechende thematische Allokationen begünstigen könnten.

Verteidigungssektor rückt in den Fokus

Jenseits des Ölmarkts rückt der Verteidigungssektor in den Fokus. Tom Bailey von HANetf verweist darauf, dass moderne Raketenabwehrsysteme zwar wirksam seien, der verstärkte Einsatz kostengünstiger Drohnen jedoch neue Investitionen in Kurzstreckenabwehr, Sensorik und elektronische Systeme erforderlich mache. Für Investoren bedeutet dies, dass geopolitische Eskalationen nicht nur über Energiepreise wirken, sondern auch strukturell steigende Verteidigungsbudgets und entsprechende thematische Allokationen begünstigen könnten.

Portfolio-Implikationen und Asset Allocation

Hinsichtlich der Portfolio-Positionierung empfiehlt Adam Hetts von Janus Henderson Investors, „eine langfristige Perspektive einzunehmen, anstatt auf kurzfristige Schwankungen zu reagieren“. Hochwertige Safe-Haven-Assets und eine breite Diversifizierung seien entscheidend, um die „maximale Unsicherheit“ zu überstehen. BayernInvest sieht zudem Schutz in realen Vermögenswerten wie Gold und qualitativ hochwertigen Anleihen.

Fidelity bleibt für globale Aktien mittelfristig konstruktiv, „es sei denn, die Unterbrechung der Energieversorgung wird dauerhaft und strukturell“. Im Bereich der Fixed Income Anlagen könnten AAA-Staatsanleihen gestützt werden, während bei Kreditspreads selektive Kaufgelegenheiten entstehen könnten.

Die e-fundresearch.com Redaktion wird die weitere Entwicklung und die entsprechenden Anpassungen der Asset Manager fortlaufend beobachten.

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