US-Fiskalpolitik als Unsicherheitsfaktor: Supreme Court, Defizite und Langfristzinsen
Ein klarer Aufmerksamkeitsschwerpunkt lag im Januar auf den USA und der Frage, wie politische Entscheidungen und fiskalische Dynamiken zunehmend in die Bewertung von Staatsanleihen zurückwirken. Im Zentrum stand dabei die noch ausstehende Entscheidung des Supreme Court zu den Zollbefugnissen des Präsidenten. Patrick Artus, Senior Economic Advisor bei Ossiam (Natixis Investment Managers), warnte in diesem Zusammenhang vor erheblichen fiskalischen Folgewirkungen. Sollten Zollerhöhungen aufgehoben und gleichzeitig zusätzliche Haushaltsmaßnahmen umgesetzt werden, würde sich nach seiner Einschätzung die US-Haushaltslage weiter verschärfen.
Artus betonte, dass „das Haushaltsdefizit 2026 aufgrund der im ,Big Beautiful Bill‘ vorgesehenen zusätzlichen Ausgaben und Steuersenkungen 7 % des BIP übersteigen“ dürfte. Zugleich verwies er auf die wachsende Bedeutung internationaler Kapitalflüsse: „Es ist davon auszugehen, dass die Nachfrage aus dem Ausland nach amerikanischen und europäischen Staatsanleihen im Jahr 2026 geringer sein wird als im Jahr 2025.“ Vor diesem Hintergrund rückte weniger die kurzfristige Zinspolitik als vielmehr das lange Ende der Zinskurve in den Fokus der Diskussion. Die meistgelesenen Beiträge verdeutlichten damit, dass Fiskalpolitik 2026 zunehmend als eigenständiger Marktfaktor wahrgenommen wird – mit direkten Implikationen für Staatsanleihen und Währungen.
Geldpolitik, Inflation und Währungen: Die Rückkehr der Abwägungen
Daneben prägten mehrere Texte die Debatte, ob Zinssenkungen 2026 tatsächlich den erwarteten Rückenwind liefern können oder sich angesichts fiskalischer Impulse und möglicher Inflationspersistenz als riskantes Timing erweisen. In den USA wie auch in der Eurozone rückten dabei weniger kurzfristige Datenpunkte als vielmehr strukturelle Treiber in den Vordergrund. Chefvolkswirte und Marktstrategen verwiesen auf die anhaltende Bedeutung von Kerninflation, Energiepreisen und geopolitischen Effekten für den geldpolitischen Handlungsspielraum.
Ergänzend gewann der Währungsblick an Bedeutung. Der schwächer tendierende US-Dollar wurde in mehreren Beiträgen als Ausdruck wachsender Unsicherheit interpretiert – sowohl mit Blick auf die institutionelle Unabhängigkeit der Geldpolitik als auch auf die Bereitschaft internationaler Investoren, US-Assets weiterhin in bisherigem Umfang zu halten, vor allem im Kontext geopolitischer Drohungen. Damit verknüpften sich geldpolitische Erwartungen zunehmend mit fiskalischen und geopolitischen Fragestellungen.
Unsere Jahresausblick-Survey 2026: Einordnung entlang der wichtigsten Assetklassen
Einen eigenen Schwerpunkt bildete die laufende e-fundresearch.com Jahresausblick-Survey 2026, die im Januar in mehreren Teilen besonders stark rezipiert wurde. Die Serie ist darauf angelegt, eine strukturierte und vergleichbare Orientierung über zentrale Anlageklassen hinweg zu liefern – von globalen Anleihen über Aktien bis hin zu Rohstoffen und weiteren Segmenten. Auffällig ist dabei weniger eine einheitliche „Hausmeinung“ als vielmehr die wiederkehrende Betonung von Differenzierung.
Sowohl im Anleihen- als auch im Aktienausblick wurde deutlich, dass Ertragspotenziale zwar anerkannt werden, zugleich jedoch Bewertungsfragen, Laufzeitensteuerung, Segmentselektion und aktives Risikomanagement stärker in den Vordergrund rücken. Die hohe Resonanz auf die einzelnen Teile der Umfrage unterstreicht, dass 2026 weniger als Jahr klarer Richtungsentscheidungen wahrgenommen wird, sondern als Umfeld, in dem die Qualität der Umsetzung und die Fähigkeit zur Selektion über den Anlageerfolg entscheiden.
Auf einen Blick: Die Top-25 meistgelesenen Artikel im Januar 2026
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